Börse Frankfurt
Der Bulle gibt Gas - Dax schießt nach oben

Der Dax ist nicht zu bremsen: Gestärkt durch Nachrichten über eine Versorgung europäischer Banken mit Dollar-Liquidität durch die EZB, Fed und Co macht sich Hoffnung breit - Kann die Krise doch noch abgefedert werden?
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DüsseldorfSo stark hat man den Dax schon lange nicht mehr gesehen. Mehr als 500 Punkte konnte er seit Wochenbeginn zulegen und heute ging es weiter rasant nach oben. Am Morgen noch gestützt von guten Nachrichten aus der Euro-Zone, nahm er am Nachmittag nochmals Fahrt auf. Am Ende ging er Dax mit einem Plus von 3,2 Prozent auf 5.508 Punkten aus dem Handel. Die zweite Reihe gab ein ähnlich erfreuliches Bild ab. Der MDax beendete den heutigen Tag zwei Prozent im Plus auf 8.832 Punkte und der TecDax konnte 0,8 Prozent auf 709 Zähler zulegen.

Besonders auffällig zeigten sich Finanzwerte. Nachdem die Papiere noch Anfang der Woche kräftig unter Druck standen, ging es in dieser Woche in die Gegenrichtung. Der Grund: Um möglichen Liquiditätsengpässen entgegenzuwirken, versorgt die Europäische Zentralbank (EZB) die Banken des Kontinents mit zusätzlichen Dollar-Krediten. Dabei kooperiert sie mit der US-Notenbank, der Bank of England, der japanischen Notenbank und der Schweizer Nationalbank den Banken.

Die wichtigsten globalen Zentralbanken werden im Oktober, November und Dezember jeweils drei Monate laufende Dollar-Refinanzierungsgeschäfte auflegen. Diese ergänzen die bereits seit Mai 2010 laufenden wöchentlichen Dollar-Tender. Die erste Geldmarktoperation beginnt Mitte Oktober und läuft bis Anfang Januar. Der dritte und letzte Tender endet dann Anfang März. Alle drei Geschäfte würden zum Festzins bei voller Zuteilung an alle teilnehmenden Banken abgewickelt.

„Der Markt nimmt positiv auf, dass die Notenbanken versuchen, die Krise mit allen Mitteln zurückzudrängen“, sagte Rainer Sartoris, Volkswirt bei HSBC Trinkaus. Einige Kreditinstitute hätten in den vergangenen Wochen Probleme gehabt, an Dollar zu kommen. „Das Problem sollte durch die die Maßnahmen reduziert werden, weil die längerfristige Liquidität sichergestellt wird.“

In den vergangenen Tagen war darüber spekuliert worden, dass Banken nicht mehr ausreichend an Dollar herankämen. Demnach waren Dollar zuletzt in Europa Mangelware, vor allem französische Geldhäuser hatten öfter Probleme gehabt an die "Weltwährung" heranzukommen. Der Hauptgrund für die Dollar-Knappheit war, dass zahlreiche US-Geldmarktfonds sich wegen der Turbulenzen im Zuge der Euroschuldenkrise aus den europäischen Märkten zurückgezogen hatten. Damit wurde es für viele hiesige Banken zunehmend schwieriger, sich zu refinanzieren.

Die jetzige Ankündigung konnte deswegen eine kurstreibende Wirkung am Nachmittag entfalten: Im Dax gingen die Finanzwerte mit deutlichen Gewinnen aus dem Handel: Deutsche-Bank-Aktien gewannen 5,8 Prozent auf 24,89 Euro, die Titel der Commerzbank verteuerten sich um 7,8 Prozent auf 1,74 Euro und Allianz-Aktien sprangen um 6,7 Prozent auf 65,73 Euro. An der Pariser Börse verteuerten sich die Anteilsscheine von BNP Paribas zeitweise sogar um 22 Prozent. Aktien von Societe Generale und Credit Agricole zogen um knapp acht Prozent an.

Dass in den USA am Nachmittag wenig erfreuliche Konjunkturdaten veröffentlicht wurden, spielte vor diesem Hintergrund keine Rolle. Die am Nachmittag veröffentlichten Zahlen zu den Erstanträge der Arbeitslosenhilfe in den USA fielen schlechter aus als erwartet. In der ersten Septemberwoche nahmen 428.000 US-Bürger die Arbeitslosenhilfe in Anspruch, prognostiziert waren 411.000. Auch die Verbraucherpreise überraschten negativ. Mit einem Plus von 0,4 Prozent im August stiegen sie stärker als angenommen.

Beflügelt durch die hohen Kursgewinne in Europa legten auch die US-Börsen deutlich zu. Nach Frankfurter Börsenschluss notierte der Dow Jones 0,9 Prozent fester auf 11.344 Punkte, S&P 500 konnte 0,8 Prozent zulegen auf 1.197 Punkte und Nasdaq-100 gewann 0,7 Prozent auf 2.269 Zähler.

Der Euro konnte ebenfalls von der koordinierten Aktion der Notenbanken profitieren. Er gewann am Nachmittag gegenüber dem Dollar um 0,9 Prozent an Wert und lag bei einem Kurs von 1,3864 Dollar.

Der wichtige Philly-Fed-Index genoss heute nur Randnotiz. Der Index sei von minus 30,7 Punkten im Vormonat auf minus 17,5 Punkte gestiegen, teilte die regionale Notenbank von Philadelphia am Donnerstag mit. Volkswirte hatten mit einem etwas deutlicheren Anstieg auf minus 15,0 Punkte gerechnet. Im Juli war der Indikator noch um 33,9 Punkte eingebrochen und hatte Rezessionsängste ausgelöst.

Bereits am Vormittag hatten deutsche Aktien an die Gewinne der vergangenen Tage angeknüpft. Händler begründeten das mit dem großen Verfallstermin am Freitag, vor dem Anleger versuchten, die Kurse in die für sie günstige Richtung zu bewegen. Auch die Hoffnung auf eine Entspannung der Euro-Krise nach dem Telefonat zwischen Bundeskanzlerin Merkel, Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy und dem griechischen Ministerpräsidenten Papandreou wurde als Grund für den neuen Optimismus genannt.

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  • das hatte daytrader ausführlich beschrieben in den vergangenen Monaten: also kein börsenbashing bitte.

  • Eine Frage an trady, daytrader... wo handelt ihr? Flatex?

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