Börse Frankfurt
Deflationsängste treiben den Dax an

So niedrig wie derzeit waren die Zinsen in der Euro-Zone noch nie – und das könnte noch lange so bleiben. Denn die Inflation ist extrem gering. An den Börsen hofft man nun weiter auf eine billige Liquiditätsversorgung.
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FrankfurtIm Euro-Raum geht weiterhin die Angst über eine ausbrechende Deflation um. Was volkswirtschaftlich ein Desaster wäre, lässt kurzfristig orientierte Investoren bei Aktien zugreifen. Sie setzen auf eine Fortsetzung des billigen Liquiditätszuflusses durch die Europäische Zentralbank, die sich am Donnerstag bezüglich ihrer weiteren Geldpolitik äußern wird. Beobachter gehen zwar nicht davon aus, dass der derzeit schon äußerst niedrige Leitzins in Höhe von 0,25 Prozent wieder gesenkt wird. Doch an den Märkten breitet sich eine gewisse Gelassenheit aus. Denn eine Anhebung der Zinsen kann mittelfristig mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.

Dieser aufkeimende Optimismus ließ sich heute am Dax gut ablesen. Schwach gestartet arbeitete sich der Leitindex kontinuierlich nach oben. In der Spitz erreichte er ein Plus von einem Prozent. Am Ende ging er mit einem Aufschlag von 0,8 Prozent auf 9506 Punkte aus dem Handel.

In der zweiten Reihe machte sich die gute Stimmung zumindest beim TecDax bemerkbar. Dieser beendete den Handelstag rund ein Prozent fester auf 1195 Zähler. Lediglich der MDax hinkte mit einem mageren Plus von 0,1 Prozent auf 16.590 Punkte etwas hinterher.

Laut dem Statistikamt Eurostat beläuft sich die Inflation in der Euro-Zone bei gerade einmal 0,8 Prozent. Von stabilen Preisen geht man in der Regel eigentlich bei einer Inflation in Höhe von zwei Prozent aus. Für Aktienstratege Ishaq Siddiqi vom Broker ETX Capital kehren dadurch Deflationssorgen in die Kapitalmärkte zurück. Das verstärke den Druck auf die Währungshüter, ihre Zinsen weiter zu senken oder sogar negative Zinsen wieder intensiver ins Gespräch zu bringen. Zudem sind die Konjunkturdaten aus Deutschland mit steigenden Einzelhandelsumsätzen und einem Rückgang der Arbeitslosenquote laut Siddiqi gut ausgefallen.

Der geringe Preisdruck eröffnet der EZB die Möglichkeit, die Geldpolitik weiter zu lockern. „Wir erwarten, dass die Notenbank weitere Maßnahmen ergreifen wird, um die Kreditvergabe anzukurbeln“, sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. Die Banken der Euro-Zone hatten ihre Darlehen an Unternehmen zuletzt so kräftig zurückgefahren wie noch nie, was Investitionen und damit die Konjunkturerholung gefährdet. In der EZB wird deshalb darüber diskutiert, den Banken einen Strafzins aufzubrummen, wenn sie Geld von der EZB horten anstatt es als Kredite an Unternehmen weiterzureichen.

Klarheit über die weitere Geldpolitik dürfte es am Donnerstag geben. Dann nämlich findet die erste EZB-Ratssitzung im neuen Jahr statt. „In den letzten Wochen waren vonseiten der EZB-Vertreter keine Signale gegeben worden, die auf eine weitere Reduzierung des Zinsniveaus und/oder einen negativen Einlagenzins in diesem Monat hindeuten“, prognostiziert Helaba-Analyst Ralf Umlauf.

Für Entspannung an der Frankfurter Börsen sorgten heute außerdem die besser als erwartet ausgefallenen Arbeitsmarktdaten. Dem milden Winter sei Dank überraschte die Bundesagentur für Arbeit mit einem saisonbedingten Anstieg der Erwerbslosenzahlen im Dezember von nur 67.000. Experten hatten mit einem Anstieg um 90.000 gerechnet. Saisonbereinigt sanken die Arbeitslosenzahlen im Vergleich zum Vorjahr sogar um 15.000.

Volkswirte werten diese Zahlen als positives Signal für das künftige Konsumverhalten der Deutschen. In hohem Maße könnte davon der Einzelhandel und das deutsche Bruttoinlandsprodukt profitieren.

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  • 1. Es herrscht Inflation. Angeblich nur 1,5% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Diese Zahlen hat das HB ja unkommentiert durchgereicht.
    2. Kein Sparer und Gehaltsempfänger fürchtet Deflation. Sie wäre sogar wünschenswert für ihn, weil er sich dann jeden Monat von seinem Lohn mehr Waren kaufen könnte.
    3. Dieser Artikel dient nur dazu die aktuelle, selbstzerstörerische Inflationspolitik der Notenbanken zu rechtfertigen. Aktuell wird die "Adjusted Monetary Base" in den USA um 75 Mrd. USD pro Monat erhöht (Inflation). Durch die Kreditschöpfung im Teildeckungsbankensystem werden daraus rund 750 Mrd. USD pro Monat neues Geld.
    4. Geldwertstabilität bedeutet eine Inflationsrate von 0,0%.
    5. Von den Zentralbanken aus Geldwertstabilität definiert, bedeutet eine jährliche Inflation von 2%. Oder eine Vernichtung der Kaufkraft von Sparguthaben und Leistungen aus Sozialkassen um 50% alle 36 Jahre. Das ist legaler und erwünschter Betrug an den Bürgern.

  • 30% Verlust? Sie sind ja wirklich der Einäugige maximus unter den anonymen Blinden. Sicherlich ist es Ihrer beschränkten Aufmerksamkeit entgangen, dass es Teilverkäufe gibt.

  • Ich weiss, schlaue Leute wie Sie lachen lieber über 30% Verlust. Intelligenz scheint negativ oder gar nicht mit Börsenerfolg korreliert zu sein. Das beweist der Affe der Chicago Times ja regelmäßig. Viel Erfolg noch!

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