Börse Frankfurt: Dax verarbeitet Berlusconi-Schock

Börse Frankfurt
Dax verarbeitet Berlusconi-Schock

Mario Monti will gehen und Silvio Berlusconi wiederkommen. An den Börsen löste diese Meldung Irritation aus. Am Ende schaffte der Dax aber noch die Wende. Allerdings bleibt Italien mittelfristig ein Unsicherheitsfaktor.
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FrankfurtHeute standen die Börsen ganz unter dem Zeichen von Mario Montis angekündigtem Rücktritt und Silvio Berlusconis geplanter Kandidatur. Der Schock über die Meldung hielt den Dax bis zum Nachmittag im Minus. Nach und nach konnte das deutsche Branchenbarometer sich dann erholen. Am Ende reichte es für ein kleines Plus in Höhe von 0,2 Prozent auf 7.531 Punkte.

In der zweiten Reihe sah es nicht ganz so gut aus. Der MDax schloss unverändert auf 11.873 Punkte und der TecDax gab 0,5 Prozent nach auf 832 Zähler.

Der Name Silvio Berlusconi stieß heute vielen Anlegern übel auf. Vor etwas mehr als einem Jahr hinterließ der "Bunga-Bunga-Präsident" eine finanzielle Baustelle. Renditen von über sieben Prozent auf Staatsanleihen, kaum Wirtschaftswachstum und mangelnder Reformeifer sind vielen Börsianern noch in bester Erinnerung.

"Der angekündigte Rückzug von Italiens Ministerpräsident Mario Monti und das geplante Comeback von Silvio Berlusconi könnte die Furcht vor einem Wiederaufflammen der Schuldenkrise in Europa erneut anfachen", erklärte LBBW-Analyst Wolfgang Albrecht. "Monti hatte für eine gewisse Stabilität in Rom gesorgt, mit Berlusconi könnte die Lage wieder fragiler werden", fügte ein Händler hinzu.

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte sich besorgt. "Italien darf jetzt auf zwei Drittel des Reformprozesses nicht stehen bleiben", sagte Westerwelle "Spiegel Online" am Montag. "Das würde nicht nur Italien, sondern auch Europa neue Turbulenzen bringen", warnte der FDP-Politiker.

Italiens Ministerpräsident Mario Monti meldete sich auch zu Wort und verteidigte seine Entscheidung. Er sei überzeugt, das Richtige getan zu haben, sagte er in einem Interview der Zeitung "La Repubblica". Wie seine eigene Zukunft aussehe, wisse er nicht, doch seine Sorge gelte vor allem der Zukunft des Landes. Seine Ankündigung habe er am Wochenende gemacht, um den Märkten Zeit zu geben, sich von dem Schock zu erholen, sagte Monti weiter.

In Italien gingen die Kurse auf Talfahrt. Der Mailänder Leitindex verlor am Montag rund 2,5 Prozent. Im restlichen Europa konnten sich die Indizes, ähnlich wie der Dax, zum Nachmittag hin etwas beruhigen. Der Pariser CAC 40 und der Londoner FTSE knüpften an ihren Schlusskursen vom Freitag an.

Die US-Börsen überwanden ebenfalls ihre schwache Anfangsphase. Der Dow Jones notierte nach europäischem Börsenschluss 0,2 Prozent fester, der S&P 500 verzeichnete einen Aufschlag in Höhe von 0,3 Prozent und der Nasdaq lag 0,6 Prozent im Plus.

Viele Finanzexperten waren heute ohnehin davon ausgegangen, dass der Schock über Montis Rücktritt nur eine Momentaufnahme sein werde. Für den Rest des Jahres sehen sie für die Kurse noch Potenzial nach oben. An den Börsen fällt oft das Stichwort "Window Dressing". Gemeint ist damit die Verschönerung der Unternehmenszahlen zum Jahresabschluss. Angesichts der leichten Verluste heute dürfte diese Bilanzkosmetik spätestens in der zweiten Monatshälfte ihre Wirkung auf die Kurse entfalten.

Folker Hellmeyer, Chef-Volkswirt der Bremer Landesbank, bezeichnete die Aufregung im Fernseh-Sender n-tv als "Sturm im Wasserglas". Für viele Anleger sei die Entwicklung in Rom nur eine Ausrede, um Kasse zu machen. Er rechne damit, dass der Dax dieses Jahr die 7600er-Marke noch knacken könne, betonte Hellmeyer. Der Dax hat in den vergangenen drei Wochen etwa 600 Punkte zugelegt und steuert mit einem Plus von knapp 30 Prozent seit Anfang Januar auf seine beste Jahresbilanz seit 2003 zu.

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  • Die sind so gier-krank im Kopf.
    Laß Atombomben die Erde vernichten ... die Börse würd's feiern ... man könnte ja wieder was aufbauen ...

  • Btw, mit " 100.000 € " als Startkapital kommt man an der Börse aber nicht weit, wenn man selbständig auf eigene Rechnung erfolgreich arbeiten will. Als vernünftige Größe würde ich 500.000 € nennen.

  • @stockpicker1: Zum handeln und sein Geld verdienen an der Börse gehört eine gültige Händlerlizenz, wie zum Autofahren der Führerschein - ist also quasi Grundvoraussetzung.

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