Börse Frankfurt
Dax schließt mit größtem Wochenverlust seit neun Monaten

Die nahende US-Wahl verunsichert die Anleger am deutschen Aktienmarkt tief. Am Freitag hielten sie sich einmal mehr mit Käufen zurück. Durchwachsene Unternehmensberichte taten ihr Übriges.
  • 3

FrankfurtDer Gedanke an einen künftigen US-Präsidenten Donald Trump hat Anlegern am Freitag erneut auf den Magen geschlagen. „Die Angst ist zurück an den Börsen“, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. „Je näher der Wahltag rückt, desto offener ist der Ausgang.“ Der Dax ging mit einem Minus von 0,65 Prozent bei 10.259 Punkten aus dem Handel. Mit dem sechsten schwachen Handelstag in Folge gab er auf Wochensicht um rund vier Prozent nach, der größte Wochenverlust seit einem Dreivierteljahr.
„Die Wahlangst hat die Finanzmärkte voll im Griff“, sagt Volkswirtin Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Selbst frische Arbeitsmarktdaten aus den USA, die üblicherweise an der Börse starke Beachtung finden, konnten dem Leitindex am Nachmittag nicht auf die Sprünge verhelfen.
Nicht besser erging es den Indizes aus der zweiten Börsenreihe. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen verlor zu Wochenschluss ein Prozent auf 20.429 Punkte. Für die Technologiewerte im TecDax ging es um 0,7 Prozent auf 1.691 Zähler abwärts.
Der EuroStoxx50 büßte am Freitag 0,7 Prozent auf 2954 Zähler ein.

Am 8. November entscheiden die US-Bürger, ob der wegen seiner Unberechenbarkeit als „Börsenschreck“ geltende Milliardär Trump oder die ehemalige Außenministerin Hillary Clinton ins Weiße Haus einzieht. Von Letzterer erhofften sich Investoren eine stabile Wirtschaftspolitik, sagte Analyst Johannes Flieckenschildt von der Weberbank.

„Selbst wenn die jüngsten Umfragen Clinton noch vorne sehen, kann in der letzten Minute alles passieren“, warnte Anlagestratege Norihiro Fujito von der Bank Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. „Das hat uns der Ausgang des Brexit-Referendums gelehrt“. Ende Juni stimmten die Briten überraschend für den Austritt ihres Landes aus der EU und lösten damit ein weltweites Börsenbeben aus.

Die Nervosität der Anleger ließ sich auch an der mexikanischen Währung ablesen. Der Dollar verteuerte sich um bis zu 0,5 Prozent auf 19,258 Peso und lag damit weniger als einen Dreiviertel Peso unter seinem Rekordhoch vom September. Trump will unter anderem Strafzölle auf mexikanische Waren erheben.

Der Dollar gewann am Freitag nicht nur zum Peso, sondern auch zum Euro. Rückenwind erhielt er dabei vom anhaltenden Beschäftigungsaufbau in den USA. „Hürden für eine Zinserhöhung der Notenbank Fed im Dezember gibt es unseres Erachtens nicht“, sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. In den Minuten nach Bekanntgabe der US-Arbeitsmarktdaten verbilligte sich der Euro um einen knappen Viertel US-Cent auf 1,1081 Dollar.

Darüber hinaus trennten sich Investoren nach Festnahme führender türkischer Oppositionspolitiker von Aktien, Anleihen und der Währung des Landes. Ein Dollar stieg zeitweise sogar auf ein Rekordhoch von 3,1545 Lira. Die Polizei verhaftete unter anderem die beiden Chefs der prokurdischen Partei HDP. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnet die HDP als verlängerten Arm der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Am deutschen Aktienmarkt gehörte ProSiebenSat.1 zu den größten Verlierern. Die TV-Senderkette will bei Anlegern 515 Millionen Euro frisches Kapital für Zukäufe im Digitalgeschäft einsammeln. Die Aktie fiel um bis zu 7,6 Prozent ins Minus auf ein Zwei-Jahres-Tief von 34,98 Euro.

In London brachen die Papiere der Pharmafirma Hikma zeitweise um knapp zehn Prozent ein. Die gesamte Branche leide unter der anstehenden US-Wahl, sagte Marktanalyst Jasper Lawler vom Brokerhaus CMC Markets. „Clinton wird wohl mehr Einfluss auf die Preisgestaltung nehmen, aber Trump könnte sich dieses Thema ebenfalls zu eigen machen.“ Clinton hatte den Arzneimittel-Herstellern in den vergangenen Monaten „Preiswucherei“ vorgeworfen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Börse Frankfurt: Dax schließt mit größtem Wochenverlust seit neun Monaten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme

  • Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe.

  • Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

    Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%