Börse Frankfurt
Dax schließt nach Euro-Achterbahnfahrt im Minus

Erst riss ein starker Euro den Dax aus seiner lethargischen Woche. Dann brach die Gemeinschaftswährung wegen der gestiegenen US-Inflation ein. Die einzige Konstante im Freitagshandel: Der Dax gab nach.
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FrankfurtEin wechselhafter Euro hat den Dax aus seiner Schläfrigkeit gerissen. Seit seinem fulminanten Wochenstart hatte sich der Deutsche Aktienindex kaum bewegt - von Lethargie zu sprechen, wäre nicht unangebracht. Nachdem Fed und EZB die Weichen für die nächsten Wochen gestellt hatten, setzte die Bequemlichkeit am Aktienmarkt ein. Börsianer hatten die Entscheidung der großen Notenbanken, die Geldschleusen weiter offen zu halten, schon eingepreist. Die Suche nach neuen Impulsen blieb für die Anleger ergebnislos.

Für Bewegung auf dem Parkett sorgte erst der Devisenmarkt. Denn als der Euro ab dem frühen Mittag anfing aufzuwerten und zeitweise um 0,7 Prozent stieg auf 1,119 Euro, wurden die schon im Pfingstwochenende vermuteten Börsianer wieder sichtbar - und verkauften. Der Dax geriet unter Druck, konnte sich im Laufe des Handels aber etwas erholen. Am Ende schloss er 0,4 Prozent leichter bei 11.815 Punkten.

Am Nachmittag dann sorgten US-Inflationsdaten für eine überraschende Trendwende auf dem Währungsmarkt. Zwar gingen die Verbraucherpreise insgesamt zurück, die Kerninflation aber verzeichnete im April ein enormes Plus von 1,8 Prozent. Diese wird ohne die Energiepreise, die durch den abgestürzten Ölpreis zurzeit ein Deflationsdruck auf die Verbraucherpreise ausüben, berechnet.

So kehrten plötzlich die Spekulationen über eine frühe Zinswende der Federal Reserve zurück. Und das, obwohl der Punkt seit der Fed-Sitzung am Mittwoch abgehakt schien. Der Euro drehte um 180 Grad und verlor 0,9 Prozent auf 1,102 Dollar. Die nun verunsicherten Anleger brachte das aber nicht zurück auf das Parkett.

Im frühen Handel noch hatten schwächere Konjunkturdaten den Dax nicht aus seiner Bequemlichkeit locken können. Der Geschäftsklima-Index des Ifo-Instituts im Mai ist etwas geringer gefallen als vermutet - von 108,6 auf 108,5 Zähler. Damit bewerten die deutschen Chefetagen die Aussichten erstmals seit dem Oktober wieder schwächer als im Vormonat. „Die deutsche Wirtschaft bleibt auf Kurs“, erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn dennoch. Die Führungskräfte beurteilten ihre Lage etwas besser, ihre Geschäftsaussichten aber schlechter als im April.

Anlass zu Ernüchterung lieferten schon die morgendliche Bestätigung des schwachen Wirtschaftswachstums. Demnach stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Januar bis März gegenüber dem Vorquartal nur um 0,3 Prozent. Damit hat die Konjunktur deutlich an Fahrt verloren, obwohl die privaten Haushalte mehr konsumiert und die Unternehmen mehr investiert hatten. Ende 2014 war die Wirtschaftsleistung verglichen mit dem Vorquartal noch um 0,7 Prozent gestiegen.

In der Hoffnung auf neue Erkenntnisse schauen die Anleger am Abend nach Washington. Dort will US-Notenbank-Chefin Janet Yellen eine Rede halten. Vor allem im Hinblick auf die gestiegene Kerninflation erhält das Gespräch eine neue Tragweite. Die gestiegenen Preise außerhalb des Energiesektors engen den Spielraum der Geldpolitiker deutlich ein.

In der zweiten Reihe fielen die Abschläge etwas geringer aus. Der MDax schloss 0,2 Prozent leichter bei 20.921 Zählern. Der TecDax verlor 0,3 Prozent auf 1731 Punkte. Auch der Leitindex der Eurozone gab leicht nach: Zum Wochenschluss kam der Euro-Stoxx-50 auf 3679 Stellen und damit ein Minus von 0,3 Prozent. Zum Frankfurter Börsenschluss rutschte der Dow Jones weiter ab und verbuchte bei 18.227 Punkten einen Abschlag von 0,3 Prozent.

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