Börse Frankfurt

Dax schließt wegen EZB unter 9200 Punkten

Ein schwarzer Tag für Börsianer. Der Dax verliert fast 200 Punkte. Schuld daran ist die EZB. Sie will zwar in den kommenden zwei Jahren eine Billionen Euro verteilen. Aktionäre hatten sich jedoch viel mehr erhofft.
Update: 02.10.2014 - 17:49 Uhr 17 Kommentare

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FrankfurtImmer wenn eine Zentralbank auf dieser Welt etwas zu ihrem geldpolitischen Kurs verrät, halten die Börsen den Atem an. Ob Fed, EZB oder Bank of England. Die Aktienmärkte werden zum Spielball der Notenbank-Präsidenten. Diesmal hatte Mario Draghi das Zepter in der Hand – und hat ordentlich für Unruhe gesorgt.

Der Dax beendete den Handel am Donnerstag mit einem satten Minus von zwei Prozent auf 9195 Punkten. In der zweiten Reihe musste der TecDax sogar Verluste in Höhe von 2,7 Prozent bei 1214 Zählern hinnehmen. Der MDax schloss 1,6 Prozent tiefer auf 15.567 Punkte.

Zwar ließ die EZB den Leitzins wie erwartet auf dem rekordniedrigen Niveau von 0,05 Prozent. Hinsichtlich der ABS-Papiere gab es jedoch Neuigkeiten. Und die waren letztlich verantwortlich für die herben Verluste beim Dax.

Die Zentralbank will ab Mitte Oktober mit dem Aufkauf der Asset Backed Securities beginnen. Damit soll die lahmende Kreditvergabe der Banken belebt werden, da ohne die ABS-Papiere finanzielle Freiräume bei den Instituten entstehen würden. Das Programm soll eine Laufzeit von mindestens zwei Jahren haben.

Probleme macht vor allem das Volumen. Laut EZB-Chef Mario Draghi soll es bis zu einer Billionen Euro betragen. Viele spekulativen Marktbeobachter hatten sich mehr erhofft. Nach der Pressekonferenz gaben viele von ihnen ihre zuvor aufgebauten Positionen auf und sorgten damit für den Kursrutsch am Nachmittag.

„Am Markt sind einige enttäuscht, dass nach dem Paukenschlag vom September jetzt nicht gleich der nächste Schlag folgte“, sagte Analystin Jana Meier von HSBC Trinkaus. Allerdings habe Draghi die Tür für weitere Maßnahmen noch ein Stück weiter geöffnet. Stratege Joost Beaumont von ABN Amro wertete dies in einem Interview als Ausdruck einer nicht mehr ganz so lockeren geldpolitischen Haltung, da Fragen über das genaue Ausmaß der geplant Wertpapierkäufe offen geblieben seien.

Während an den Börsen die Kurse ins Rutschen kamen, konnte der Euro von Draghis Ankündigungen profitieren. Bereits während der Pressekonferenz schoss die europäische Gemeinschaftswährung deutlich ins Plus. Am Abend wurde der Euro mit 1,2652 Dollar bewertet, was ein Plus von 0,3 Prozent bedeutete.

Am Rande der EZB-Pressekonferenz, die diesmal in Neapel stattfand, kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Einige der maskierten Demonstranten warfen Feuerwerkskörper und Rauchbomben. Die Polizei setzte Tränengas und einen Wasserwerfer ein. Es kam zu Raufereien.

Etwa 600 Menschen hatten sich Polizei-Angaben zufolge vor dem Capodimonte-Palast versammelt, in dem der EZB-Rat zu seiner auswärtigen Sitzung zusammengekommen war. „Job-Unsicherheit, Armut, Arbeitslosigkeit, Spekulationen. Befreit uns von der EZB“, hieß es auf einem Spruchband. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie die Bereitschaftspolizei die Demonstranten davon abhielt, auf das Gelände des aus dem 18. Jahrhundert stammenden Schlosses zu kommen.

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17 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Dax schließt wegen EZB unter 9200 Punkten"

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  • Wenn von den 100 Billionen € an Derivaten, die weltweit herumgeistern, auch nur ein Bruchteil notleidend wird oder eine Zombiebank vom Typ Lehmann verdientermaßen über die Wupper geht, dann ist nicht nur das Spiel "Börse aus", sondern unser aller Spiel ist over.

    Sagen wir für 2-3 Jahre.

    Dann geht der Schwachsinn von neuem los.
    So ein Crash wäre heilsam, damit der Zocker-Unfug ein Ende hat.

    Haben wir doch alles schon gehabt. 2008 oder 2000, als der Dax bei 2200 stand.

    Ist denn unser aller Gedächtnis so schlecht, und lesen wir denn nicht ab und zu mal etwas Vernünftiges über die Situation jetzt und in der Zukunft?

  • Mal sehen, ob die Wall Street heute wieder "wegen Ebola fällt."

    Einen älteren Herrn aus Omaha hat es nicht davon abgehalten, Aktien zu kaufen.

    Warren Buffett: I bought stocks in Wednesday's big selloff
    http://www.cnbc.com/id/102052800

    Schönes Zitat "He added that trying to time the market by buying and selling individual names often is crazy. He called it a "fool's game."

  • Herr Draghi bekommt die Liebe und Zuneigung seiner Landsleute zu spüren.

    ECB live blog: Police clash with protesters in Naples
    http://www.cnbc.com/id/102052577

  • Schon enorm, was der Markt von Draghi erwartet. Bisher konnte man an Draghi-Tagen fast blind mit hohem Hebel long gehen. Schaun wir mal, ob er auch heute wieder verbal stimulieren kann.

  • Trotzdem kommt´s auch auf die richtige Auswahl der Aktien an,die richtige Streuung im Depot und das richtige Timing und den aktuellen Börsenzyklus,die Politik der Notenbanken,den Leitzins,das politische Umfeld.Heute muss man mindestens 25-30 Aktien im Depot haben,vermischt mit guten Fonds oder ETFs oder Indexzerties(wenn möglich Performancezerties(DAX,MDAX oder Dow Jones Total Return,weil da auch die Dividenden mit drin sind)und und und.Nur zu sagen,mach mal in Aktien,unabhängig von der Auswahl und des richtigen Einstiegszeitpunkts,ist viel zu pauschal und kann bitter bestraft werden.Underperformer,nicht nur in der ersten deutschen Börsenliga ,gibt`s schließlich genug .Ein ganz einfaches Beispiel ist der Neue Markt.Nasdaq und Nemax AllShare und Nemax50 liefen glänzend bis zum März 2000,man durfte nur den richtigen Absprung nicht verpassen.Auch Bankaktien liefen von März 03 bis Mai 2007 gut,eine BNP kommt von 145,eine SogGen von 170,eine Coba von 250 Euro.Aber vergleichen Sie das mal mit heute.Halten und liegen lassen,kann man maximal 20% der Aktien.Selbst ein Buffet überprüft regelmäßig seine Investitionen und passt sie gegebenenfalls an.

  • Ganz ohne Counterpart ist es auch nicht, denn von irgendjemand muss ich das Gold ja kaufen (mit 3-4% Ausgabeaufschlag) und dann auch wieder verkaufen/eintauschen, insofern ich mich nicht komplett aus dem Wirtschaftskreislauf verabschiede und zu 100% Selbstversorger bin.

    War auch schön in Frankfurt in der großen Rezession zu sehen. Da mussten die Städter ordentlich Goldtaler an die Bauern aus dem Umland abdrücken, um überlebenswichtige Lebensmittel zu kaufen/tauschen.

  • @ wulff/Peter: Physisches Gold ist ein stabiler Wertespeicher und AAA seit Jahrtausenden, und dient als (Lebens)Versicherung um das Vermögen (also die Summe aus frei verfügbarer Liquidität plus investierten Assets wie Immobilien und Aktien) gegen systemische Risiken OHNE Counterpart und Performancegedanken mit ca. 20 % abzusichern. Nicht mehr, und nicht weniger.

    Als Vermögen definiere ich dabei Beträge ab 1 Mio. € aufwärts. Darunter ist physisches Gold m.E. völlig uninteressant.

    Fakt ist, wer sein Geld nicht in Produktivkapital/vermögen (Aktien) investiert, wird später an Altersarmut leiden und auf staatliche Almosen angewiesen sein bzw. auf Dauer reale Vermögensverluste erleiden, und verzichtet zudem auf ein passives Einkommen. Das war schon immer so, und wird auch immer so bleiben. Crashs hin, Währungsreformen her. Fertig.


    Kind regards,

    Carl Icahn Jr.
    - selbst. Börsenhändler -
    Algo- und System-Trading, Frankfurt-Westend

  • Was Kultur im Zusammenhang mit Aktien sein soll, steht zwar im WiKi ist aber völliger Schwachsinn.

  • Der "dumme Sparbuch-Deutsche" ist gut beraten, wenn er sich von den Finanz-Hyänen fernhält.

  • Seh ich genau so

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