Börse Frankfurt
Dax schließt nicht weit der 7.000-Punkte-Marke

Der Dax verbucht ein ordentliches Plus und schließt nicht weit entfernt der 7.000-Punkte-Marke. Anlegern gelang in der Spitze ein Vorstoß bis auf 6.995 Punkte. Die psychologisch wichtige Schwelle gilt es zu knacken.
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DüsseldorfGute Konjunkturdaten und eine Reihe erfreulicher Unternehmensberichte haben dem deutschen Aktienmarkt Auftrieb gegeben. Der Dax näherte sich zeitweise bis auf 5 Punkte wieder der 7000er-Marke an, die er zuletzt Anfang April überwunden hatte. Zum Handelsschluss gewann der Leitindex 0,9 Prozent auf 6.974 Punkte. Der MDax rückte um 0,6 Prozent auf 11.050 Zähler vor. Für den TecDax ging es um 0,5 Prozent auf 778 Stellen hoch.
"Aus technischer Sicht haben wir eine Trendwende hin zum Positiven", erklärte Riccardo Designori, Finanzanalyst bei Brown Editore in Mailand. Zwar könnte es auch Rückschläge geben, aber am Gesamtbild dürfte sich vorerst wenig ändern. Händler in Frankfurt vermuteten, dass der kleine Verfallstermin am Freitag - es werden Optionen auf Einzelaktien und Indizes fällig - ebenfalls die Kurse stützt. Allerdings war auch viel Skepsis zu hören. Zum einen beklagten die Börsianer die extrem niedrigen Umsätze. Zum anderen sahen viele den Kursanstieg als fundamental nicht gerechtfertigt an. Sie verwiesen auf die weiter ungelöste Schuldenkrise, die schlechte Stimmung der Börsenprofis, wie sie sich einmal mehr im ZEW-Konjunkturindex widerspiegelte - er fiel überraschend um 5,9 Punkte auf minus 25,5 Zähler - und der in der Euro-Zone insgesamt schrumpfenden Wirtschaftsleistung. Laut Eurostat fiel das BIP in der Währungszone im zweiten Quartal um 0,2 Prozent.

Positiv wurde aber der BIP-Anstieg in Deutschland um 0,3 Prozent aufgenommen. In Frankreich stagnierte die Wirtschaft zwar, aber Analysten hatten mit einem Rückgang gerechnet. Jörg Krämer von der Commerzbank sagte, das Wachstum sei recht solide ausgefallen. Bis auf weiteres dürfte das aus seiner Sicht aber die letzte positive Nachricht gewesen sein aus Deutschland. Die Auftragseingänge sänken seit Mitte 2011, der Einkaufsmanagerindex falle seit Monaten. "Die deutsche Wirtschaft dürfte deshalb im Sommer schrumpfen", glaubt Krämer. Sie sei zwar fundamental gut aufgestellt, könne sich aber von der Rezession in der Euro-Zone nicht abkoppeln- zumal auch die Weltkonjunktur einen Gang zurückgeschaltet habe.

Zudem bekräftigte eine Sprecherin des Bundesverfassungsgerichts, dass Deutschlands oberste Richter weiter am 12. September ihr Urteil zum ESM-Rettungsschirm bekanntgeben wollen. Am Vortag hatten Spekulationen über eine Verschiebung des Termins den Dax belastet. Unterstützung kam auch von den andauernden Spekulationen über Konjunkturspritzen der EZB im Herbst. Auch von der US-Notenbank erhoffen sich viele Anleger Hilfe für die schwächelnde weltgrößten Volkswirtschaft. Darüber hinaus blieben bei der Berichtssaison größere Enttäuschungen aus.

Die Einzelhandelsumsätze in den Staaten sind im Juli zum ersten Mal seit vier Monaten wieder gestiegen. Sie kletterten um 0,8 Prozent, Analysten hatten nur mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. Die Einzelhandelsumsätze zeigten, dass sich das US-Wachstum fortsetze, schrieb Helaba-Analyst Ralf Umlauf. "Argumente für QE3 liefern diese Daten unserer Einschätzung nach nicht." Derweilen verteuerten sich die US-Erzeugerpreise. Prognostiziert wurde ein Anstieg um lediglich 0,2 Prozent, die Erzeugerpreise verteuerten sich jedoch um 0,3 Prozent.

Mit einem überraschend kräftigen Anstieg des operativen Gewinns und der Erhöhung der Jahresprognose hat Merck im Dax gepunktet. Die Papiere stiegen am heutigen Tag um 4,2 Prozent über ihren Vortagesschluss von 82,50 Euro. DZ-Bank-Analyst Peter Spengler sprach von exzellenten Zahlen. Der Pharma- und Spezialchemiekonzern hat im zweiten Quartal von Einsparungen und einer starken Nachfrage nach seinen Arzneimitteln in Schwellenländern profitiert. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie Sondereinflüssen sei binnen Jahresfrist um 13,9 Prozent auf 746,6 Millionen Euro gestiegen, teilte Merck mit. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) von 706 Millionen Euro gerechnet. "Die Finanzkennzahlen zeigen, dass wir gute Fortschritte darin machen, Merck für die Zukunft zu stärken", erklärte Kley.

Der Düngemittelkonzern K+S macht seinen Aktionären nach einem Gewinnsprung im zweiten Quartal Hoffnung auf eine höhere Ausschüttung. Für das Jahr 2012 bestehe die Chance auf eine höhere Dividende, da sich der Buchgewinn aus der Veräußerung der Stickstoffsparte positiv auf das Konzernergebnis auswirken werde, teilte der Dax-Konzern aus Kassel mit. Bisher hatte das Unternehmen lediglich in Aussicht gestellt, die Gewinnbeteiligung von 1,30 Euro je Aktie aus dem Vorjahr stabil zu halten. Im zweiten Quartal stieg das bereinigte Konzernergebnis dank der steigenden Düngemittelnachfrage der Landwirte um 17 Prozent auf 141,2 Millionen Euro. Im Gesamtjahr geht der Konzern, der bereits Ende Juli Eckdaten für das zweite Quartal vorgelegt hatte, von einem bereinigten Konzernergebnis von 630 bis 690 Millionen Euro aus nach 581,8 Millionen Euro im Vorjahr. Die Aktien verbuchten einen Aufschlag von einem Prozent im Vergleich zum Vortag.

RWE hingegen konnte mit seinem Zwischenbericht nicht glänzen. Die Aktien verloren teilweise um die ein Prozent, machten aber wieder Boden gut und konnten sogar mit einem Plus von 0,6 Prozent schließen. "Die Zahlen waren durchwachsen, einige lagen über, andere unter den Erwartungen. Insgesamt sind sie ganz OK", sagte ein Händler. DZ-Bank-Analyst Hasim Sengül zeigte sich in einem Kurzkommentar optimistischer: Die Zahlen seien besser als erwartet, schrieb er. Besonders positiv sei die Einigung mit dem Lieferanten Statoil. Der Energiekonzern RWE kehrt nach den Einbußen durch die Atomwende nur langsam zu alter Stärke zurück. Der für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettogewinn sei mit 1,665 Milliarden Euro um 0,1 Prozent niedriger ausgefallen. Von Reuters befragte Analysten hatten den nachhaltigen Nettogewinn auf 1,710 Milliarden Euro taxiert. RWE bekräftigte die Prognose für 2012 und bestätigte zudem einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters aus der vergangenen Woche, wonach der Konzern zusätzlich rund 2400 Stellen abbauen will.

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  • Oder von 900 auf 1200 :-)

  • "In einer (nicht allzu fernen, inflationären) Zukunft:

    Der DAX ist gerade von 10000 auf 9800 gefallen.

    Sodener: "Ich habe es schon immer gewusst."
    Hamburger: "Endlich. Die bisherigen Verluste werden mit den erhofften Gewinnen der Zukunft verrechnet. Muahahu... huhuhu."

    Si tacuisses, Bruder, si tacuisses.

  • Aha.. eine Mogelpackung mal wieder von der EZB:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/griechenland-versteigert-anleihen-am-geldmarkt-a-849989.html

    so ist es kein wunder, der euro geht bald ab wie ne pflunder.. draghi und EZB stehen stramm, rette sich wer kann ^^

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