Börse Frankfurt
Dax schließt über 5 800 – Skepsis von Experten wächst

Der deutsche Aktienmarkt geht mit satten Gewinnen in den Feierabend, nachdem auch die US-Börsen komfortabel im Plus liegen. Besonders gefragt waren die Papiere von Thyssen-Krupp und Daimler. Aber Vorsicht! Zu sicher sollten Anleger sich nicht fühlen. Das zumindest sagen die Experten. Auf längere Sicht drohe dem Dax Ungemach.
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HB FRANKFURT. In Erwartung einer weiteren wirtschaftlichen Erholung haben Anleger am Montag wieder verstärkt Aktien gekauft. Der Dax beendete den Handel 2,1 Prozent höher bei 5 804 Punkten. Das Jahreshoch von 5 888 liegt damit wieder in Reichweite."Die Grundtendenz geht im Moment einfach nach oben", kommentierte ein Händler die gute Stimmung am Markt. Der MDax legte um 1,76 Prozent auf 7 439 Zähler zu, auch der TecDax verbuchte mit plus 2,69 Prozent auf 781 Punkte einen kräftigen Zuwachs.

Größter Gewinner im Dax waren nach positiven Analystenkommentaren die Aktien von Thyssen-Krupp mit einem Plus von 4,5 Prozent. Schlusslicht waren K+S mit einem Minus von einem Prozent, was Händler auf Gerüchte über eine bevorstehende Kapitalerhöhung zurückführten.

"Es gibt nichts Belastendes am Markt, und bei geringen Umsätzen treiben schon wenige Käufe den Markt nach oben", sagte ein weiterer Aktienhändler. Zudem sehen viele die Börse schon mitten in der Jahresendrally. "Es läuft derzeit ganz fantastisch. Ob das zur Realwirtschaft passt, ist aber eine ganz andere Geschichte."

Unterstützung lieferten neue Daten zum Bruttoinlandsprodukt von Japan, der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft. Diese ist im vergangenen Quartal mit einem Plus von 1,2 Prozent fast doppelt so stark gewachsen wie von Analysten erwartet. Die exportorientierte Industrie profitierte von den weltweiten Konjunkturprogrammen. Auch die besser als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturdaten gaben dem Dax neuen Schwung. So waren die US-Lagerbestände im September um 0,4 Prozent gesunken, während ein Minus von 0,7 Prozent erwartet worden war. Auch die Wall Street baute nach den Daten ihre Gewinne aus.

Erholung auf tönernen Füßen

Mittelfristig sieht es für die Börse dagegen aber nicht so rosig aus: Die Erholung am deutschen Aktienmarkt steht nach dem deutlichen Kursplus in der vergangenen Woche Experten zufolge auf tönernen Füßen. "Wir gehen nach wie vor davon aus, dass die Aktienmärkte nach der starken Kursentwicklung seit März anfällig für Rückschläge sind", heißt es in einer Studie der DZ Bank. Und auch die Experten der Landesbank Berlin gehen davon aus, dass sich der "Zick-Zack-Kurs und damit die laufende Konsolidierung" fortsetzen wird. Mit dem Auslaufen der Berichtsaison in Deutschland und Europa dürften in der kommenden Woche vor allem die US-Märkte und Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten die Richtung vorgeben.

Anders als der Dax und der EuroStoxx 50 erklomm der Dow Jones zuletzt ein neues Jahreshoch - allerdings war der Dow Jones in seiner Erholung seit den Tiefständen von Anfang des Jahres den Märkten in Deutschland und Europa hinterhergehinkt. Mit der zuletzt wieder stärkeren Entwicklung hatte der amerikanische Markt diese Lücke lediglich weitestgehend geschlossen. Seit ihren Tiefständen von Anfang März konnten sowohl der Dax als auch der Dow Jones jeweils um rund 58 Prozent zulegen. Beim EuroStoxx 50 steht ein Plus von 63 Prozent auf dem Kurszettel.

Zeit, die Ernte einzufahren?

Die LBB-Analysten gehen deshalb davon aus, dass ein größerer Rückschlag noch aussteht. "Die hohe Bewertung, die Unsicherheit über die Nachhaltigkeit der laufenden konjunkturellen Erholung sowie der zeitweise über 1,50 Dollar gestiegene Euro dürften für Skepsis sorgen", schrieben die Experten der Bank. "Die Umsätze der letzten Wochen deuten zudem darauf hin, dass Anleger verstärkt bereit sind, Gewinne - insbesondere vor dem Hintergrund des näher rückenden Jahresendes - mitzunehmen." Schwächephasen könnten Anleger aber unverändert zum Positionsaufbau nutzen.

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