Börse Frankfurt
Dax schließt deutlich im Minus

Der zweitägige Aufwärtstrend ist gestoppt. Die Enttäuschung über die US-Notenbank Fed hat den Dax am Donnerstag ins Minus gedrückt. Die Aktien von SAP konnten nach einem starken Quartalsbericht deutlich zulegen.
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FrankfurtDie Zurückhaltung der US-Notenbank im Kampf gegen die Konjunkturflaute hat am Donnerstag die Anleger an den europäischen Aktienmärkten enttäuscht. Der Dax ging mit einem Minus von 0,53 Prozent auf 6.419 Punkte aus dem Handel. Die zweite Reihe zeigte sich ähnlich schwach: Der MDax fiel um 0,71 Prozent auf 10.371 Punkte zurück und der TecDax verlor 1,80 Prozent auf 738 Punkte.

Für einen Lichtblick am deutschen Aktienmarkt sorgte SAP mit der Vorlage eines Rekordumsatzes im zweiten Quartal - die Aktie schoss zeitweise um über fünf Prozent in die Höhe. An der Enttäuschung über die Federal Reserve änderte das freilich nichts. Börsianer hatten darauf gehofft, dass die US-Notenbank in ihrem Protokoll zur Sitzung im Juni klarere Hinweise auf weitere Maßnahmen zur Konjunkturbelebung und insbesondere ein neues Anleihenkaufprogramm "QE3" geben würde. Nur im Falle einer weiteren Eintrübung der wirtschaftlichen Lage wollen aber viele Mitglieder des für die Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschusses zu diesem Mittel greifen, hieß es im Protokoll.

"Das ändert nichts an meiner Einschätzung, dass es später in diesem Jahr oder zu Beginn des kommenden Jahres noch ein QE3 geben wird. Aber auf kurze Sicht war das eine Enttäuschung", sagte Philippe Gijsels, Leiter der Analyse bei BNP Paribas Fortis Global Markets. Roger Peeters von Close Brothers Seydler konnte dem Ganzen auch etwas Gutes abgewinnen: "Wenn die Fed es sich leisten kann, weniger aggressiv zu handeln, ist das ein Hinweis darauf, dass sie mehr Vertrauen in die gegenwärtige wirtschaftliche Situation hat." Gestützt wurde diese Argumentation durch die jüngsten Daten vom US-Arbeitsmarkt: In der vergangenen Woche stellten mit 350.000 Menschen so wenig Amerikaner einen neuen Antrag auf Arbeitslosenhilfe wie seit März 2008 nicht mehr.

Ohne klares Bekenntnis der US-Notenbank zu neuen Anleihekäufen hat der Euro am Donnerstag nachgegeben. Die Gemeinschaftswährung fiel zum ersten Mal seit zwei Jahren auf unter 1,22 Dollar, nachdem sie am Vortag zeitweise noch bis auf knapp unter 1,23 Dollar geklettert war. Ihr Pulver trocken hielt auch die japanische Notenbank (BoJ), sie beließ den Leitzins weiter im Korridor zwischen null und 0,1 Prozent. Daraufhin zog der Yen deutlich an und der Dollar fiel auf 79,24 Yen.

"Die Risikoscheu kehrt zurück an den Markt", sagte Lee Hardman, Währungsexperte bei BTMU. Die Anleger seien enttäuscht, weil die BoJ ihre Geldpolitik unverändert gelassen habe und weil die Fed kein klares Signal für baldige geldpolitische Lockerungen gegeben habe.

Nachdem sie am Morgen noch zurückgegangen waren, zogen die Renditen italienischer und spanischer zehnjähriger Anleihen im weiteren Handelsverlauf wieder an. Die Rendite italienischer Papiere kletterte auf 5,903 Prozent nach 5,801 Prozent am Vortag, die Rendite spanischer Papiere stieg auf 6,697 Prozent von 6,587 Prozent. Händler erklärten den Anstieg damit, dass kurzfristig orientierte Anleger wie Hedge Fonds Gewinne einstrichen.

Eine Emission italienischer einjähriger Geldmarktpapiere verlief ohne Probleme. Italien muss für die Papiere im Volumen von 7,5 Milliarden Euro 2,697 Prozent Zinsen zahlen nach 3,97 Prozent bei der letzten Auktion vor einem Monat. Analysten begründeten die Entspannung bei den Renditen unter anderem mit Fortschritten bei der Rettung spanischer Banken.

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SAP legt nach Quartalsbericht kräftig zu

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  • Stimmt durchaus. Diese Fonds gehören fats vollständig zu einem Block verflochtener Fonds oder gar zu einem Konzernverbund, der insgesamt genau so aufgestellt ist, wie beschrieben.

    Aber das muss nicht jeder anstreben. Das ist nur meeine bescheiden Einzelmeinung.

  • Diversifikation ist das Grundgesetz der Vermögensanlage. Ich frage mich allerdings, ob der Verweis auf die niedrige Aktienquote im Deckungsstock der Versicherungen das Bild nicht verzerrt: Diese sind wegen Asset-Liability-Management und regulatorischer Vorgaben in D gezwungen, jederzeit Ihren laufenden Verpflichtungen (regelmäßige Rentenzahlungen) zu entsprechen. Dies lässt sich planbar nur mit hohen Rentenanteilen umsetzen. Schaut man auf Pensionsfonds (Calpers) oder den Staatsfonds Norwegens oder Stiftungsvermögen, erblickt man häufig deutlich höhere Aktienquoten.

  • @ OMG

    Das mag in diesem Forum, wo sich überwiegend Tarder aufhalten, so scheinen. Die Realität größerer Vermögen ist exakt so, wie ich es darstelle. Als Beispiel seien die Deckungsstöcke von Versicherungen genannt. Diese schöpfen die Aktienhöchstgrenzen nie aus, sondern liegen in unterschiedlichen Ausprägungen bei derzeit meistens unter 20 % Aktienanteil.

    Schauen Sie doch die Aktienentwicklungen anhand des Dax an. In 2000 Dax über 8.000. Zwölf Jahre weiter stehen wir, mitten in einer Staatschuldenkrise, mal gerade bei 6.400. Zinssätze historisch tief. Und Aktienkrusentwicklungen? Wo ist denn der große Gewinn? In der Vergangeheit war er nicht da. Sie hoffen möglicherweise eher auf die Zukunft. Aber Vorsicht: Ein Großteil der Autoindustie z.B. steckt in einer Krise, während die offiziellen Statisiken sich über hohe Beschäftigung und Steuereinnahmen (zu erheblichen Teilen aus Erträgen abgelaufener Jahre) freuen.

    Aktien sind uns bleiben "Beimischwerk" in großen Vermögen.
    Dabei handelt es nicht um eine persönliche Einschätzung, sondern um das Faktische. Ausnahme natürlich wenn ich z.B. Klatten oder Pierch heiße.

    Die Behauptungen, mittels Aktien (Sachwerte) kommen man besodners gut durch Krisen, erweist sich mit Blick auf die vergangenen 110 Jahre als definitiv falsch.

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