Börse Frankfurt
Dax verliert weit über 250 Punkte

Ölpreis-Crash, Griechenlands Politkrise, schwache Industrie-Daten aus Europa und China – es sind viele Faktoren, die den jüngsten Absturz verursachen. Der Dax beendet eine schwierige Woche mit einem Fünf-Prozent-Minus.
  • 24

FrankfurtDer Dax ist zum Wochenausklang kräftig abgestürzt. Neben der Ölpreis-Talfahrt und der Regierungskrise in Griechenland sorgen zusätzlich schwache Konjunkturdaten aus Europa und China für Unsicherheit bei den Anlegern. Der Leitindex schloss 2,7 Prozent auf 9594 Punkten. Damit haben die Bären nach einem kurzen Bullen-Intermezzo am Donnerstag die Kontrolle auf dem Parkett wieder an sich genommen. Vor allem die Wall Street reagierte empfindlich auf den Ölpreis und riss den Dax spät weiter runter.

Die Börsianer zeigten sich enttäuscht von der kaum wachsenden Industrie in der Eurozone. Die Produktion war im Oktober im Vormonatsvergleich um 0,1 Prozent gestiegen - die Prognose hatte bei 0,2 Prozent gelegen. Der Anstieg vom September wurde zudem von ursprünglich 0,6 auf 0,5 Prozent nach unten korrigiert. Damit ergibt sich im Jahresvergleich ein Plus der Produktion von 0,7 Prozent. Die höchsten Produktionszuwächse wiesen die Irland, Litauen und Griechenland auf. Die stärksten Rückgänge traten in Frankreich und den Niederlanden auf.

Auch bei den chinesischen Branchenwerten hatte man mit stärkeren Zahlen gerechnet. Das Fabrikationsvolumen im Reich der Mitte wuchs im November anstatt 7,5 nur 7,2 Prozent im Jahresvergleich, wie das chinesische Statistikamt schon vor Frankfurter Handelsstart mitgeteilt hatte. Im Oktober hatte es noch zu einem Plus von 7,7 Prozent gereicht. Auch die ausländischen Investitionen legen nicht mehr so kräftig zu: Sie stiegen von Januar bis November noch um 15,8 Prozent und damit so langsam wie seit fast 13 Jahren nicht mehr.

„Die Daten deuten auf eine Wachstumsabschwächung im vierten Quartal hin“, sagte Ökonom Dariusz Kowalczyk von Credit Agricole CIB in Hongkong. Viele Beobachter halten eine Reaktion der Zentralbank für wahrscheinlich. Sie hatte kürzlich zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren den Leitzins gesenkt und die Märkte damit überrascht. 

Die schwachen Daten reihen sich damit in die Liste der aktuellen Stolpersteine für den Dax ein. Zuvorderst rangiert auf dieser Liste der Ölpreis. Der Preis für US-Leichtöl der Sorte WTI war am Donnerstag erstmals seit fünf Jahren unter die 60-Dollar-Marke gerutscht. Die gesunkene Öl-Nachfrage wirft die Frage nach dem tatsächlichen Weltwirtschaftswachstum auf. Doch auch Euro-Sorgenkind Griechenland ist zurück auf der Agenda. Dort könnte es zu Neuwahlen kommen, sollten sich die Abgeordneten nicht auf einen neuen Staatspräsidenten einigen können. Investoren fürchten, dass die Gegner der Rettungspolitik von EU und IWF dann stärkste Kraft würden.

Durch die vielen Einflüsse, die zurzeit auf den Dax einwirken, zeigt sich dieser deutlich schwankungsanfälliger. So legte der VDax, der die Schwankungsbreite der Frankfurter Benchmark misst, am Freitag um elf Prozent zu. Nach dem Höchststand, den der deutsche Leitindex am vergangenen Freitag bei 10.093 Zählern markierte, beläuft sich der Abschlag auf Wochensicht bei fünf Prozent - dem größten Wochenverlust seit drei Jahren.

Auch in der zweiten Reihe setzte sich die Talfahrt fort. Die Mid-Caps des MDax verloren 1,7 Prozent auf 16.374 Punkte. Der TecDax gab 1,5 Prozent nach auf 1331 Zähler. Der Leitindex der Euro-Währungsunion, der Euro-Stoxx-50, notierte in Paris 2,9 Prozent niedriger bei 3067 Stellen. Durch die Bank weg verbuchten alle europäischen Leitindizes deutliche Verluste. In New York verlor der Dow-Jones-Index unter dem Druck des Öl-Preises über ein Prozent und kam zum Frankfurter Handelschluss auf 17.414 Punkte.

Nach den morgendlichen Konjunkturdaten der Industrie konzentrierten sich die Anleger am Nachmittag auf die Daten aus den Vereinigten Staaten. Die dortigen Erzeugerpreise signalisierten fehlenden Inflationsdruck. Im November gaben sie um 0,2 Prozent zum Vormonat nach. Bereinigt um Lebensmittel und Energie war die Tendenz unverändert. „Spekulationen auf eine Leitzinserhöhung werden von dieser Seite per saldo nicht forciert“, schrieb Volkswirt Ulrich Wortberg von der Helaba.

Seite 1:

Dax verliert weit über 250 Punkte

Seite 2:

Stimmung der amerikanischen Bürger weiterhin blendend

Kommentare zu " Börse Frankfurt: Dax verliert weit über 250 Punkte "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Kaum bleiben die Notenbank-Spekulationen aus-wird es wieder nichts.Erinnern wir uns,die Trendwende bei 8350 wurde durch die verbalen Interventionen führender FED und EZB Ratsmitglieder verursacht.Anschließend mündete die über verkaufte Lage in eine Rally die uns bis fast auf 10100 führte.Dass der DAX die 10 000 nicht halten konnte ist nicht verwunderlich,schließlich hielt er sie nie länger als ein paar Tage,so im Juni,Juli und Dezember.Gute 5,5 Jahre Börsenboom liegen hinter uns.Was bringt die Zukunft?Wiederholt sich das Gesetz der Serie?Der letzte große Boom,ging von März 03 bei 2166 bis Anfang Januar 08 bei 8100.Der jetzige geht seit März 09,gestartet bei 3588.

  • "„Spekulationen auf eine Leitzinserhöhung werden von dieser Seite per saldo nicht forciert“, schrieb Volkswirt Ulrich Wortberg von der Helaba."

    Auch andere allgemein bekannte Faktoren sprechen jetzt nicht wirklich dafür, dass sich Yellen zwecks Leitzinserhöhung beeilen muss. Sie kann sich mit Andeutungen noch Zeit lassen, ohne sich später etwas vorwerfen lassen zu müssen.

  • Kann man als Kurs-Dax Googeln dann noch die Geldentwertung raus...und tot.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%