Börse Frankfurt
Dax schließt tief im Minus

Das Hin und Her um den europäischen Rettungsfonds und ein Gerücht haben den Dax am Donnerstag tief ins Minus gedrückt. Vor allem Versorger und die Deutsche Bank gerieten unter Druck.
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DüsseldorfUnd wieder geht es abwärts. Der Dax fiel am Donnerstagnachmittag unter die psychologisch wichtige 5.800 Punkte-Marke. Im Vergleich zum Vortag schloss der Leitindex 2,5 Prozentpunkte schwächer bei 5.766 Punkten. Auch der Euro drehte ins Minus und notierte bei 1,3697 Dollar. Zuvor hatte ein Medienbericht über eine mögliche Verschiebung des EU-Gipfels am Wochenende dem deutschen Leitindex zugesetzt. Die Zeitung „Die Welt“ hatte berichtet, die Bundesregierung schließe eine Verschiebung des von den Finanzmärkten mit Spannung erwarteten Gipfels nicht aus, weil die Verhandlungen über den Einsatz eines Hebels für den Euro-Rettungsschirm EFSF stockten.

Am Nachmittag dann das Dementi aus Regierungskreisen: der EU-Gipfel am Wochenende wird stattfinden. Nach Angaben aus Koalitionskreisen wird Bundeskanzlerin Angela Merkel jedoch auf die für Freitag geplante Regierungserklärung verzichten. Auch die dringend erwartete Entscheidung über eine EFSF-Hebelwirkung werde es diese Woche nicht geben.

Dabei wollen die Finanzmärkte von den Staats- und Regierungschefs Ergebnisse sehen, wie diese die europäische Schuldenmisere endlich in den Griff bekommen wollen. „Derzeit kann es sich keiner leisten, die Märkte vor den Kopf zu stoßen“, sagt Sebastian Sachs, Devisen-Analyst bei der Metzler Bank. Die allumfassende Gesamtlösung erwarten die meisten Experten zwar nicht. „Aber ich gehe davon aus, dass uns etwas präsentiert wird, was überzeugend ist“, prognostiziert der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer.

Diskutiert wird derzeit vor allem, wie der Rettungsschirm mehr finanzielle Schlagkraft erhalten soll als die fixierte Kreditobergrenze von 440 Milliarden Euro. Frankreich setzt sich für einen EFSF-Hebel mittels einer Banklizenz ein, damit dieser bei der EZB selbst Kredite aufnehmen kann - Berlin ist allerdings strikt dagegen. Im Gespräch ist zudem eine Versicherungslösung, wonach der EFSF bei der Ausgabe einer Staatsanleihe durch ein Euro-Land eine Garantie übernehmen könnte. Dadurch würde sich das Risiko der Käufer (Banken, Versicherungen, etc.) verkleinern und damit der Anreiz vergrößert, bei der Anleihe kräftig zuzugreifen. Devisen-Analyst Sachs schätzt, dass sich beim EU-Gipfel letzteres Modell durchsetzen wird. „Für die Banklizenz müsste die EZB mit im Boot sein, aber das ist sie bislang nun einmal nicht.“

Die politische Uneinigkeit, die derzeit gerade beim Thema EFSF noch kolportiert wird, ist für Hellmeyer nur ein taktisches Manöver. „Man versucht die Erwartungen möglichst gering zu halten, damit die positive Überraschung am Ende umso größer ist“, sagt der Chefvolkswirt. Vor allem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte die aufkeimende Euphorie zu Wochenbeginn deutlich gedämpft. Mit seinen Worten, die „endgültige Lösung“ sei beim EU-Gipfel nicht zu erwarten, schickte er die Märkte auf Talfahrt.

So optimistisch gestimmt wie Hellmeyer sind allerdings nicht alle Experten. Enttäuschungspotenzial sei immer da, sagte ein Händler. „Selbst wenn die Einigung auf einen EFSF-Hebel bis Sonntag gelingt, wird das nicht ausreichen, um die Märkte nachhaltig zu beruhigen“, meint auch HSBC-Trinkaus-Analyst Thomas Amend. Um die Währungsunion langfristig überlebensfähig zu machen, seien vor allem strukturelle Veränderungen wichtig. Laut Amend müsste etwa ein vereinfachter Sanktionsmechanismus eingeführt werden, um die Transparenz und Geschwindigkeit von Strafverfahren zu erhöhen. Das würde zu einer höheren Glaubwürdigkeit des Stabilitäts- und Wachstumspaktes führen, sagt er. Und die Anleger werden auf jedes Wort von offizieller Seite lauern, das eine Lösung oder ein Scheitern der Verhandlungen andeutet.

Auch aus den USA kamen am Nachmittag schlechte Nachrichten: Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind in der vergangenen Woche etwas höher als erwartet ausgefallen. Im Wochenvergleich sei die Zahl um 6.000 auf 403.000 gefallen, teilte das US-Arbeitsministerium in Washington mit. Volkswirte hatten mit 400.000 Anträgen gerechnet.

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  • Nihil aliud est ebrietas quam voluntaria insania!

  • Mihi est propositum in taberna mori ubi vina proxima morientis ori. tunc cantabunt laetius angelorum chori: 'sit deus propitius huic potatori'

  • Sorry, tempofix, aber hatte mich der Illusion hingegeben, die Alternative heute zum Laufen zu bringen. Glückwunsch zum erfolgreichen Handelstag!

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