Börse Frankfurt
Dax trotzt allen Sorgen

Die Angst vor einer Ölschwemme und geldpolitische Sorgen schicken den Aktienmarkt am Freitag in die Verlustzone. Der Dax müht sich redlich – und geht letztlich mit einem marginalen Plus ins Wochenende.
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FrankfurtSpekulationen auf steigende Zinsen und wieder fallende Ölpreise haben Europas Aktienanleger am Freitag verunsichert. Trotz eines kräftigen Stellenzuwachses in der US-Wirtschaft im Juni starteten Dax und EuroStoxx50 nicht durch. Zum Handelsschluss schaffte es der deutsche Leitindex nur knappe 0,1 Prozent ins Plus auf 12.389 Punkte. Auf Wochensicht gewann er ein halbes Prozent. Sein europäisches Pendant schloss auch 0,1 Prozent höher bei 3463,84 Zählern. Der MDax hievte sich am späten Nachmittag aus der Verlustzone und schloss nahezu unverändert bei 24.573 Punkten. Für den TecDax ging es 0,3 Prozent rauf auf 2220 Zähler.

Unsicherheiten mit Blick auf eine mögliche Straffung der Geldpolitik, Spannungen mit Nordkorea, ein schwacher Ölpreis und steigende Anleiherenditen seien nur ein paar Gründe, weshalb sich Anleger auf dem Rückzug befänden, sagte Analyst Christian Schmidt von der Helaba. Der Preis für ein Fass der Ölsorte Brent aus der Nordsee sackte aus Sorge vor einem Anhalten der globalen Ölschwemme um 2,8 Prozent auf 46,75 Dollar ab. Auch die Sorge vor einer strafferen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank belastete die Aktienmärkte. So war es auch am Vortag. Immer mehr deutet nach der eingesetzten Erholung der Konjunktur darauf hin, dass die EZB demnächst beginnt, die Anleihenkäufe zurückzuschrauben.

Gemischte Signale lieferte der jüngste US-Arbeitsmarktbericht. Zwar entstanden im Juni mit 222.000 neuen Jobs mehr als die von Experten erwarteten 179.000. Die separat ermittelte Arbeitslosenquote stieg allerdings leicht auf 4,4 Prozent. Zudem waren Analysten verunsichert über die Stundenlöhne. Diese legten im Juni um 0,2 Prozent zu, Analysten hatten aber mit einem Anstieg von 0,3 Prozent gerechnet. Die Gehälter der Amerikaner gelten als Gradmesser dafür, dass der Aufschwung tatsächlich bei den Bürgern ankommt.

„Vor diesem Hintergrund dürften Erwartungen, wonach die US-Notenbank bezüglich Leitzinserhöhungen vorsichtiger agieren wird, tendenziell bestätigt werden“, schrieben die Experten der Landesbank Helaba in einem Kurzkommentar. VP-Bank-Ökonom Thomas Gitzel hingegen hält die jüngsten Bedenken, dass die US-Wirtschaft nicht mehr so gut laufe, für überzogen. „Der US-Arbeitsmarkt ist ein guter Wasserstandsmelder für das Wohlergehen der Gesamtwirtschaft. Die beobachtbare Skepsis an den Finanzmärkten, dass die US-Notenbank Fed weitere Zinserhöhung vorerst zurückstellen wird, dürfte verfehlt sein.“

Die US-Währungshüter sollen Vollbeschäftigung fördern und sehen sich dabei praktisch am Ziel. Die Fed hat ihren Leitzins zuletzt auf die neue Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent erhöht und will bis zum Jahresende nachlegen.

Am Devisenmarkt baute der Euro seine Gewinne zunächst aus, ehe er wieder auf Talfahrt ging und unter die Marke von 1,14 Dollar rutschte. Auch der Goldpreis ging angesichts des steigenden Dollars in die Knie und notierte mit 1208 Dollar je Feinunze so niedrig wie seit Mitte März nicht mehr. Die US-Börsen legten hingegen zu, vor allem Technologieaktien waren gefragt.

Bei den Einzelwerten stachen am deutschen Aktienmarkt die Titel des Motorenbauers Deutz hervor. Sie brachen um knapp dreizehn Prozent ein, nachdem der schwedische Lkw-Hersteller Volvo über Nacht seinen kompletten 25-Prozent-Anteil auf den Markt geworfen hat.

In der ersten Liga stachen vor allem die Versorger hervor. Eon und RWE gewannen jeweils bis zu drei Prozent – einsame Dax-Spitze. RWE haben seit Jahresbeginn fast die Hälfte an Wert zugelegt. Die Anteilsscheine der grünen Tochter Innogy legten ebenfalls mehr als zwei Prozent zu. Schlusslicht waren die Papiere von ProSieben Sat 1 mit Abschlägen von zwei Prozent. Nachdem am Donnerstag bereits eine skeptische Studie der US-Bank JPMorgan für Wirbel gesorgt hatte, äußerte sich nun auch die französische Investmentbank Exane BNP Paribas vorsichtig zu den Papiere des Medienkonzerns.

Im Nebenwerteindex MDax legten die Stada-Papiere um 1,6 Prozent auf 64,50 Euro zu. Insidern zufolge kaufte sich der aktivistische Hedgefonds Elliott bei dem Arzneimittelhersteller ein, bei dem kürzlich eine Übernahme durch die Finanzinvestoren Bain und Cinven gescheitert ist.

An der Börse in Paris büßten Carrefour-Aktien nach ihrem Quartalsbericht 4,6 Prozent ein. Anleger sorgten sich, dass der Einzelhandelsriese seine Prognosen für 2017 nicht erfüllen kann.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Leonidas Exuzidis
Leonidas Exuzidis
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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