Dax traut sich nach May-Day weiter vor

Börse Frankfurt
Dax schleicht sich ins Plus

Die Brexit-Rede von Theresa May scheint verdaut, der Dax rückte zur Wochenmitte leicht vor. Doch Vorsicht bleibt das Gebot der Stunde. Zu viele Fragezeichen stehen noch hinter Donald Trump. Der Modus Operandi: Abwarten.
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Düsseldorf/FrankfurtEuropas Anleger haben sich zur Wochenmitte wieder etwas aus der Deckung getraut. Nach den Abschlägen der Vortage setzte der Aktienmarkt seinen im späten Dienstagshandel eingeschlagenen Aufwärtstrend fort, wenn auch nur leicht. In Frankfurt notierte der Dax bei Handelsschluss 0,51 Prozent fester bei 11.599 Punkten. Der Euro-Stoxx-50 lief mit 3286 Zählern minimal fester. Bei ihrer gestrigen Rede zum Brexit hatte die britische Premierministerin Theresa May einen versöhnlicheren Ton angeschlagen, als es die Börsianer erwartet hatten. Das sorgte am Ende für Erleichterung, die auch heute nachwirkte – und das trotz eines „harten Brexit“, den die Briten planen. Vorsicht bleibt aber das Gebot der Stunde, immerhin stehen in nächster Zeit noch genug Unsicherheitsfaktoren an.

„Es ist wie die Ruhe vor gleich mehreren Stürmen“, sagte Thomas Altmann, Fondsmanager bei QC Partners. Prüfsteine sind nicht nur der Brexit, sondern auch der Führungswechsel in Washington. Von Freitag an wird der Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika die Geschicke der weltgrößten Ökonomie leiten. Und die Finanzwelt wartet gespannt darauf, wie die Wirtschaftspläne des Polit-Außenseiters konkret aussehen werden. Nach dem überraschenden Wahlsieg des Republikaners hatte die Wall Street in der Hoffnung auf einen Wirtschaftsboom eine Rekordrally hingelegt.

Damit sind die Märkte in Vorleistung gegangen, nun muss Trump liefern. Vorher werden sich die Märkte nicht weiter hinauf bewegen, seit Ende Dezember herrscht eine Seitwärtsbewegung. Auch heute trat der Dow-Jones-Index in New York auf der Stelle, mit 19.817 Punkten ließ er minimal nach.

Zuletzt hatte der Immobilienmilliardär wieder ins protektionistische Horn geblasen und einer Isolation das Wort geredet, woraufhin sein designiertes Kabinett und sein Beraterstab die Aussagen abzumildern versuchten. Anfang der Woche waren nach den japanischen Fahrzeugbauern die deutschen Auto-Hersteller in Trumps Visier geraten. Der neue starke Mann im weißen Haus hatte BMW, die ein neues Werk in Mexiko planen, Strafzölle von 35 Prozent angedroht.

Indes kommt die Berichtssaison in den USA ins Rollen. Am Mittwoch komplettierten die Zahlen von Goldman Sachs und der Citigroup den Bank-Reigen. Im vierten Quartal 2016 schlugen sich die US-Banken sehr stark, maßgeblich dafür verantwortlich: Donald Trump. Zum einen sorgte die nach seinem Wahlsieg eingesetzte Börsenrally für dicke Handelsumsätze, zum anderen träumen die Banker von einer Deregulierung des Finanzsektors.

Schlecht hingegen dürfte das Ergebnis der Deutschen Bank ausfallen – Schuld sind mal wieder die Altlasten. Gestern konnte das größte deutsche Geldhaus den Rechtsstreit mit der US-Justiz endgültig beilegen. Im Prozess wegen Mauscheleien mit Hypotheken-Geschäften vor der Finanzkrise muss die Deutsche Bank insgesamt 7,2 Milliarden US-Dollar bezahlen – 3,1 Milliarden für Strafzahlungen und 4,1 Milliarden an Schadenersatz für Immobilienbesitzer. Damit blieb die Strafe deutlich unter den zunächst kolportierten 14 Milliarden Dollar.

Im September hatten Berichte über eine solche Summe die Aktie auf ein Rekordtief stürzen lassen, plötzlich wurde über eine Kapitalerhöhung und sogar Staatshilfe spekuliert. Dementsprechend groß war die Erleichterung, als Ende vergangenen Jahres Justizkreise die tatsächliche Summe nannten. Von 9,89 Euro im Allzeittief kletterten die Papiere auf aktuell 17,43 Euro. Die Einigung scheint bereits vollständig eingepreist; nachdem die Zahlen nun offiziell sind, reagierte der Kurs mit einem Minus von 0,1 Prozent heute nur minimal. Pikant aber: Die US-Justizministerin sprach explizit von einer Mitschuld der Deutschen Bank an der internationalen Finanzkrise.

Mit dem Vergleich ergibt sich für die Deutsche Bank im vierten Quartal 2016 eine negative Performance. Für das Vorsteuerergebnis der letzten drei Monate des Jahres sei wegen der Geldbuße mit einem negativen Effekt von knapp 1,2 Milliarden Dollar zu rechnen, schrieb Vorstandschef John Cryan in einem Brief an die Mitarbeiter. Nachdem nun eine der größten Altlasten vom Tisch ist, gab die Bank heute eine drastische Kürzung und sogar Streichung ihre Mitarbeiter-Boni bekannt. So soll der Vorstand komplett auf die Extra-Zahlung verzichten.

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