Börse Frankfurt
Dax verliert deutlich

Den ganzen Montag hindurch wurde der deutsche Leitindex von den Nachrichten über eine mögliche Zahlungsunfähigkeit Griechenlands belastet. Am Nachmittag schließlich stufte S&P die Bonität Griechenlands weiter herunter.
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Frankfurt/Düsseldorf

Die Diskussion um einen möglichen Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone hat dem europäischen Aktienmarkt am Montag einen Dämpfer verpasst. Der Dax gab um ein Prozent auf 7.415 Punkte nach. "Zwar glaubt niemand ernsthaft an einen baldigen Ausstieg Griechenlands aus dem Euro-Raum, dennoch halten sich viele Anleger zurück", sagte ein Börsianer. "Denn eine Umschuldung steht nach wie vor auf der Tagesordnung und scheint immer näher zu rücken." Der griechische Bankenindex gab um ein Prozent auf 991,31 Punkte nach und lag damit so niedrig wie seit Januar 1997 nicht mehr. Die Aktien mehrerer griechischer Institute wie EFG Eurobrank oder National Bank fielen ebenfalls auf Mehrjahres-Tiefs.

Darüber hinaus hatte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) am Nachmittag verlauten lassen, dass sie die Kreditwürdigkeit Griechenlands um weitere zwei Noten herabgestuft hat. Die Bonitätsnote werde von "BB-" auf "B" reduziert, teilte S&P am Montag in London mit. Der Ausblick für die Kreditwürdigkeit bleibe auch nach der Herabstufung negativ. Die Ratingagentur begründete diese mit der gestiegenen Gefahr, dass die staatlichen Gläubiger der Eurozone eine Verlängerung ihrer Laufzeiten akzeptieren könnten. "Nach unserer Meinung gibt es ein steigendes Risiko, dass Griechenland Maßnahmen für eine Umschuldung ergreift."

Die anhaltende Schuldenkrise und der Höhenflug bei Rohstoffpreisen dämpften auch die Stimmung unter europäischen Investoren. Das Konjunktur-Barometer fiel im Mai auf 10,9 Punkte von 14,2 Zählern im April und damit auf den tiefsten Stand seit Januar, wie das Sentix-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 875 professionellen Anlegern mitteilte. Der Rückgang fällt damit stärker aus als Analysten erwartet hatten. "Der Zenit in den Konjunkturerwartungen ist damit definitiv durchschritten", schrieben die Experten.

Deutsche Finanztitel betroffen

Im Zuge der schwelenden Schuldenkrise im Euro Raum gehörten heute insbesondere Finanzwerte zu den Verlierern. Die Deutsche Bank verlor 2,2 Prozent auf 42,23 Euro. Nicht besser erging es den Papieren der Commerzbank. Sie büssten sogar 3,2 Prozent ein und gingen mit 4,12 Euro aus dem Handel.

Es gab aber auch gute Nachrichten: Im März haben deutsche Exporteure wegen der starken Nachfrage aus Europa so viel ins Ausland verkauft wie noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik. Bei den Autobauern scheint hingegen erst einmal die Luft raus zu sein. Nach starken Kursgewinnen im vergangenen Monat fanden sich BMW und Volkswagen heute unter den Verlierern im Dax wieder. Denn obwohl BMW von seiner Kernmarke im April 113.078 Fahrzeuge absetzte - immerhin ein Plus von 14,8 Prozent - verlor die Aktie 2,5 Prozent. BMW schnitt allerdings erneut deutlich besser ab als die Konkurrenten Audi und Daimler. Die Papiere von Volkswagen notierten 2,2 Prozent leichter und kosteten zuletzt 127,60 Euro.

Volkswagen hat darüber hinaus seinen Anteil daran, dass sich die Papiere von MAN am Nachmittag an die Indexspitze setzen konnten. VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch sagte bei einer Telefonkonferenz, dass VW zwischen 35 und 40 Prozent an MAN anstrebe. Mit diesem Anteil könnten die Wolfsburger die Geschicke des Münchner Konzerns bestimmen. Pötsch schloss eine Aufstockung zu einem späteren Zeitpunkt nicht aus. Ziel von VW ist, den Lkw-Bauer mit Scania unter dem VW-Dach zusammenzuführen. Dabei sollen beide Marken erhalten bleiben. Dass VW vorerst nicht auf eine Komplett-Übernahme von MAN zielt, zeigt das Angebot an die Aktionäre des bayerischen LKW-Bauers. Durch Aktienkäufe überschritt VW die Schwelle von 30 Prozent der Stimmrechte an MAN und musste daher ein Pflichtangebot vorlegen: Es liegt bei 95 Euro je Stammaktie und damit deutlich unter dem aktuellen MAN-Börsenkurs. "Ich glaube, dass VW erstmal die lästige gesetzliche Pflicht aushebeln wollte, um danach weiter sehen zu können, wie sich die Zusammenarbeit entwickelt", sagte Frank Schwope von der NordLB. MAN setzte sich an die Spitze des Dax und gewann 1,5 Prozent hinzu.

Zu den größten Verlierern gehörten heute die Papiere der BASF und der Metro, die allerdings ex Dividende gehandelt werden. Die BASF schüttet 2,20 Euro pro Anteilsschein aus und notierte mit einem Minus von 4,1 Prozent bei 65,64 Euro. Metro zahlt 1,35 Euro an seine Aktionäre und verliert 3,4 Prozent auf 47,03 Euro.

Am kommenden Mittwoch wird E.ON über sein erstes Quartal berichten. Der Energiekonzern hat nach Einschätzung von Experten einen Gewinneinbruch einstecken müssen. Analysten rechnen im Durchschnitt von einem Rückgang des bereinigten Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) von gut 28 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In einem ohnehin schwachen Gesamtmarkt reagiert die Aktie entsprechend auf die schlechte Nachricht: sie verliert 1,9 Prozent auf 21,20 Euro.

Nachdem das Unternehmen in der vergangenen Woche die Bereiche Automotive und Edelstahl zum Verkauf gestellt hat und sich strategisch neu aufstellen will, steht ThyssenKrupp auch heute wieder weit oben im Dax. Infrastruktur, Energie und Bevölkerungswachstum sollen die Bereiche sein, in denen der Konzern weiter wachsen will. Die Papiere gewannen ein Prozent auf 32,54 Euro.

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