Börse Frankfurt

Dax verliert mehr als 100 Punkte

Nach den vergleichsweise leichten Verlusten am Donnerstag ging der deutsche Leitindex am Freitagnachmittag auf Talfahrt. Die europäische Zentralbank enttäuschte die Anleger erneut.
Update: 09.09.2016 - 17:43 Uhr

Deutsche Bank hält sich weiterhin über Wasser

FrankfurtDie enttäuschenden geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Vortag haben am deutschen Aktienmarkt am Freitag nachgewirkt. Am Nachmittag verstärkten sich die Abgaben noch. Auch der zehnprozentige Rückgang der deutschen Exporte im Juli drücke auf die Stimmung, hieß es. Auch Anleihen gaben deutlich nach, 10-jähirge Bundesanleihen bringen erstmals seit dem EU-Referendum in Großbritannien wieder positiven Renditen.

Der Dax verlor zum Handelsschluss rund ein Prozent auf 10 573 Punkte. Damit gab es für den deutschen Leitindex einen Wochenverlust in Höhe von 1,5 Prozent. Am Donnerstag war der Dax um 0,72 Prozent abgesackt. Der MDax, der die mittelgroßen Unternehmen repräsentiert, fiel am Freitag um 1,7 Prozent auf 21 315 Punkte. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 0,6 Prozent auf 1748 Zähler nach unten. Der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 verlor 1,2 Prozent.

„Die Sparer haben es selbst in der Hand“
„Die Sparer haben es mit ihren Anlage-Entscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, lässt Kritik an sich abperlen. In einem Interview mit der „Bild”-Zeitung sagt er am 28. April 2016, der Wirkungsnachweis seiner Politik benötige Zeit und Geduld. Sparer legt der EZB-Präsident nahe, mehr Risiken am Kapitalmarkt einzugehen.

„Mittlerweile geht die expansive Geldpolitik in ein expansives Versagen über. Aus 'Quantitativer Lockerung' wird 'Quantitatives Scheitern'.“
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Nigel Wilson, Chef des britischen Versicherers Legal & General, im Handelsblatt-Interview am 28 April 2016.

„3 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie 0 Prozent Zins bei 0 Prozent Inflation.“
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. April 2016 auf einer Veranstaltung in Kronberg über die unterschiedliche Wahrnehmung einer realen Verzinsung in Höhe von null Prozent. Er sagte zudem laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass die Zeit der extrem lockeren Geldpolitik enden müsse.

„[Negative Zinsen] bestrafen die Sparer auf der Welt ganz erheblich.“
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Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am 10. April 2016 in seinem Brief an die Aktionäre.

„Wir wären besser dran, wenn wir das Geld unter eine Matratze stecken würden.“
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Das Problem: Er bräuchte nur eine vertrauenswürdige Person, die dann darauf schlafen würde. Der US-Investor Warren Buffett klagt im Programm des US-Wirtschaftssenders CNBC am 29. Februar 2016 über die notorische niedrigen Zinsen in Europa. Die Zinspolitik „verzerrt alles“.

„Das wird eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht verstehen.“
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Der CEO der Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, kann sich negative Zinsen in den USA nicht vorstellen. Über den Minuszins in Europa sagt er dem US-Wirtschaftssender CNBC am 3. März: „In fünfzig Jahren werden darüber Bücher geschrieben, was wir hätten tun sollen, was wir getan haben, hätten tun können – und was wir daraus lernen können.“

„Die aktuellen Bedingungen könnten das Potenzial für künftige Systemrisiken schaffen.“
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Der Vorstandsvorsitzende der schweizerischen UBS, Sergio Ermotti, mahnt am 2. März 2016 in einem Interview mit Bloomberg vor den niedrigen Zinsen. „Manche Banken übernehmen sich bei der Kreditvergabe“, gibt er zu Bedenken.

Ein Grund dafür: Die EZB hat am Freitag die Aussichten auf eine Ausweitung des Anleihekaufprogramm nach hinten verschoben. Aus Sicht einer ihrer Top-Notenbanker werden den Notenbanker wohl bis Dezember mit Entscheidungen zu möglichen Änderungen warten. "Wir müssen sehr wahrscheinlich Geduld haben", sagte Lettlands Zentralbank-Präsident Ilmars Rimsevics am Freitag in Riga.

EZB-Präsident Mario Draghi hat angekündigt, hauseigene Fachleute würden ab sofort Optionen für die Anleihenkäufe ausloten. Einer der Gründe: Bei manchen Titeln - etwa Bundesanleihen - findet die EZB wegen selbst gesetzter Regeln laut Experten bald nicht mehr genügend kaufbare Papiere.

Deutsche-Bank-Aktie führt Gewinnerliste an
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