Börse Frankfurt
Dax von zwei Seiten drangsaliert

Die Beschuldigungen gegen die deutschen Autobauer wiegen schwer, zudem bereitet der starke Euro immer noch Sorgen. Der Dax kam auf ein Drei-Monats-Tief, am Ende schloss er immerhin über der 12.200-Punkte-Marke.
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FrankfurtDeutschlands Anleger haben es zurzeit schwer. Die vergangene Handelswoche war keine erfreuliche, der Dax verlor gut drei Prozent. Und auch am heutigen Montag ging es gleich weiter runter, am Ende schloss der Deutsche Aktienindex 0,3 Prozent leichter bei 12.208 Punkten. Zeitweise war der Leitindex auf ein Drei-Monats-Tief gefallen. Gleich aus zwei Richtungen gibt es Entwicklungen, die die Kurse unter Druck setzen. Es ist vor allem der immer weiter erstarkende Euro, der Kopfschmerzen bereitet. Und als ob das nicht genug wäre, bahnt sich mit den Kartellbeschuldigungen gegen die großen deutschen Autobauer ein neues großes Problem an.

Mit einer solchen Stärke der Gemeinschaftswährung hatten nur wenige Akteure gerechnet. Inzwischen ist der Euro bei 1,1656 Dollar angekommen – der Stand vom August 2015. Ein teurer Euro schmerzt Europas Aktienkurse im Allgemeinen, und Deutschland als exportorientierte Wirtschaft im Speziellen, weil sich die Ausfuhren ins Ausland verteuern. Heute ging es zumindest wieder etwas runter, der Euro notierte 0,1 Prozent tiefer. Ein Großteil der heute veröffentlichten Einkaufsmanager für Deutschland, Frankreich und die gesamte Euro-Zone waren stärker gefallen als erwartet. Der Trend zur Aufwertung aber bleib bestehen.

Obwohl die EZB bei ihrer Ratssitzung am Donnerstag Signale sendete, die auf ein „Weiter-so“ in der ultralockeren Geldpolitik deuten, und damit Diskussionen um einen ersten Schritt Richtung Normalisierung eine Abfuhr erteilte, setzte der Euro danach seine Aufwertung fort. Scheinbar spekulieren doch nicht Wenige auf eine baldige Straffung der Zügel.

Ein anderer großer Faktor ist die aktuelle Schwäche des Dollars. In den vereinigten Staaten schlägt die Chefin der Notenbank Federal Reserve, Janet Yellen, wieder gemäßigtere Töne an. Als sie im Frühsommer die Entschlossenheit ihres Institutes zu demonstrieren versuchte, indem sie wie ein Falke klang, erwischte sie die Märkte auf dem falschen Fuß. Die mächtigste Frau der Geldpolitik galt gemeinhin bisher als Taube, ein Verfechter lockerer Geldpolitik. Umso mehr hatte ihre Wandlung zum Befürworter hoher Zinsen das Parkett aufgeschreckt. Der Dollar gab nach.

Was als Gratwanderung zwischen Vorsicht und Handlungswillen begann, endete als Charade. Nun sollen die Spekulationen enden, die Fed gibt sich zurückhaltend. Die wichtigste Notenbank der Welt wird den Fuß wohl vom Gaspedal nehmen. Darauf deuten die letzten Aussagen der Notenbanker, die penibel darauf aufpassen, die Märkte stabil zu halten. Dementsprechend wird keine weitere Zinsanhebung am Mittwoch erwartet, wenn der zuständige Offenmarktausschuss der Fed tagt. Es geht mehr darum, was Anleger in Sachen Fed-Bilanz zu hören bekommen. Die Frage ist, wann genau die Fed damit beginnen wird, ihre Bilanz zu schrumpfen, also Geld aus auslaufenden Anleihen aus ihrem Anleihekaufprogramm nicht mehr in neue Bonds investiert.

Dabei gilt: Vorsichtigere Aussagen Yellens über die US-Geldpolitik könnten den Dollar wieder etwas stärken, meint Tobias Basse, Aktienstratege bei der NordLB. Anleger am deutschen Aktienmarkt würde dies freuen. Aber auch die amerikanische Innenpolitik sorgt für einen schwachen Dollar. Weil mehrere Vorhaben des US-Präsidenten Donald Trump wie etwa die Gesundheitsreform bisher scheiterten, lässt der Greenback Federn.

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