Börse Frankfurt Dax steigt den vierten Tag in Folge

Fast schon trotzig, wie die Anleger nach dem Börsenbeben reagieren und auf die Hilfe der Notenbanken spekulieren. Börsianer warnen aber weiter vor allzu großer Sorglosigkeit angesichts der unklaren Brexit-Folgen.
Update: 01.07.2016 - 17:42 Uhr

Dax wieder im Aufwind: Brexit-Verluste halbiert

FrankfurtEine Woche nach dem Brexit-Beben hat sich der Aktienmarkt stabilisiert. Anleger zeigten sich am Freitag in Kauflaune und verhalfen dem Dax zu weiteren Gewinnen. Zum Handelsschluss notierte der Frankfurter Platzhirsch 9776 Punkten ein Prozent fester – und damit fast auf demselben Niveau wie vor einer Woche, als der desaströse erste Handelstag nach dem britischen Referendum sein Ende fand. Die Kurse waren daraufhin weiter eingebrochen, doch die Aussicht auf die Unterstützung durch die Notenbanken hatte für eine Erholung auf dem Parkett gesorgt.

Die Notenbanken also – wer sonst, der für steigende Kurse auf den Anzeigetafeln sorgt? Schon vor dem Plebiszit hatten die Großen unter den Währungshütern angedeutet, dass sie notfalls stützend auf das Geschehen wirken würden, vor allem um die Märkte zu beruhigen. Dass sie tatsächlich hätten eingreifen müssen, kam wohl so überraschend wie für die Anleger selbst.

So kündigte Mark Carney, Chef der Bank Of England am Donnerstag eine „Lockerung der Geldpolitik im Sommer an“. Experten wie die Analysten der ANZ Bank sehen mindestens eine Zinssenkung angedeutet. Die Zinsspekulationen ließen das britische Pfund abtauchen. Es fiel bis auf 1,3262 Dollar und blieb damit in Sichtweite seines 31-Jahres-Tiefs von Montag.

Börsianer hoffen aber auch auf die Europäische Zentralbank. Sie rechnen mit einer weiteren Aufstockung des laufenden Anleiheprogramm von einem derzeitigen Monatsvolumen von 70 auf 80 Milliarden Euro. Das Wunschdenken in Sachen Konjunkturspritzen drückte die Renditen südeuropäischer Staatsanleihen. Allerdings wurden die Spekulationen von seiten der EZB nicht genährt. Österreichs Notenbank-Gouvernour Ewald Nowotny etwa gab solchen Überlegungen zu Kursänderungen in der Geldpolitik angesichts des Brexits eine klare Abfuhr: „Es ist noch viel zu früh, hier detaillierte Perspektiven zu geben.“

Insidern zufolge will die Zentralbank nicht am festgelegten Kapitalschlüssel für ihre Bondkäufe rütteln. Dieser besagt, dass die EZB bei ihren monatlichen Käufen verstärkt zu Anleihen der Länder greift, die der Notenbank mehr Eigenkapital zur Verfügung stellen. Sollten die Währungshüter zukünftig von dieser Regel abweichen, könnten verstärkt Anleihen südeuropäischer Krisenstaaten aufgekauft werden.

Während die zweite Liga deutscher Aktien sich nach dem Primus richtete - der MDax gewann 1,3 Prozent auf 20.105 Zähler, der TecDax 1,3 Prozent auf 1620 Punkte –, notierte der Leitindex der Währungsunion, der Euro-Stoxx-50 mit 2881 Punkten 0,6 Prozent fester.

Diese Aktien brechen Rekorde – im Guten wie im Schlechten

DEUTSCHE BANK AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005140008
Börse
L&S

+0,18 +1,38%
+13,48€
Chart von DEUTSCHE BANK AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Bank
1 von 29

Für die Deutsche Bank wurde das erste Halbjahr 2016 zu einem kurstechnischen Albtraum. Die Aktie rutschte von einem Tief ins nächste. Besonders stark nahm sie das Brexit-Votum mit. In dessen Folge rutschten die Papiere auf ein Rekordtief von 12,05 Euro. Damit war die Aktie der schlechteste Wert über alle Indizes (Dax, MDax, TechDax und SDax) hinweg.

Schlusskurs 30. Juni: 12,33 Euro

Performance seit dem 1. Januar: -45,3 Prozent

GFT TECHNOLOGIES SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005800601
Börse
L&S

+1,52 +13,01%
+13,20€
Chart von GFT TECHNOLOGIES SE INHABER-AKTIEN O.N.
GFT Technologies
2 von 29

Für den im TecDax gelisteten Finanzsoftware-Spezialisten GFT war das erste Halbjahr ebenfalls kein Zuckerschlecken. Das Unternehmen geriet wegen der Übernahme einer brasilianischen Firma namens W.G. unter Druck.

Schlusskurs 30. Juni: 17,9 Euro

Performance seit dem 1. Januar: -43,3 Prozent

BILFINGER SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005909006
Börse
L&S

-0,06 -0,17%
+36,84€
Chart von BILFINGER SE INHABER-AKTIEN O.N.
Bilfinger
3 von 29

Die Bilfinger-Aktie hatte bereits im vergangenen Jahr eine rasante Achterbahnfahrt hingelegt. Gewinnwarnung folgte auf Gewinnwarnung und auch die Halbjahresbilanz des Baukonzerns für 2016 fällt bescheiden aus.

Schlusskurs 30. Juni: 8,3 Euro

Performance seit dem 1. Januar: -39,4 Prozent

COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000CBK1001
Börse
L&S

+0,11 +0,88%
+13,01€
Chart von COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.
Commerzbank
4 von 29

Im Zuge der jüngsten Börsenturbulenzen kam auch die Aktie der Commerzbank heftig unter Druck. Sie teilt ihr Schicksal mit vielen europäischen Banken.

Schlusskurs 30. Juni: 5,8 Euro

Performance seit dem 1. Januar: -39,1 Prozent

FERRATUM OYJ REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
FI4000106299
Börse
L&S

+0,39 +1,50%
+26,43€
Chart von FERRATUM OYJ REGISTERED SHARES O.N.
Ferratum
5 von 29

Ins Straucheln geriet auch der finnische Kleinkredit-Anbieter Ferratum, der im Kleinwerteindex SDax gelistet ist. Zuletzt kündigte die Firma an, die Zinsen aufs Tagesgeld zu senken. Der Aktie tat das nicht gut. Seit Jahresbeginn verlor sie fast 40 Prozent.

Schlusskurs 30. Juni: 18,40 Euro

Performance seit dem 1. Januar: -38,6 Prozent

SILTRONIC AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000WAF3001
Börse
L&S

-0,85 -0,71%
+118,06€
Chart von SILTRONIC AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Siltronic
6 von 29

Angesichts trüber Geschäftsaussichten haben viele Anleger beim Siliziumscheiben-Hersteller Siltronic die Reißleine gezogen. Ende April reduzierte die Tochtergesellschaft von Wacker Chemie nach einem schwachen Jahresauftakt ihre Umsatzprognose für 2016.

Schlusskurs 30. Juni: 14,5 Euro

Performance seit dem 1. Januar: -35,8 Prozent

MORPHOSYS AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006632003
Börse
L&S

-0,84 -1,10%
+74,52€
Chart von MORPHOSYS AG INHABER-AKTIEN O.N.
Morphosys
7 von 29

Hohe Forschungskosten haben das Ergebnis des Biotech-Unternehmens Morphosys gedrückt und der Aktie außerdem eine Kursziel-Herabstufung durch JP Morgan beschert. Allerdings gibt es seit Juni auch einen Lichtblick: Vielversprechende Testergebnisse eines Mittels gegen Blutkrebs haben die Aktie zuletzt angeschoben.

Schlusskurs 30. Juni: 37,3 Euro

Performance seit dem 1. Januar: -35,3 Prozent

Auch wenn sich die Börse stabilisieren konnten und etwa der Londoner „Footsie“ auf Monatssicht im Juni sogar Gewinne verbuchen konnte, ist die Unsicherheit groß. Angesichts der Hängepartie um den Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union warnen die Händler davor, dass die Stimmung jederzeit wieder kippen könnte.

Am Freitag rückten zunächst aber Konjunkturdaten in den Mittelpunkt des Interesses. Zum Wochenausklang standen eine Menge neuer Eingaben an. So verschlechterte sich die Stimmung in der chinesischen Wirtschaft spürbar. In der Eurozone indes fiel der Einkaufsmanagerindex für die Industrie etwas besser aus als erwartet. Nach einem überraschend hohen ISM-Einkaufsmanagerindex für die USA weitete der Dax seine Gewinne etwas aus.

Abfuhr an die Banken
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