Börse Frankfurt: Dax stürzt knapp zwei Prozent ab

Börse Frankfurt
Dax stürzt knapp zwei Prozent ab

Die überraschend starken Zahlen vom US-Arbeitsmarkt verunsichern die Märkte. So mancher befürchtet nun eine frühere Leitzinserhöhung durch die Fed. Auch enttäuschende deutsche Konjunkurdaten wirken belastend.
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FrankfurtDer Dax ist im späten Freitagshandel deutlich in die Miesen gerutscht. Überraschend starke US-Arbeitsmarktdaten waren anfänglich positiv aufgenommen worden, doch mit dem Handelsbeginn an der Wall Street nahm eine andere Deutung der Zahlen Überhand: An der Börse setzte sich die Ansicht durch, dass die Zahlen womöglich stark genug seien, um die Federal Reserve zu einer früheren Zinswende - und damit dem langsamen Ende des billigen Notenbankgeldes - zu bewegen. Die Verunsicherung lähmte die Anleger, die vor dem Wochenende aus den Märkte flüchteten. Zusätzlich lasteten enttäuschende deutsche Konjunkturdaten auf der Stimmung. Der Dax brach ein und schloss 1,9 Prozent leichter bei knapp 9648 Punkten.

Im Dezember schuf die US-Wirtschaft ganze 252.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft und damit 12.000 mehr als von Experten kalkuliert. Zum elften Mal infolge überstieg der monatliche Stellenzuwachs nun die 200.000er Schwelle. Die separat berechnete Arbeitslosequote fiel von 5,8 auf 5,6 Prozent. Die Zahlen sind für das Börsengeschehen deswegen von enormer Bedeutung, weil die Federal Reserve ihren Zeitpunkt für eine Zinserhöhung vorrangig von der US-Konjunktur abhängig macht. Und einen signifikanten Indikator verorten die amerikanischen Notenbanker in der Beschäftigungslage der Nation.

Daher erhoffen sich die Aktionäre über die Zahl neuer Jobs Hinweise auf einen Politikwechsel der Fed, und vor allem auf den Zeitpunkt einer solchen Wende. Die Märkte haben in jüngerer Vergangenheit wiederholt gezeigt, wie sensibel sie auf eine mögliche Erhöhung der Leitzinsen regieren würden. Auch aus diesem Grund rechnen sich die Börsianer einen weiteren Strom des Notenbankgeldes über das Frühjahr hinaus aus. Bestätigt in dieser Annahme sehen sich die Anleger von den am Mittwoch veröffentlichten Fed-Sitzungsprotokollen, die dem Dax am gestrigen Donnerstag ein 3,4-Prozent-Plus beschert hatte.

So bleiben die Arbeitsmarktdaten wie in den Monaten zuvor das heiße Eisen an den Aktienmärkten. Fallen die Zahlen zu stark aus, fürchten die Anleger eine Erhöhung der Leitzinsen durch die Notenbanken. Fallen die Zahlen dagegen schwach aus, kehrt schnell die Sorge um die Konjunktur zurück, was aber gleichzeitig ein Plädoyer für weiterhin niedrige Zinsen wäre. Ohnehin ist die Fed angehalten, die Zügel nur sehr behutsam anzuziehen - ein Tanz auf dem Drahtseil für Fed-Chefin Janet Yellen und ihren Stab.

Noch vor Handelsbeginn sorgten schwache deutsche Industriedaten für schlechte Stimmung. Die Exporte waren im November um unerwartete 1,2 Prozent zurückgegangen, die Produktion ließ um 0,1 Prozent nach. Zuvor hatten schon gesunkene Industrieaufträge Konjunktursorgen genährt. Damit dürfte das Wachstum im vierten Quartal noch einmal abflauen. Anfänglich eher weniger beachtet, rückten die schlechten Werte im späten Handel in den Mittelpunkt des Geschehens und verstärkten den Abwärtssog.

Für den Leitindex der Euro-Zone ging es noch deutlicher bergab. Schwache Banken-Titel belasteten den Euro-Stoxx-50 zusätzlich, sodass er am 3,1 Prozent schwächer schloss bei 3036 Punkten. Die zweite Frankfurter Reihe hingegen konnte sich dem Markttrend lange wiedersetzen. Am Ende verlor der MDax 0,5 Prozent auf 17.145 Stellen. Der TecDax gab 0,3 Prozent nach auf 1408 Zähler. In New York verbuchte der Dow-Jones-Index zum Frankfurter Handelsschluss einen Verlust von 0,8 Prozent und kam auf 17.757 Stellen.

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  • Es wird immer schlimmer, die Arge....

  • @ Cal Andersen

    Tatsächlich ist die eingenommene Lohnsteuer der beste Indikator. Vollbeschäftigung zum Mindestlohn sagt wenig aus. In der großen Wirtschaftskrise vor 1923 hatten wir auch Vollbeschäftigung weil ein Gehalt nicht für das Brot für die ganze Familie reichte.

  • @ Velo Abdi

    Irgendwie scheinen Sie nicht zu begreifen was passieren würde wenn das FED tatsächlich die Zinsen anheben würde.

    Dann geht amerikanisches Geld aus europäischen Aktien in amerikanische Anleihen.

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