Börse Frankfurt
Dax steigt den vierten Tag in Folge

Fast schon trotzig, wie die Anleger nach dem Börsenbeben reagieren und auf die Hilfe der Notenbanken spekulieren. Börsianer warnen aber weiter vor allzu großer Sorglosigkeit angesichts der unklaren Brexit-Folgen.

FrankfurtEine Woche nach dem Brexit-Beben hat sich der Aktienmarkt stabilisiert. Anleger zeigten sich am Freitag in Kauflaune und verhalfen dem Dax zu weiteren Gewinnen. Zum Handelsschluss notierte der Frankfurter Platzhirsch 9776 Punkten ein Prozent fester – und damit fast auf demselben Niveau wie vor einer Woche, als der desaströse erste Handelstag nach dem britischen Referendum sein Ende fand. Die Kurse waren daraufhin weiter eingebrochen, doch die Aussicht auf die Unterstützung durch die Notenbanken hatte für eine Erholung auf dem Parkett gesorgt.

Die Notenbanken also – wer sonst, der für steigende Kurse auf den Anzeigetafeln sorgt? Schon vor dem Plebiszit hatten die Großen unter den Währungshütern angedeutet, dass sie notfalls stützend auf das Geschehen wirken würden, vor allem um die Märkte zu beruhigen. Dass sie tatsächlich hätten eingreifen müssen, kam wohl so überraschend wie für die Anleger selbst.

So kündigte Mark Carney, Chef der Bank Of England am Donnerstag eine „Lockerung der Geldpolitik im Sommer an“. Experten wie die Analysten der ANZ Bank sehen mindestens eine Zinssenkung angedeutet. Die Zinsspekulationen ließen das britische Pfund abtauchen. Es fiel bis auf 1,3262 Dollar und blieb damit in Sichtweite seines 31-Jahres-Tiefs von Montag.

Börsianer hoffen aber auch auf die Europäische Zentralbank. Sie rechnen mit einer weiteren Aufstockung des laufenden Anleiheprogramm von einem derzeitigen Monatsvolumen von 70 auf 80 Milliarden Euro. Das Wunschdenken in Sachen Konjunkturspritzen drückte die Renditen südeuropäischer Staatsanleihen. Allerdings wurden die Spekulationen von seiten der EZB nicht genährt. Österreichs Notenbank-Gouvernour Ewald Nowotny etwa gab solchen Überlegungen zu Kursänderungen in der Geldpolitik angesichts des Brexits eine klare Abfuhr: „Es ist noch viel zu früh, hier detaillierte Perspektiven zu geben.“

Insidern zufolge will die Zentralbank nicht am festgelegten Kapitalschlüssel für ihre Bondkäufe rütteln. Dieser besagt, dass die EZB bei ihren monatlichen Käufen verstärkt zu Anleihen der Länder greift, die der Notenbank mehr Eigenkapital zur Verfügung stellen. Sollten die Währungshüter zukünftig von dieser Regel abweichen, könnten verstärkt Anleihen südeuropäischer Krisenstaaten aufgekauft werden.

Während die zweite Liga deutscher Aktien sich nach dem Primus richtete - der MDax gewann 1,3 Prozent auf 20.105 Zähler, der TecDax 1,3 Prozent auf 1620 Punkte –, notierte der Leitindex der Währungsunion, der Euro-Stoxx-50 mit 2881 Punkten 0,6 Prozent fester.

Auch wenn sich die Börse stabilisieren konnten und etwa der Londoner „Footsie“ auf Monatssicht im Juni sogar Gewinne verbuchen konnte, ist die Unsicherheit groß. Angesichts der Hängepartie um den Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union warnen die Händler davor, dass die Stimmung jederzeit wieder kippen könnte.

Am Freitag rückten zunächst aber Konjunkturdaten in den Mittelpunkt des Interesses. Zum Wochenausklang standen eine Menge neuer Eingaben an. So verschlechterte sich die Stimmung in der chinesischen Wirtschaft spürbar. In der Eurozone indes fiel der Einkaufsmanagerindex für die Industrie etwas besser aus als erwartet. Nach einem überraschend hohen ISM-Einkaufsmanagerindex für die USA weitete der Dax seine Gewinne etwas aus.

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Dax steigt den vierten Tag in Folge

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