Börse Frankfurt
Dax verliert mehr als hundert Punkte

Die Hoffnung der Anleger auf neue geldpolitische Maßnahmen schwindet. Der Dax ging am Donnerstag mit deutlichen Verlusten aus dem Handel. Neue Sorgen um ein Auseinanderbrechen der Eurozone entstehen.
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DüsseldorfNeu aufgekeimte Sorgen um ein Auseinanderbrechen der Eurozone haben den Dax am Donnerstag wieder unter die Marke von 6900 Punkten gedrückt. Mit einem Abschlag von 1,64 Prozent bei 6895,49 Punkten ging der deutsche Leitindex aus dem Handel. Der MDax sank um 1,08 Prozent auf 10 944,05 Punkte und der TecDax fiel um 0,52 Prozent auf 791,32 Punkte.

Mehrere Händler verwiesen mit Blick auf die Talfahrt des Dax auf Aussagen des slowakisch en Premierministers Fico, der ein 50-prozentiges Risiko für ein Auseinanderbrechen der Eurozone sieht. „Nachdem die jüngsten US-Wirtschaftsdaten nicht schlecht genug waren, um Markt-Interventionen zu rechtfertigen, rechnen immer weniger mit neuen Geldspritzen der US-Notenbank Fed“, sagte ein Händler. „Die Äußerungen von Robert Fico haben daher die Sorgen um die Eurozone zurückgebracht, zu Gewinnmitnahmen an den Aktienmärkten geführt und auch den Euro spürbar belastet.“ Die Gemeinschaftswährung war nach den Aussagen Ficos am späteren Nachmittag ebenfalls kräftig unter Druck geraten und zeitweise unter 1,25 US-Dollar gefallen.

Der Fed-Chef Ben Bernanke wird am Freitagnachmittag beim jährlichen Notenbanker-Treffen in Jackson Hole reden. Da Bernanke 2010 bei dieser Gelegenheit das zweite Anleihe-Kaufprogramm angekündigt hatte, hoffen viele auch dieses Jahr auf klare Aussagen. Doch ist die Lage der US-Wirtschaft nach Ansicht der Commerzbank-Analysten derzeit eine andere als damals. "Es wird morgen aber nicht dramatisch mit den Kursen nach unten gehen, wenn Bernanke nichts verkündet", sagte ein Börsianer. Vieles sei schon eingepreist und Anleger wie Notenbanker warteten wahrscheinlich ohnehin bis zum 12. September ab, wenn das Bundesverfassungsgericht über den dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM entscheide.

Am Tag vor dem alljährlichen Notenbanker-Treffen in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming hat die Unruhe unter den Aktienanlegern zugenommen. Die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, stiegen am Donnerstag um jeweils knapp zehn Prozent auf den höchsten Stand seit etwa einem Monat

US-Konjunkturdaten fielen am Donnerstag gemischt aus. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lag mit 374.000 etwas höher als erwartet. Dagegen stiegen die Konsumausgaben in den USA im Juli wie prognostiziert um 0,4 Prozent.

Mit den Kursverlusten heute knüpft der Dax nahtlos an die Stimmung des Vortags an. "Es scheint ein absoluter Käufer- und Verkäuferstreik zu sein", beschrieb ein Händler in Frankfurt die Haltung der Anleger. "Keiner will sich positionieren, um nicht auf dem falschen Fuße erwischt zu werden." Ein anderer Börsianer ergänzte, dass vor dem Treffen der Notenbanker in Jackson Hole am Freitag nicht mehr viel passieren werde. Bis dahin würden Anleger das Geld "von der linken Tasche in die rechte" stecken.

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist im August stärker gestiegen als für den Ferienmonat üblich. Bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren in diesem Monat 2,905 Millionen Arbeitslose registriert, wie die Behörde am Donnerstag mitteilte. Dies seien 29.000 mehr gewesen als im Juli, aber noch 40.000 weniger als vor einem Jahr. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen nahm die Arbeitslosenzahl saisonbereinigt um 9000 zu und stieg damit den fünften Monat in Folge. Experten hatten eine Zunahme um 8000 erwartet. Peter Meister von der Bhf-Bank sagte in einer ersten Reaktion: "Der deutsche Arbeitsmarkt entwickelt sich im europäischen Vergleich noch recht gut. Das sind noch immer gute Daten, wenn man berücksichtigt, dass sich das Ifo-Geschäftsklima bereits viermal in Folge abgekühlt hat.

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  • Der Merkel-König

    Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
    Es ist der Vater mit seinem Kind;
    Er hält den Rettungschirm wohl in dem Arm,
    Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

    Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? -
    Siehst Vater, Goldman Sachs du denn nicht?
    Den Merkel-König mit seinem CDS-Schweif? -
    Mein Sohn, es ist ein Shalomstreif. -

    "Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
    Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
    Manch bunte Zinsen sind an dem Strand,
    Meine Mutter hat manch gülden Hosen-Gewand."

    Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
    Was Merkel-König mir leise verspricht? -
    Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
    In dürren Blättern säuselt der fette Wind. -

    "Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
    Meine Töchter sollen dich warten schön;
    Meine Banken-Töchter führen den nächtlichen Reihn
    Und wiegen und tanzen und schulden dich ein."

    Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
    Erlkönigs Töchter am düstern Ort? -
    Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
    Ein Mann im Rollstuhl, angezogen so grau. -

    "Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
    Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt."
    Mein Vater, mein Vater, jetzt verschuldet er mich ganz!
    Merkel-König ist leider nur ein "Ethno"-Popanz! -

    Dem Vater grauset's, er hat sich nach China verirrt,
    Und mit seiner "Hilfe" Dax und Börse verliert ,
    Erreicht das Bundeskanzleramt mit Mühe und Not;
    In seinen Armen der Rettungsschirm war tot.

  • Bei einer Henkel oder Beiersdorf doch nicht, Heidelberger.

  • Die Staaten müssen garantieren,dass der Haircut 2011 die Ausnahme war.Solange dass nicht passiert,ist der Spekulation Tür und Tor geöffnet.

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