Börse Frankfurt
Dax schließt unter 6.000er-Marke

Das deutsche Marktbarometer setzt weiterhin seine Talfahrt fort. Die Anleger flüchten aus Aktien. Auch Ölpreis und Euro fallen. Ein Grund: Spanien bekommt seine Bankenkrise wohl nicht allein in den Griff.
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FrankfurtDie Euro-Schuldenkrise und Sorgen um die weltweite Konjunktur haben den deutschen Aktienmarkt zum Wochenauftakt weiter ins Minus gedrückt. Der Dax schloss am späten Montagnachmittag 1,2 Prozent tiefer bei 5.978 Punkten, nachdem er lange Zeit um die wichtige Marke hin und her pendelte. Seit seinem Jahreshoch von Mitte März erreichte der Leitindex auf Schlusskursbasis den tiefsten Stand des Jahres, nachdem er bereits in der Vorwoche um rund viereinhalb Prozent abgesackt war. Bei den Nebenwerten ging es ebenfalls abwärts. Der MDax verlor 1,6 Prozent auf 9.716 Punkte und der TecDax gab um 2,3 Prozent auf 714 Punkte nach.

„Zu den Sorgen um die Euro-Zone - im Besonderen Spanien und sein angeschlagener Bankensektor - kommen nun auch zunehmend Sorgen um das Weltwirtschaftswachstum“, sagte Händler Markus Huber von ETX Capital. Die US-Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag waren schwächer als erwartet ausgefallen. Die US-Industrie hat im April überraschend einen Auftragseinbruch erlitten. In China hat sich zudem das Wachstum im Dienstleistungssektor im Mai weiter verlangsamt.

An den Rohstoffmärkten zeige sich ein adäquates Bild: Die Preise für Öl und Kupfer gerieten stark unter Druck. Angesichts der Krisenstimmung rückten auch der EZB-Zinsentscheid am Mittwoch sowie mögliche konjunkturstützende, geldpolitische Aussagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke am Donnerstag stärker in den Anlegerfokus, sagte ein Börsianer.

Die Volatilitätsindizes VDAx und VStoxx, die die Nervosität der Investoren messen, schossen zeitweise um 7,7 beziehungsweise 5,3 Prozent in die Höhe. Mit Ständen von 34,89 und 38,31 Punkten notierten sie jeweils so hoch wie zuletzt Anfang Dezember. An der insgesamt trüben Laune änderte das aber nichts. "Die Stimmung am Markt ist untergalaktisch schlecht", fasste es ein Händler zusammen. An den Rohstoffmärkten gerieten die Preise für Öl und Kupfer ins Rutschen.

Dass der Dax noch vor zwei Monaten über der Marke von 7.000 Punkten lag, erscheint heute angesichts der verheerenden Probleme in vielen Ländern Südeuropas fast wie ein Relikt aus vergangener Zeit. Trotz der Verluste sind die aktuellen Kurse vielen Experten noch nicht günstig genug: "Angesichts der Risiken ist es zu früh, um schon wieder Aktien zu kaufen", sagt Joost van Leenders von BNP Paribas Investment Partners. Er verwies auf den krisengeschüttelten spanischen Bankensektor mit dem Sorgenkind Bankia, das mehr Geld braucht, als selbst Pessimisten befürchtet hatten.

Für den Aktienmarkt bedeuten diese nach wie vor politischen Börsen wenig Hoffnung auf Besserung. "Auf kürzere Sicht sollten die Aktienmärkte in der Euro-Zone in schwierigem Fahrwasser bleiben", heißt es im Wochenausblick der Landesbank Berlin. Daran können die gelisteten Unternehmen auch selbst wenig tun. Die Hauptversammlungen gerade der großen Konzern aus dem Dax sind allesamt vorbei, ebenfalls die Quartalszahlen. Die nächsten kommen hier erst in anderthalb Monaten. Da aus den Unternehmen sonst ebenfalls wenig Überraschendes wie Übernahmen oder Personalrochaden kommt, gleichen deren Aktienkurse im Moment einem Spielball der Politik.

Besonderes Augenmerk gilt deshalb am Mittwoch der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank. Hier rechnen die Experten zwar nicht mit einer Zinssenkung, erwarten aber in der Rede von Präsident Mario Draghi konkrete Vorschläge, wie man gegen die prekäre Lage in Südeuropa vorgehen will. Seine Worte werden auch entscheidend dafür sein, wie es mit dem Euro weitergehen wird. Dessen Kurs ist seit Ende April massiv gefallen. 1,2349 Dollar mussten nur noch für einen Euro gezahlt werden, einen Monat vorher waren es noch 1,32 Dollar. Schlechtere Arbeitslosendaten als erwartet gab es am Freitag aus der Euro-Zone und den USA. Zu leiden hatte darunter nur der Euro.

Der Ölpreis fällt ebenfalls seit Wochen. Ein Fass der Sorte Nordsee-Sorte Brent kostet am Morgen zeitweise weniger als 97 Dollar. Spekulationen auf eine rückläufige Nachfrage drücken den Ölpreis. So tief notierte Öl zuletzt im Januar 2011.

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  • So, 1000 Punkte nach unten sind genug. Weg mit dem wertlosen Zeugs den Daytradern in den Rachen.
    Der Jackpot ist mein. Man soll nicht gierig sein. Außerdem brauche ich Bares. Und eine Kur.



  • Ich bin ja doch gespannt, was all den Fondsmanagern, Bankberatern und Analysten diesmal einfallen wird, um die miese Performance des ihnen anvertrauten Geldes zu entschuldigen. Hoffentlich haben die Ausreden und Erklärungen wenigstens einen Unterhaltungswert.

  • Heute ist der 5. Tag. Lesen Sie dazu den Artickel www.maries-kryptisches-gefasel.realist-ist-realistisch.html und beachten Sie, daß montags keine Auslieferungen von Bankzikarzien vorgenommen werden.

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