Börse Frankfurt
Dax nähert sich wieder 12.800 Punkten

Nach dem Ausverkauf bei Technologie-Aktien am Montag gingen diese Werte heute wieder auf Erholungskurs. Die Lufthansa steigt sogar auf ein Drei-Jahres-Hoch. Der deutsche Aktienmarkt zeigt sich vorsichtig optimistisch.
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FrankfurtNach den Kursverlusten zu Wochenauftakt haben einige Anleger am Dienstag die Gelegenheit zum Wiedereinstieg in die Aktienmärkte genutzt. Der Dax ging mit einem Plus von 0,6 Prozent auf 12765 Punkten aus dem Handel, der Euro Stoxx legte 0,4 Prozent auf 3557 Zähler zu. Damit machten die Indizes etwa die Hälfte der Verluste vom Montag wieder wett. Doch blieben die Umsätze mau und die Anleger vorsichtig. Bis zur US-Zinsentscheidung am Mittwochabend werde „dieses impulslose Treiben und Seitwärtsgeschiebe nun wohl weitergehen“, glaubt Börsenexperte Jens Klatt für JFD Brokers.

Einige Analysten warnten jedoch vor einer größeren Korrektur an der Wall Street, wo zuletzt der Kursrutsch von Apple und Facebook aber etwas abgebremst worden war. „Die Amerikaner waren sehr schnell bereit, Kasse zu machen. Wenn das um sich greift, dann kann es auch mit dem Gesamtmarkt rasch nach unten gehen“, sagte ein Händler. Auch der ZEW-Index fiel etwas niedriger als gedacht aus.

Die Börsenprofis schauen etwas skeptischer auf die deutsche Wirtschaft. Das Konjunkturbarometer gilt als erster Hinweise auf den ifo-Geschäftsklima-Index, der im weiteren Monatsverlauf erwartet wird. Doch auch wegen der US-Zinsentscheidung am Mittwochabend dürften sich viele Anleger bedeckt halten. Es gilt an den Terminmärkten als so gut wie sicher, dass die Federal Reserve dann die zweite Zinserhöhung des Jahres in Angriff nimmt.

Die Analysten der Metzler Bank warnten allerdings, dass in einer Kredit-getriebenen Wirtschaft jede weitere Zinserhöhung kontraproduktiv sei. Die Gefahr einer Korrektur sei selten so hoch gewesen wie derzeit. Dies liege nicht zuletzt daran, dass der US-Konjunkturmotor ins Stottern gekommen sei, eine latente Gewinnmitnahmebereitschaft vorherrsche und die Börsenbewertung der US-Unternehmen auf sportliche Niveaus geklettert sei. „Es 'fehlt' lediglich der richtige Trigger!“, schrieben die Experten. Dieser Auslöser könnten unter anderem die Ermittlungen in der Russland-Affäre von US-Präsident Donald Trump sein.

Am Nachmittag wurde US-Justizminister Jeff Sessions zu einer Abhörung vor dem Geheimdienstausschuss des Senats erwartet. Wegen seines Firmen-Imperiums gerät Trump zudem immer stärker ins Visier der Justiz. Der MDax, der die Aktien mittelgroßer Unternehmen repräsentiert, gewann am Dienstag 0,6 Prozent auf 25.387 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax kletterte um 1,3 Prozent auf 2275 Zähler nach oben.

Unter den Einzelwerten im Dax zählten mit dem Softwarekonzern SAP und dem Chiphersteller Infineon die größten Verlierer vom Montag zu den Gewinnern. Die Aktien machten mit jeweils ein Prozent aber nur relativ wenig Boden gut, nachdem sie am Montag 3,6 und 4,8 Prozent eingebüßt hatten. Das niedrigere Kursniveau lockte aber vor allem die Anleger in die im TecDax gelisteten Aktien des Chipanlagenbauers Aixtron und des Halbleiter-Herstellers Dialog Semiconductor, die vier beziehungsweise 4,7 Prozent zulegten.

Ganz oben im Dax standen die Lufthansa-Papiere mit einem Plus von bis zu 3,6 Prozent ubnd zeitweise auf einem Drei-Jahres-Hoch von 18,97 Euro. Die Analysten der Credit Suisse hatten ihre Verkaufsempfehlung einkassiert. Die Stärke der Branchenkonjunktur im laufenden Jahr habe ihn überrascht, schrieb Credit-Suisse-Analyst Neil Glynn in einem Kommentar. Auf Basis des Lufthansa-Umsatzwachstums im April und Mai habe er seine Prognose für den operativen Gewinn 2017 um 19 Prozent auf 2,101 Milliarden Euro angehoben. „Außerdem gehen wir immer stärker davon aus, dass Air Berlin von Lufthansa geschluckt wird. Das wäre positiv für die mittelfristigen Margen.“ Daher stufe er die Lufthansa-Titel auf „Neutral“ von „Underperform“ hoch und hebe das Kursziel auf 18,71 von 12,95 Euro an. Die kriselnde Fluggesellschaft Air Berlin beantragte vergangene Woche staatliche Bürgschaften.

Top-Favorit im Euro Stoxx50 war Essilor mit einem Plus von rund 2,8 Prozent. Die Aktien des Herstellers von Brillengläsern profitierten von einer Kaufempfehlung von Morgan Stanley für den Fusionspartner Luxottica. Sie begründeten dies mit wachsendem Vertrauen in die geplante Fusion mit Essilor zu einem der weltweit größten Brillenkonzerne. Essilor und Luxottica hatten im Januar ihre Absicht für einen Zusammenschluss bekanntgegeben. Die Titel der „RayBan“-Mutter stiegen sogar um mehr als zwei Prozent.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,08 Prozent am Vortag auf 0,09 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,04 Prozent auf 141,98 Punkte. Der Bund-Future fiel um 0,12 Prozent auf 164,79 Punkte. Der Kurs des Euro notierte zuletzt kaum verändert bei 1,1216 US-Dollar. Am Vortag hatte die Europäische Zentralbank den Referenzkurs auf 1,1221 Dollar festgesetzt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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