Börse Frankfurt
Dax schließt schwach - Anleger misstrauen EU-Gipfel

Heute lenkte die Politik die Märkte. Die Abstimmung zur Hebelung des EFSF lähmte zunächst den Dax. Danach gab es für ihn kein Halten mehr. Für die restliche Handelswoche wird der heutige EU-Gipfel entscheidend sein.
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DüsseldorfDie Ruhe vor dem Sturm. So könnte man heute das Motto unter dem die Börsen standen zusammenfassen. Lange passierte nichts. Der Dax regte sich kaum und auch die Nebenindizes verharrten auf ihren Positionen. Am Nachmittag erwachte der Leitindex dann aus seinem Tiefschlaf und schoss erst nach oben, um dann genau so schnell wieder zu fallen. Am Ende musste der Dax ein Minus von 0,5 Prozent auf 6.016 Punkte hinnehmen. Die zweite Reihe gab ein geteiltes Bild ab. Während der MDax 0,3 Prozent verlor auf 9.036 Zähler konnte der TecDax ein Plus von 0,5 Prozent auf 705 Punkte retten.

Bis zum Nachmittag verhielten sich viele Anleger bedeckt. Grund war die Abstimmung im Bundestag über die Hebelung des EFSF-Schirms. Keiner wagte das Risiko und so herrschte lange Zeit gespenstige Ruhe an Europas Börsen.

Die Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel setzte dann den Startschuss für den Dax. In einem dramatischen Appell erinnerte sie die Abgeordneten an ihre Verantwortung Europa gegenüber. Der Kontinent stehe in der schwierigsten Situation seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, sagte Merkel in einer Regierungserklärung vor dem EU- und Eurozonen-Gipfel. „Scheitert der Euro, scheitert Europa“, sagte Merkel. Es sei keineswegs selbstverständlich, dass es in Europa weitere 60 Jahren Frieden geben werde. Angesichts dieser Lage stünden auch die anderen europäischen Länder, die G20-Staaten und die Banken in der Pflicht, die Euro-Zone zu stabilisieren, betonte die Kanzlerin.

Die darauffolgende Wahl endete mit einer großen Mehrheit für eine Verstärkung des Euro-Rettungsschirmes EFSF. Für den gemeinsam von CDU, CSU,FDP und SPD und Grünen eingebrachten Entschließungsantrag stimmten 503 Abgeordnete, 89 Parlamentarier votierten dagegen, vier enthielten sich, wie Bundestagsvize-Präsidentin Katrin Göring-Eckardt mitteilte. Bundeskanzlerin Angela Merkel erhielt damit Rückendeckung für den Euro-Gipfel am Abend, zugleich wurde ihr Mandat für die Verhandlungen klar bestimmt.

Nach der Wahl griffen die Anleger wieder vermehrt zu Aktien und schoben den Dax auf sein Tageshoch von 6.144 Punkten. Doch schnell wich der Mut wieder der Unsicherheit. Die Börsianer verkauften ihre Anteilsscheine und machten ihre Kursgewinne vom kurzzeitigen Hoch am Nachmittag zu Geld. Der Dax brach augenblicklich ein und rutschte auf sein Tagestief von 5.982 Zähler.

"Sie können noch kein Kaninchen aus dem Hut zaubern"

Grund für die Gewinnmitnahmen ist die Skeptik gegenüber dem heute stattfindenden Euro-Gipfel. Kaum jemand erwartet, dass die EU einen "Masterplan" zur Eindämmung der Schuldenkrise vorlegen wird und das trübt etwas den Optimismus. Der Luxemburger Ministerpräsident Jean Claude Juncker versuchte zwar im Vorfeld Stimmung zu machen, doch einige Börsianer ruderten zurück. „Die ursprünglichen Knackpunkte scheinen immer noch ungelöst und es sieht so aus, als ob bei den Verhandlungen bis zum bitteren Ende gerungen wird“, sagte Aktienhändler Jonathan Sudaria von Capital Spreads. Auch Lothar Mentel, Chef des Portfolio-Managements bei Octopus Investments bezweifelte, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs eine überzeugende Lösung präsentieren werden. „Sie können noch kein Kaninchen aus dem Hut zaubern.“

Experten erwähnten, dass die europäische Politik keine konkrete Antwort vorlegen kann, da die Verhandlungen mit den Banken über einen höheren Forderungsverzicht noch nicht abgeschlossen sind. „Was Europa braucht, ist eine klare, schnell umzusetzende und leicht zu finanzierende Lösung mit einem genauen Zeitplan“, schrieben die Analysten von Lloyds. „Es besteht aber das Risiko, dass wir einen vagen Plan ohne Zeitplan und ohne konkrete Zahlen erhalten.

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  • @ Ignorant
    @ electric007

    Klar kann man Alles nachrechnen. Wenn man es will! Wenn man es tut! Ich habe immer wieder feststellen müssen, dass man es eben NICHT tut. Auch der zitierte LB-Vorstand WOLLTE es nicht zugeben, dass er immer wieder schlecht lag. Natürlich beherschte er die Grundrechenarten und seine Leute hatten es immer wieder berechnet. Aber wer große Finanzwelt spielen will, kann dabei leicht auf die Nase fallen. Und dann beginnt (üblicherweise) der Selbstbetrug. Und der Rettungsversuch. Einer meiner früheren Chefs erlebte bei den Versuchen, das Geld anderer Leute doch noch zu "retten" Schiffbruch und ging später dafür in den Knast.
    Die taggenau abzulesenden Ausführungen der Banken sind zum Teil das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind. Noch ein Beispiel: Ein Abrechnung für einen Spezialfonds war unplausibel erschienen. Nach wiederholtem schriftlichen Anfragen und Telefonaten gestand die Depot-Bank ein, einen ganz erheblichen Betrag (sechsstellig bei siebenstelligem Anlagebetrag) versehentlich bei der "Ertragsrealisierung" nicht berücksichtigt zu haben. Man schrieb mehrere Hunderttausend Euronen nachträglich gut. Zwischenzeitlich stellte ich fest, dass die anfängliche Unplausibilität allein eine eigener Übertragungsfehler gewesen ist...! Man hätte die Manipulation allenfalls erahnen, aber nie belegen können. Auf Strafanzeige haben meine "Vortänzer" verzichtet, weil es ja eine renomierte Bank war ...!
    Sie haben keine Ahung, mit welche oberflächlichen Methoden Banken (nicht nur Hinterweltbanken, die machen das ja nicht mal selber) Bullshit produzieren.

    Ich bleibe dabei: Überdurchschnittliche Renditen sind auf Dauer nur mit überdurchschnittlichem Risiko zu erzielen.

    Und ich bleibe dabei, dass die hier publizierten "Tipps" Banalitäten sind und Anfänger in Fallen locken.

    Zum Abschluss: Das Kritische will hier, entgegen Ihren Ausführungen, niemand hören.

  • Gegen Kritik ist nichts einzuwenden, solange sie sachlich bleibt. Kenner z.B. vertritt auch häufig einen konträren Standpunkt, und das in aller Deutlichkeit, aber er greift nie jemanden persönlich an und unterstellt ihm wirre Dinge, wie es z.B. hier ein Troll namens Kai getan hat. Niemand will hier jemanden verjagen, nur weil er kritisch ist und eine andere Meinung vertritt. Aber wir wehren uns notfalls auch über unsere Anwälte, wenn Unwahrheiten verbreitet, schwerste Beleidigungen weit unter der Gürtellinie ausgesprochen und unter der Mail-Adresse von Forumsmitgliedern Viren verschickt werden. Ich bin durchaus in der Lage, Argumente auf ihre Plausibilität abzuklopfen und Prognosen zu überprüfen, und das tue ich selbstverständlich auch. Dass jeder auch mal irrt, ist doch klar, aber es gibt unter den Forumsteilnehmern hier bestens informierte, kluge und faire Leute mit einer hohen Trefferquote und ignorante Leute wie mich mit niedriger Trefferquote, und die mit hoher Trefferquote machen bei ihren Investitionen einen erheblich besseren Schnitt als Leute wie ich, und genau daraus kann ich lernen. Mich haben schon mehrere Leute vom Forum beraten, und niemand von ihnen hatte dadurch einen Vorteil und keiner hat ein Honorar verlangt oder mir die Verwaltung meines Geldes angeboten. Das hier ist ganz einfach ein Meinungs- und Informationsaustauschforum mit allen Vorteilen und Tücken solch eines Forums. Jeder Rat sollte als das betrachtet werden, was er ist: eine Meinungsäußerung. Und: Jeder ist herzlich eingeladen, hier mitzudiskutieren, solange er fair und sachlich bleibt und anderen nicht böse Absichten, skrupellose Ausbeutung oder andere Gruseligkeiten unterstellt. Also bitte bei aller Kritik wertschätzend bleiben und gern Meinungen, aber nie die dahinter stehende Person angreifen, dann hört man auch gern zu und denkt darüber nach. Okay?

  • @Realist: Vielen Dank, doch ich glaube nicht das Sie viel ändern können mit Ihren Ratschlägen.
    Ich meine jeder sich ein wenig mit Vermögensanlage auskennt, kann auch Renditen berechnen, wenn Ihr genannter Bank-Vorstand dies nicht beherrscht, dann ist er meiner Meinung nach völlig fehl am Platz. Im übrigen bekommt jeder Kunde, der sein Geld bei einer anständigen Bank anlegt, einen Vermögensreport aus dem historische Wertentwicklungen jederzeit taggenau abgelesen werden können und das auf Einzel- und Gesamtwertpapierbestand. Ich weiss ja nicht was das für eine Dorfbank gewesen sein muss wo Ihr Vorstand seine Kohle angelegt hatte. (Auch der Ausweis nach Kosten ist üblich)Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, dass Vermögende Privatkunden diesen Standard schon seit Jahren kennen. Soll ich Ihnen die Namen der Instiute nennen wo Sie diese Reports erhalten?

    Sie sehen also, ich denke Sie sind älteren Semesters, Renditen lassen sich nachrechnen. Im übrigen ist meine Meinung, dass jeder mündig genug ist gierig nach mehr Rendite zu gieren aber Verantwortung für Entscheidungen will niemand übernehmen. Wie sagt man so schön, erst Hirn einschalten dann sprechen (im übertragenen Sinne gemeint). Ich persönlich finde nicht das man hier animiert wird zum zocken, man tauscht sich hier nur aus und wer dem hier geposteten wie viel wahrheitsgehalt zukommen läßt sollte jedem selbst überlassen werden.
    Grundsätzlich finde ich es aber gut, wenn Sie auch mal mit Ihrem glänzenden Fachwissen auf Fehler bzw. Falschaussagen hinweisen.
    Wer hier welche Rendite macht ist doch Wurst, das ist doch gar nicht das Thema. Oder schreiben Sie auch regelmäßig an Onvista, Finanztreff, Godemodetrader, 4investors, boersego etc. dass Sie mit Ihren veröffentlichten Analysen Leute in den Abgrund stürzen?

    Und dieses Forum ist im übrigen viel zu unwichtig um Leute auf breiter Ebene zu irgend etwas zu bewegen. Ausserdem zocken die hier anwesenden doch auch wirklich ganz unterschiedliche Werte!





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