Börse Frankfurt
Dax schließt so tief wie seit drei Monaten nicht

Die Hellas-Krise lässt den Dax 200 Punkte abrutschen. Noch schlimmer sieht es an der griechischen Börse aus. In einer Rede vor dem Europaparlament fordert EZB-Präsident Mario Draghi von Athen nun eine schnelle Reaktion.

FrankfurtDer griechische Schuldenstreit bringt die Börsen in Bedrängnis. Vielen Anlegern ist es kurzfristig zu riskant, in die Aktienmärkte einzusteigen. Der Dax musste deswegen größere Verluste hinnehmen. Der Leitindex beendete den Handel rund 1,9 Prozent im Minus auf 10.985 Punkten. Das letzte Mal schloss der Dax vor mehr als drei Monaten unter der 11.000-Punkte-Marke. Der Grund: Griechenland.

Bis zum 30. Juni braucht Griechenland die letzte Hilfstranche des Internationalen Währungsfonds in Höhe von 7,2 Milliarden Euro. Kommt es zu keiner Einigung, wird das Geld nicht an Athen ausgezahlt und die Griechen stünden vor der Staatspleite. Nach Angaben der EU-Kommission ist es nun an der Euro-Gruppe, über das weitere Verfahren mit Griechenland zu entscheiden. Die Euro-Finanzminister beraten am Donnerstag in Luxemburg.

Was vielen Marktakteuren den Angstschweiß auf die Stirn treibt, lässt Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras noch lange nicht erzittern. „Wir werden geduldig abwarten, bis die Institutionen auf eine realistische Position einschwenken“, sagte er der griechischen Zeitung „Ton Syntakton“.

Griechenlands Anleger hingegen reagieren deutlich nervöser. Der Athener Leitindex ASE General notierte am Montag zwischenzeitlich um mehr als sieben Prozent tiefer. Der griechische Bankenindex raste 16,6 Prozent ins Minus. Auch am griechischen Anleihemarkt beschleunigte sich der Ausverkauf. Die Rendite für zweijährige Staatspapiere schossen um mehr als drei Prozentpunkte in die Höhe auf 29,45 Prozent.

Mittlerweile spielen viele Analysten auch konkrete „Grexit“-Szenarien, also ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone, durch. Die EZB sieht sich für ein solches Szenario gewappnet. „Man gewöhnt sich an Krisenmanagement. Wir haben Erfahrung, egal in welcher Situation“, sagte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet am Montag in Wien.

EZB-Präsident Mario Draghi rät Griechenland derweil im Rahmen des geldpolitischen Dialogs mit dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments zu schnellen Handlungen. Er fordert von den Politikern eine Lösung im Schuldenstreit und macht deutlich, dass die Zentralbank in die Verhandlungen nicht eingreifen werde.

Ralf Zimmermann vom Bankhaus Lampe sieht bei einem „Grexit“ für den Leitindex noch großes Abwärtspotenzial. Der Analyst sagt voraus, dass der Dax dann um weitere zehn Prozent auf bis zu 10.000 Punkte absacken könnte. „Die Bewegung seit Mitte April war vom Crash am deutschen Bondmarkt getrieben. Käme es zu einem 'Grexit', wäre das eine zusätzliche Belastung“, sagte Aktienstratege Zimmermann aus Düsseldorf.

Christian Stocker, leitender Unicredit-Stratege in München, sieht zwar auch Risiken für den Dax, hält sie aber für zeitlich begrenzt. Da die Volkswirtschaft des Euro-Raums an Stärke gewinne, wäre ein Punktestand von 10.000 für ihn eine Kaufgelegenheit. Auf diesem Niveau wären die Aktien im Dax mit dem 12,6-fachen der erwarteten Gewinne für dieses Jahr bewertet – so niedrig wie seit Januar nicht mehr, zeigen Daten von Bloomberg.

Seite 1:

Dax schließt so tief wie seit drei Monaten nicht

Seite 2:

Europas Bankentitel drehen deutlich ins Minus

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%