Börse Frankfurt: Dax verliert mehr als hundert Punkte

Börse Frankfurt
Dax verliert mehr als hundert Punkte

Auch heute zitterten die Börsianer vor neuen Nachrichten aus Japan. Der Dax fällt wieder weit zurück. Versorgeraktien stehen auf der Verkaufsliste. Solartitel verlieren sogar zweistellig.
  • 0

Frankfurt/DüsseldorfDie Furcht vor einer  deutlichen Verschärfung der Situation in Japan  hat den Dax tief ins Minus gedrückt.  Der deutsche Leitindex gab um zwei Prozent auf 6513 Punkte nach,  nachdem er am Mittag noch leicht im Plus gelegen hatte. Zugleich  zog der Volatilitätsindex VDax um über acht Prozent an. EU-Energiekommissar Günther Oettinger warnte vor unmittelbar  bevorstehenden katastrophalen Ereignissen am japanischen  Unglücks-Kernkraftwerk Fukushima. Der Reaktor sei faktisch außer  Kontrolle, sagte Oettinger. Oettingers Sprecherin erläuterte später, dass die Einschätzung Oettingers auf Medieninformationen beruhe. Jede kleine Meldung aus Japan beeinflusse derzeit den Markt, kommentierte Marktstratege Thilo Müller von MB Fund Advisory das Handelsgeschehen. Experte Robert Halver von der Baader Bank äußerte sich ähnlich: „Im Grunde hängt die Entwicklung vom Liveticker zu Japan ab.“

Die Kursgewinne an der Tokioter Börse beruhigten die Gemüter der Anleger nur kurz. Der Nikkei holte 5,7 Prozent auf. Am Montag und Dienstag war der japanische Leitindex aber so stark eingebrochen, dass sich das Minus seit Wochenbeginn auf gut 17 Prozent belief. "Die Erholung ist heute ziemlich stark, weil Investoren gemerkt haben, dass sie gestern ein bisschen zu viel Panik bekommen haben", sagte Fujio Ando von Chibagin Asset Management.

Zu den Gewinnern zählten die Titel von Sony und Toyota, die nach ihren herben Verlusten vom Vortag um jeweils rund neun Prozent zulegten. In Europa notierten die Indizes in London und Paris und der Euro-Stoxx50 im Minus.

In Reaktion auf die Entwicklung in Japan - der weltweit drittgrößten Volkswirtschaft - war der Ölpreis zu Wochenbeginn eingebrochen. Viele Investoren blieben Händlern zufolge sehr vorsichtig. Zwar trauten sich einige Schnäppchenjäger an den Markt, die das deutlich niedrigere Kursniveau zum Wiedereinstieg nutzen wollten. Doch waren die Umsätze deutlich niedriger als am Vortag. "Die Auswirkungen der Katastrophe etwa auf die Chipbranche oder die Automobilzulieferer sind jetzt noch gar nicht abschätzbar, deshalb kann es mit den Kursen in den nächsten Tagen auch wieder bergab gehen", sagte ein Händler in Frankfurt. Europäische Technologiekonzerne wie Ericsson und Alcatel-Lucent stellen sich wegen der Lage in Japan bereits auf Ausfälle für ihre Produktion ein. Der deutsche Chiphersteller Infineon erwartet allerdings keine Umwälzungen in der weltweiten Halbleiterbranche.

An der Spitze der Indizes standen vor allem jene Aktien, die am Dienstag besonders stark verloren hatten. Im Dax waren dies vor allem Münchener Rück und Infineon, die nur zwischen 0,1 Prozent und 0,3 Prozent verloren. Beide waren an den vergangenen fünf Handelstagen mehr als zehn Prozent gefallen. E.ON verloren heute 1,2 Prozent. Wenn die nun vom Netz gehenden Atomkraftwerke, an denen der Konzern beteiligt ist, dauerhaft abgeschaltet bleiben, würde E.ON wichtige Ertragsquellen verlieren. Am Vortag hatte die Bundesregierung die Abschaltung der sieben ältesten Kernkraftwerke in Deutschland angekündigt, darunter auch Meiler der Versorger EnBW Vattenfall.

Die zuletzt kräftig gestiegenen Aktien der deutschen Solar- und Windenergiebranche wurden indes von Gewinnmitnahmen belastet. Die im TecDax gelisteten Papiere von Q-Cells, Roth & Rau oder Phoenix Solar gaben zwischen sieben und zehn Prozent nach. Conergy, die am Dienstag ihren Wert noch verdoppeln konnten, sackten um rund 30 Prozent Die Titel des Windanlagenherstellers Nordex verloren mehr als 15 Prozent.

Beunruhigt wurden Anleger auch von den Entwicklungen in Nordafrika. In Libyen rückten die Truppen von Machthaber Muammar Gaddafi im Kampf gegen Oppositionelle weiter nach Osten vor. "Die Lage in der Region kommt noch zu den Sorgen um Japan dazu", sagte ein Frankfurter Börsianer.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Börse Frankfurt: Dax verliert mehr als hundert Punkte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%