Börse Frankfurt
Dax rettet die 11.000 Punkte vor Sondergipfel

Dass die Verhandlungen im griechischen Schuldenstreit von nun an Chefsache sind, ließ die Anleger zunächst hoffen. Doch am Ende obsiegte die Vorsicht, der Dax geht mit moderaten Verlusten in die entscheidende Woche.

FrankfurtSo ganz ist die Hoffnung noch nicht gestorben. Zumindest hier - auf dem Börsenparkett - schienen die Akteure noch auf eine Einigung im griechischen Schuldenstreit zu glauben - und zu setzen. Zu Beginn dieses wohl letzten Aktes einer episodenreichen, aufwühlenden Tragödie versprühten die Anleger noch einmal Optimismus. Wenn bis zum 30. Juni keine Einigung zwischen Hellas und den Geldgebern zustande kommt, droht die Zahlungsunfähigkeit. Doch von den aktuellen Meldungen um mögliche Grexit-Pläne und Kapitalengpässe griechischer Banken ließen sich die Börsianer lange nicht beirren. Der Dax kletterte teilweise über ein Prozent.

Am späten Nachmittag freilich ging dem Leitindex merklich die Puste aus. Vor der letzten Verhandlungswoche, die am Montag beginnt, erschien es den Anlegern letztlich doch zu riskant, im Markt zu bleiben. Letztlich schloss der Dax 0,5 Prozent tiefer bei 11.040 Punkten. Der Index geht also mit moderaten Gewinnmitnahmen in die Woche der Entscheidung. Immerhin rettete er die symbolisch wichtige Marke von 11.000 Punkten ins Wochenende.

Noch zum Nachmittag beschrieb BNP Paribas-Stratege Philippe Gisjels die Lage so ein: „Jeder weiß, dass wir auf irgendeine Lösung zusteuern. Viele Marktteilnehmer sind bereit, in den Rückschlag hinein zu kaufen, und viele tun das vor einem endgültigen Ergebnis.” Dieses Risiko wollten im Späthandel dann nicht mehr allzu viele Investoren eingehen - zumindest in Frankfurt. Die anderen Leitindindizes der Eurozone konnte ihre leichten Aufschläge über die Zeit bringen.

Anlass für den verhaltenen Optimismus bot eine Brüsseler Ankündigung vom gestrigen Abend. Die Verhandlungen wurden jetzt endgültig zur Chefsache erklärt. Nur eine Woche vor der möglichen Pleite Griechenlands sollen die Staats- und Regierungschefs der Eurozone den Schuldenstreit am Montag auf einem Sondergipfel lösen. EU-Ratspräsident Donald Tusk berief das Treffen auf höchster Ebene ein, nachdem Beratungen der Euro-Finanzminister in Luxemburg am Donnerstagabend kein Ergebnis brachten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hält eine Einigung im Schuldenstreit mit Griechenland in letzter Minute für möglich, beharrt aber auf Reformzusagen aus Athen. Doch die Zeit drängt: Insidern zufolge ist sich die Europäische Zentralbank (EZB) wegen des anhaltenden Abflusses von Kundengeldern nicht mehr sicher, ob die griechischen Banken am Montag noch öffnen können. In einer Telefonkonferenz wurde über mögliche Nothilfen beraten. Wie am Freitagnachmittag von Medien mehrstimmig kolportiert wurde, stimmte das EZB-Direktorium einer Ausweitung der Notfallliquidität für Banken, der sogenannten ELA, zu. Das Volumen soll zunächst etwa 1,8 Milliarden Euro betragen.

Auch aus Athen kamen positive Signale. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras erklärte am Freitag: „Der Sondergipfel der Staats- und Regierungschef am Montag ist eine positive Entwicklung auf dem Weg zu einer Einigung“. All denjenigen, die auf eine Krise und „Terror-Szenarien“ wetteten, werde das Gegenteil bewiesen werden. Tsipras betonte, die Lösung werde EU-Recht respektieren und es Griechenland erlauben, innerhalb des Euro zu Wachstum zurückzukehren.

Am Freitag überschlugen sich die Nachrichten teilweise. Griechische Notenbanker waren bemüht den Gerüchten um Kapitalengpässen bei den hellenischen Banken entgegenzuwirken. Europäische Spitzenpolitiker wie Frankreichs Präsident Hollande betonten die Notwendigkeit weiterer Gespräche, verwiesen aber auch auf die Rücksicht der EU-Richtlinien bei der Lösungsfindung. Und Yanis Varoufakis kritisierte, dass die Lösungsvorschläge seiner Regierung beim gestrigen Finanzministertreffen gar nicht erst diskutiert worden seien.

In Athen blieben die Anleger skeptisch. Nach einem frühen Plus von knapp einem Prozent, pendelte der hellenische Leitindex deutlich. Am Ende ging er 0,6 Prozent fester aus dem Handel. Der griechische Bankenindex schwankte im Handelsverlauf noch heftiger. Nach dem Späthandel beliefen sich die Kursverluste auf 1,6 Prozent.

Die zweite Frankfurter Reihe tendiert uneinheitlich. Während der MDax 0,5 Prozent vorrückte und bei 19.621 Punkten schloss, büßte der TecDax 0,1 Prozent ein auf 1636 Zähler. Der Leitindex der Währungsunion, der Euro-Stoxx-50, verbuchte einen leichten Aufschlag von 0,2 Prozent 3456 Stellen. In New York legte die Wall Street nach dem Rekordhoch der Techno-Börse Nasdaq eine Pause ein. Der Dow-Jones lief zum Frankfurter Handelsschluss 0,2 Prozent leichter bei 18.071 Punkten.

Seite 1:

Dax rettet die 11.000 Punkte vor Sondergipfel

Seite 2:

Wenn die Hexen auf dem Terminmarkt toben

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%