Börse Frankfurt
Dem Dax wird die Luft zu dünn

EZB-Präsident Mario Draghi gibt den Takt an den Börsen vor. Nach der überraschenden Zinssenkung schoss der Dax knapp an die Marke von 9200 Punkten – sackte am Ende aber wieder ab.
  • 88

FrankfurtMario Draghi hat die Katze aus dem Sack gelassen. Der EZB-Präsident hat den Leitzins um 0,25 Prozentpunkt auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent gedrückt. Nach der überraschenden Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) stieg der Dax zwischenzeitlich auf ein neues Rekordhoch von 9193,98 Punkten. Wenig später ging es dann aber schon etwas runter, zum Ende des Börsentages stand er auf 9.040,87 Zähler. Der Euro stürzte dagegen um mehr ein Prozent auf 1,3359 Dollar ab - erholte sich zum Börsenschluss auf 1,3388 Dollar.

Die Anleiherenditen fielen deutlich. Zehnjährige italienische Papiere warfen mit 4,064 Prozent so wenig ab wie seit Ende Mai nicht mehr. Die spanischen Renditen fielen auf ein Tagestief von 4,026 Prozent nach 4,144 Prozent im Schlussgeschäft des Vortages. Bundesanleihen wurden mit 1,688 Prozent verzinst (Mittwoch: 1,748 Prozent). Der EuroStoxx50 drehte nach der Zinssenkung zunächst auf 3099 ins Plus, sackte dann aber wieder ab, auf zuletzt Minus 0,44 Prozent.

Auch der Wall Street gingen die Kurse zu Handelsbeginn nach oben, kurz darauf änderten sie jedoch ihre Richtung: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stand zuletzt bei 15.678 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,51 Prozent auf 1.761 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor knapp ein Prozent auf 3.352 Punkte.

„Vom Zeitpunkt her war das schon überraschend, wenn auch die EZB diesen Schritt als Option bereits kommuniziert hatte“, sagte Volkswirt Thomas Amend von HSBC Trinkaus. „Auslöser könnten die Inflationszahlen sein, die doch deutlich von dem entfernt sind, was die EZB anstrebt. Der realwirtschaftliche Effekt kann infrage gestellt werden, aber die Entscheidung hat einen starken psychologischen Effekt.“

Der Dax hatte sich am Vormittag in sehr engen Spannen bewegt. Zum Börsenstart lag der Leitindex bei 9035 Punkten, 0,1 Prozent im Minus. Mittags verbuchte das Marktbarometer ein minimales Plus von 0,04 Prozent auf 9045 Punkte. Obwohl der Leitindex kaum von der Stelle kommt, registrierten Anleger bei einzelnen Aktien starke Bewegungen.

Eine Senkung der Zinsen durch die EZB hatte kaum jemand erwartet. Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg unter 70 Volkswirten rechneten nur drei der Befragten mit einer weiteren Senkung. Dem EZB-Chef bleiben nur noch 25 Basispunkte, bevor er Null erreicht. Allerdings könnte EZB-Chef Draghi weitere Maßnahmen der EZB für Dezember in Aussicht stellen - etwa neue milliardenschwere Geldspritzen für die Banken.

Für eine Senkung sprachen im Vorfeld etwa die im Oktober auf 0,7 Prozent gefallene Inflation in den 17 Euro-Staaten war im Oktober auf 0,7 Prozent gefallen. Die Arbeitslosenquote in der Eurozone lag mit 12,2 Prozent indes auf einem Rekordhoch, höher als von den meisten Ökonomen erwartet. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit ist desaströs.

Seite 1:

Dem Dax wird die Luft zu dünn

Seite 2:

Quartalsberichte bewegen die Anleger

Kommentare zu " Börse Frankfurt: Dem Dax wird die Luft zu dünn"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wer sieht den Crash?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Hier wurde im Mai 2013 MASSIVST anti Sell in May and go away propagandiert.
    Dumm gelaufen, wie aktuell. Ob es an den Frauen im Portfolio liegt? Alles nur dumme Quote.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%