Börse Frankfurt
Dax rutscht mehr als dreihundert Punkte ab

Das Eingreifen von Chinas Notenbank am Devisenmarkt setzt deutschen Aktien heftig zu. Vor allem die im Reich der Mitte stark engagierten Autotitel kommen unter die Räder. Der Dax verliert mehr als zweieinhalb Prozent.
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FrankfurtDas haben sich die Anleger aber anders vorgestellt. Nach den schwachen chinesischen Konjunkturdaten der vergangenen Wochen hatten die Börsianer auf eine Lockerung der dortigen Geldpolitik gehofft, um die Wirtschaft im Reich der Mitte zu stützen. Und tatsächlich reagierte die Pekinger Notenbank heute – allerdings: nicht so wie gewollt. Statt Konjunkturhilfen zu leisten wertete sie überraschend ihren Yuan drastisch ab, was in Europa zu einem heftigen Abwärtssog führte. Der Dax schloss ganze 2,7 Prozent tiefer bei 11.293 Zählern.

Chinas Notenbank senkte den Referenzsatz für den Yuan um 1,9 Prozent herab, um die heimischen Produkte auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger zu machen. „Das riecht nach Verzweiflung und deutet darauf hin, dass in der chinesischen Wirtschaft nicht alles rund läuft“, werte der Analyst Howie Lee vom Brokerhaus Phillip Futures den Schritt aus Peking. So schnell kann es für die Public Bank of China gehen - vom Hoffnungsstifter zur Geißel der Märkte, zumindest der ausländischen.

Mit diesem abrupten Schritt hat sich China ganz oben auf die Agenda gesetzt und das bisher bestimmende Thema, die Zinswende in den USA, auf hintere Plätze verwiesen. Der durch die Yuan-Abwertung steigende Euro stellt die deutsche Exportwirtschaft vor neue Probleme. Zu diesen Sorgen gesellte sich eine weitere schlechte Nachricht aus Fernost. Der Autoabsatz im Reich der Mitte fiel im vergangenen vom Wachstum her auf das Niveau von vor zweieinhalb Jahren.

So traf es die im Zukunftsmarkt China besonders stark engagierte deutsche Automobilwirtschaft am Dienstag doppelt heftig. Das Dax-Schwergewicht Daimler sackte knapp fünf Prozent ab, BMW gab 4,3, Volkswagen 3,7 Prozent ab. Der Abwärtssog umfasste auch den Zulieferer Continental, der über vier Hundertstel seines Kurses verlor.

Aber nicht nur aus Asien gab es schlechte Nachrichten, auch aus Mannheim kam eine Hiobsbotschaft. So sind die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten zum fünften Mal in Folge gesunken. Der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fiel im August um 4,7 Punkte auf 25,0 Zähler. Das ist der fünfte Rückschlag in Folge. Der Indikator erreichte den niedrigsten Wert seit vergangenen November. Bankvolkswirte hatten hingegen mit einem Anstieg auf 31,9 Punkte gerechnet.

Die Bewertung der aktuellen Lage hingegen, fiel überraschend gut aus, was auf dem Parkett aber unbeachtet blieb. Hier stieg der entsprechende ZEW-Index um 1,8 Punkte auf 65,7 Punkt. „Der deutsche Konjunkturmotor läuft weiterhin gut“, kommentierte ZEW-Präsident Clemens Fuest und sprach von einem weiteren Aufschwung.

Die kleinen Geschwister des wichtigsten deutschen Marktbarometers ließen im unfreundlichen Umfeld ebenfalls gehörig Punkte. Die Nebenwerte des MDax verloren zwei Prozent bei 20.833 Zählern, der TecDax büßte 1,3 Prozent ein und kam auf 1759 Punkte. Der Leitindex der europäischen Währungsunion, der Euro-Stoxx-50, gab zwei Prozent nach bei 3602 Stellen. An der New Yorker Wall Street reagierten die Anleger nervös auf den abwertenden Yuan, der den ohnehin starken Dollar weiter steigen lassen wird. Der Dow-Jones-Index kam beim Sprung über die Frankfurter Zeitlinie mit 17.386 Punkten auf ein Minus von 1,3 Prozent.

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • So geht Dialektik vom Feinsten:
    Die autokratische Regierung in China - hätte sie doch eigentlich ein Monopol auf Staatseingriffe - kupfert bei den Vorreitern in US-Fed und EZB nebst anderen ab, wie man staatlich manipuliert.

    Ganz nebenbei heizt sich damit der Währungskrieg auf, der ebenfalls von den Industrieländern der alten Welt lange bereits gestartet wurde, wenn auch China damit bereits reichlich Erfahrungen sammeln konnte in den Jahren vor und während der Krise.

  • Liebes HB ich gebe Ihnen eine echte Prognose für morgen und die nächsten Tage:

    Der Dax wird solange fallen bis er anfängt wieder zu steigen, sofern keines von beiden zutrifft, wird er in eine Seitwärtsbewegung übergehen.

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