Börse Frankfurt
Dax schließt erstmals wieder über 7.000 Punkten

Die bekannten Sorgen um Libyen, Japan und die EU-Schuldenkrise treten in den Hintergrund. Anleger fassen wieder Vertrauen und greifen besonders bei Auto- und Bauwerten zu. Der Dax schließt souverän über 7000 Punkten.
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Frankfurt/Düsseldorf Angetrieben von festen Autowerten hat der Dax am Mittwoch erstmals seit dem Erdbeben in Japan wieder über der Marke von 7000 Punkten geschlossen. Der deutsche Leitindex ging 1,8 Prozent fester mit 7057 Zählern aus dem Handel. Das Handelsvolumen im Dax stieg auf 100,5 (Dienstag: 93,2) Millionen Aktien. Der Umsatz erhöhte sich auf 3,3 (2,7) Milliarden Euro. So hoch hatte das Börsenbarometer seit dem 10. März nicht mehr notiert, bevor Japan vom schwersten Beben seit Beginn der Aufzeichnungen und einem darauffolgenden Tsunami erschüttert worden war. "Es schaut so aus, als ob der Aktienmarkt derzeit alle schlechten Nachrichten ausblendet“, zeigte sich ein Händler verwundert. „Es interessiert nicht die Atomkatastrophe in Japan und nicht, dass der Krieg in Libyen anhält.“ Dank der schwer gewichteten Autowerte fuhr der Dax vielen anderen Märken in Europa und den USA davon. Der EuroStoxx50 für die Euro-Zone legte nur 0,8 Prozent auf 2933 Zähler zu. In New York lag der Dow-Jones-Index bei Handelsschluss in Europa nur 0,6 Prozent fester.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zeichnete in seinem jüngsten Monatsbericht ein positives Bild. Die deutsche Wirtschaft habe ein starkes erstes Quartal gehabt. Außerdem seien kaum Auswirkungen der Katastrophe in Japan auf die Konjunktur zu verzeichnen. Nach dem relativ schwachen vierten Quartal 2010 erwartet das DIW für das erste Vierteljahr 2011 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts preis- und saisonbereinigt um 0,9 Prozent. Wie das DIW mitteilte, werde die Dynamik von starken Nachholeffekten in der Baubranche bestimmt.

Im Dax kletterten die Papiere von MAN um 3,3 Prozent auf 87,56 Euro und setzen sich damit an die Indexspitze. Analyst Nico Dil von JPMorgan erhöhte seine Gewinnschätzungen für 2011 sowie 2012 und sieht das Nutzfahrzeuggeschäft als größte Triebfeder. Der Ausblick für das Geschäft im Diesel- und Turbo-Bereich verspreche ein gleichbleibendes Niveau 2011 und ein Umsatzwachstum von rund fünf Prozent 2012. Er erhöhte das Kursziel von 110 auf 117 Euro und behielt ihre Bewertung "overweight" bei. Die Aktien der beiden Konkurrenten Scania und Volvo legten jeweils rund zwei Prozent zu.

Praktiker wird abgestraft

Ansonsten meldeten sich noch einige Unternehmen mit endgültigen Geschäftszahlen für 2010 und Aussagen zum laufenden Jahr zu Wort. Die Baumarktgruppe Praktiker gab am Vormittag bekannt, dass sich ihr Konzernverlust auf 33,6 Millionen Euro verdreifacht habe. Dennoch will Praktiker eine unveränderte Dividende von zehn Cent je Aktie zahlen. Das Betriebsergebnis (Ebita) legte zwar bereinigt um 6,6 Prozent auf 67,7 Millionen Euro zu. Der Konzernumbau und eine drohende Kartellstrafe in Polen belasteten Praktiker jedoch mit insgesamt 32,4 Millionen Euro. Der Umsatz wird nach Einschätzung von Vorstandschef Wolfgang Werner im laufenden Jahr stagnieren und erst 2012 wieder zulegen. Die im MDax notierte Praktiker-Aktie schloss allerdings leicht im Plus.

Der Kurs von Bilfinger Berger gab knapp 0,1 Prozent nach. Der Konzern hatte am Vormittag seinen Geschäftsbericht veröffentlicht. Er erwartet im laufenden Jahr in allen Geschäftsbereichen Zuwächse bei Umsatz und Leistung. Konzernweit sollen die Leistung und der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) mindestens die Größenordnung des Vorjahres erreichen, heißt es im Geschäftsbericht. 2010 hatte die Leistung im fortgeführten Geschäft - ohne die verkaufte Australien-Tochter - bei 8,1 Milliarden Euro gelegen, das Ebit bei 343 Millionen Euro. Für 2012 stellt der Konzern weitere Zuwächse bei Leistung und Ebit in Aussicht.

Der bayerische Agrar- und Baustoffhändler BayWa will nach einem Gewinnzuwachs 2010 im laufenden Jahr weiter von hohen Rohstoffpreisen profitieren. Für 2011 erwarte der Konzern ein Plus bei Umsatz und Ergebnis, teilte das Unternehmen am Vormittag mit. Vor allem das Geschäft mit Feldfrüchten, Landmaschinen und Heizöl dürfte sich lohnen: "Die Stimmung in der Landwirtschaft bleibt positiv. Das hohe Preisniveau bei Getreide dürfte im Jahresverlauf hoch bleiben", hieß es. Der Rohölpreis dürfte bedingt durch die Libyen-Krise ebenfalls auf hohem Niveau bleiben. Der Agrarhandelsriese stockt daher auch seine Dividende auf. Für das vergangene Jahr erhalten die Eigentümer 50 Cent je Aktie und damit ein Viertel mehr als für das Vorjahr. Anleger honorierten die Nachrichten und trieben den Aktienkurs um knapp 0,2 Prozent nach oben.

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