Börse Frankfurt
Dax schließt mit kräftigem Gewinn

Bis knapp unter die 6.400 Punkte-Marke hat es der Dax heute geschafft. Investoren ignorierten am Nachmittag die schlechten US-Wirtschaftsdaten schlichtweg und schlugen dank der guten Vorgaben aus Asien kräftig zu.
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DüsseldorfSpekulationen über wachstumsfördernde Maßnahmen in China sowie eine freundlich gestartete Wall Street haben dem deutschen Aktienmarkt am Dienstag deutlich Auftrieb gegeben. Der Dax baute am Nachmittag seine Kursgewinne aus und beendete den Handel mit einem Plus von 1,2 Prozent auf 6.396 Punkte.

Somit blieb der Leitindex nur knapp unter der 6.400 Punkte-Marke, die er zwischenzeitlich sogar übersprungen hatte. Der MDax stieg um 1,5 Prozent auf 10.417 Punkte. Für den TecDax ging es um 1,13 Prozent auf 764 Punkte nach oben.

Das am Nachmittag veröffentlichte, deutlich eingetrübte US-Verbrauchervertrauen wurde dabei vom Markt schlichtweg ignoriert. Händler sagten, wichtige Wirtschaftsdaten aus den USA hätten in den vergangenen Wochen schon einige Male enttäuscht. Daher werde nun vermehrt auf neue Stützungsmaßnahmen der Notenbank spekuliert und dies treibe die Kurse. Die sich zuspitzende spanische Bankenkrise mahne aber weiterhin zur Vorsicht, hieß es.

Dafür schwächt sich die Inflation in Deutschland weiter ab. Erstmals seit Dezember 2010 sank die Teuerungsrate im Mai wieder unter die kritische Marke von zwei Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag nach vorläufigen Berechnungen in Wiesbaden mitteilte. Die Jahresteuerung sank von 2,1 Prozent im April auf 1,9 Prozent. Binnen Monatsfrist sanken die Verbraucherpreise um 0,2 Prozent, vor allem der zuletzt von hohen Energiepreisen angeheizte Preisdruck ging wohl zurück.

Viele Investoren blickten aber auch weiterhin skeptisch nach Spanien. Um seinen Verbleib in der Euro-Zone sorgen sie sich inzwischen noch mehr als um Griechenland. Die Märkte würden sich erst beruhigen, wenn die Banken refinanziert seien oder die Notenbanken neue Gelder bereitstellten. Angesichts der massiven Probleme im Bankensektor, bezweifeln viele Experten, dass Spanien die Lasten auf Dauer ohne europäische Unterstützung tragen kann. Bislang erklärt die Regierung allerdings immer wieder, sie wolle die schwierige Lage aus eigener Kraft bewältigen.

Eine Konsequenz dessen ist, dass Italien Anlegern für seine Staatsanleihen wieder mehr Rendite bieten muss. Das hoch verschuldete Land zapfte den Kapitalmarkt zwar erfolgreich an und sammelte wie geplant 8,5 Milliarden Euro ein. Allerdings stieg die durchschnittliche Rendite für Papiere mit sechsmonatiger Laufzeit auf den höchsten Stand seit Dezember 2011: Sie kletterte auf 2,104 Prozent, bei der vorigen Emission lag die Rendite bei 1,772 Prozent.

Die Nagelprobe für Italien kommt allerdings erst am Mittwoch. Dann will sich das Land bis zu 6,25 Milliarden Euro leihen. Die Investoren dürften aber auf deutlich höhere Renditen pochen, denn es stehen dann Anleihen mit langer Laufzeit von fünf und zehn Jahren zum Verkauf.

Deutschland und die Niederlande konnten ihre Anleihen dagegen zu sehr günstigen Zinsen platzieren. Die Zinsen für die Bundesrepublik fielen sogar auf ein Rekordtief.

Ein Lichtblick kam aus Griechenland: Die vier größten griechischen Banken haben die zugesagte Geldspritze von 18 Milliarden Euro erhalten. Das teilte das Finanzministerium in Athen am Montag mit. Das Geld zur Rekapitalisierung über den europäischen Stabilitätsfonds EFSF geht an die National Bank (6,9 Milliarden Euro), Alpha (1,9 Milliarden Euro), Eurobank (4,2 Milliarden Euro) und die Piraeus Bank (fünf Milliarden Euro). Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Reuters aus Kreisen des für die Unterstützung der Branche zuständigen Stabilitätsfonds von der Auszahlung erfahren.

Analyst Cameron Peacock von IG Markets rechnet aber damit, dass die Schwankungen an den Aktienmärkten weitergehen, so lange sich die Lage in Europa nicht stabilisiert. Dies dürfte nicht vor den griechischen Neuwahlen Mitte Juni der Fall sein.

Kommentare zu " Börse Frankfurt: Dax schließt mit kräftigem Gewinn"

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  • yeah, es geht wieder abwärts ;-)

  • Nachdem ich mir die ganzen "Prognosen" reingezogen habe, muss ich mal eine 100% tige abgeben:
    1. irgendwann stirbt jeder
    2. keiner nimmt was mit
    Ergo: lebe danach!

  • na wollen wir mal hoffen, dass die EZB- und zum tausendsten Mal China-Gerüchte nicht morgen wieder verpuffen und die Irritationen über Spanien für ein Ausverkauf sorgen.

    Wie oft wir diese China-leier schon gehört haben. Fehlt noch, dass Bernanke ein Stein durchs Fenster fliegt auf dem steht QE3 sofort. Da springt die Fantasie aber an ;-)

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