Börse Frankfurt
Dax schließt deutlich im Plus

Unerwartet legt der deutsche Leitindex am Mittwoch zu. Trotz des heftigen Kurseinbruchs von RWE-Papieren baute der Dax seine Gewinne im Laufe des Tages aus. Der steigende Ölpreis versetzte Anleger offenbar in Kauflaune.

FrankfurtDer deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch wie auch die Ölpreise wieder klar den Vorwärtsgang eingelegt. Der Dax baute seine Gewinne im Handelsverlauf aus und schloss 2,65 Prozent höher bei 9.377,21 Punkten. Damit knüpfte der hiesige Leitindex an seine am Vortag unterbrochene Erholungsbewegung an. In der vergangenen Woche war er noch erstmals seit Oktober deutlich unter die 9.000-Punkte-Marke gerutscht und hatte bis zu knapp 19 Prozent gegenüber seinem Niveau Ende 2015 eingebüßt.

Der MDax der mittelgroßen Werte gewann am Mittwoch 2,87 Prozent auf 18 959,80 Zähler und der Technologiewerte-Index TecDax legte um 2,74 Prozent auf 1586,98 Punkte zu. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 2,71 Prozent auf 2897,72 Punkte hoch. Die nationalen Indizes in Paris und London stiegen ebenfalls deutlich. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial lag zum europäischen Handelsende über ein Prozent im Plus.

„Die Marktteilnehmer haben die Enttäuschung darüber, dass gestern keine Ölförderkürzung beschlossen wurde, schnell verdaut und konzentrieren sich nun darauf, dass immerhin ein gemeinsamer Schritt zur Stabilisierung der Märkte unternommen wurde“, sagte Marktanalyst Andreas Paciorek von CMC Markets. Neben den steigenden Notierungen für den wichtigen Rohstoff, der als Konjunkturindikator gilt, gab eine freundliche Wall Street am Nachmittag weiteren Rückenwind.

Der Kursrutsch von letztlich 12,42 Prozent bei RWE konnte dem Dax wenig anhaben. Da die Papiere in den vergangenen Jahren schon stark an Wert verloren hatten, sind sie im deutschen Leitindex nur noch niedrig gewichtet. Schuld an den deutlichen Verlusten der Versorger-Aktie war die fast komplette Dividendenstreichung nach tiefroten Jahreszahlen. „Das übertrifft meine schlimmsten Alpträume“, sagte der Essener Stadtkämmerer. Kommunale Großaktionäre wie die Stadt Essen erhalten für ihre Stammaktien nun keine Ausschüttung.

Die Beiersdorf-Aktien waren nach Geschäftszahlen mit minus 2,92 Prozent zweitgrößter Dax-Verlierer. Der Konsumgüterhersteller will entgegen den Analystenerwartungen schon das siebte Jahr im Folge lediglich 0,70 Euro je Aktie an seine Anteilseigner ausschütten. Dabei hatten die Hamburger das Jahr 2015 mit einem satten Gewinnplus abgeschlossen.

Ein Analystenkommentar sorgte ebenfalls für kräftige Kursausschläge: Eine Hochstufung der UBS um gleich zwei Stufen katapultierte Thyssen-Krupp-Aktien mit einem Plus von 9,25 Prozent an die Dax-Spitze. Vor genau einer Woche war das Papier des Industrie- und Stahlkonzerns noch deutlich billiger gewesen und dabei auf den niedrigsten Kurs seit Juni 2012 gefallen. Nun sind laut dem UBS-Analysten Carsten Riek die Risiken eingepreist.

Im Nebenwerte-Index SDax legten die Grammer-Aktien um 4,26 Prozent zu. Der Autozulieferer hatte einem Analysten zufolge bessere Eckdaten für das Jahr 2015 vorgelegt als erwartet. Für die Papiere von Konkurrent Stabilus ging es dank eines guten Ausblicks um 2,37 Prozent bergauf. Im MDax legten sich die Titel des Zulieferers Norma Group um 1,66 Prozent zu.

Ebenfalls im Index der mittelgroßen Werte schafften Kuka-Aktien nach anfänglichen Verlusten in Reaktion auf die Zahlen ein Plus von 1,85 Prozent. Ein Händler sah eine insgesamt solide Geschäftsentwicklung des Roboter- und Anlagenbauers.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 0,13 (Dienstag: 0,12) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,10 Prozent auf 141,98 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,07 Prozent auf 164,25 Punkte. Der Euro notierte zuletzt bei 1,1144 US-Dollar. Davor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,1136 (1,1166) US-Dollar festgesetzt; der Dollar kostete 0,8980 (0,8956) Euro.

Am Ölmarkt richteten sich alle Augen auf den Iran: Ölminister Bijan Zanganeh erklärte am Nachmittag, sein Land unterstütze alle Bemühungen der Opec- und Nicht-Opec-Staaten, den Markt und die Preise zu stabilisieren. „Im Grunde sind niedrige Energiepreise ja positiv für die Industrienationen, sagte ein Börsianer. Aber derzeit spielten andere Faktoren die entscheidende Rolle: Anleger werteten den rasanten Kursverfall der Rohstoffe zuletzt als Zeichen für eine Abkühlung der Weltwirtschaft. „Außerdem brechen Förderländern die Staatseinnahmen weg. Damit sinkt die Nachfrage aus diesen Staaten nach europäischen Waren.

Die Förderländer Russland, Saudi-Arabien, Katar und Venezuela hatten sich am Dienstag darauf verständigt, die Produktion auf dem Januar-Niveau einzufrieren. Das Abkommen von Doha greift aber nur, wenn auch andere große Öl-Länder mitmachen. Der iranische Ölminister Zanganeh sagte nicht ausdrücklich, ob der Iran ebenfalls seine Ölfördermenge auf dem Niveau vom Januar beibehält.

Viele Öl-Anleger reagierten dennoch mit deutlichen Zukäufen: Brent verteuerte sich um bis zu acht Prozent auf 34,76 Dollar je Fass. Das US-Öl WTI wurde mit 31,10 Dollar je Barrel in der Spitze 7,1 Prozent höher gehandelt. Am amerikanischen Aktienmarkt griffen die Investoren bei Energiewerten zu: Chevron und Exxon Mobil zogen bis zu 3,9 und zwei Prozent an. Zuletzt hatten Investoren befürchtet, der niedrige Ölpreis könnte einige Ölfirmen in den Abgrund ziehen und damit auch Banken milliardenschwere Kredit-Verluste einbrocken.

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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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