Börse Frankfurt
Der Dax schließt über der 7.300-Punkte-Marke

Der Dax erklimmt eine neues Jahreshoch, denn Anleger spekulieren auf ein positives Urteil des Bundesverfassungsgerichts bezüglich der Rechtmäßigkeit des ESM. Am Donnerstag könnte auch die Fed für neuen Antrieb sorgen.
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DüsseldorfAngetrieben von Kursgewinnen an den US-Börsen hat der Dax sein neues Jahreshoch verzeichnet. "Die Amerikaner hoffen auf eine dritte Geldspritze durch die US-Notenbank und kaufen deshalb auch schon kräftig am europäischen Aktienmarkt zu", sagte ein Händler. Der Dax schließt knapp unter dem höchsten Stand seit dem 1. August 2011 mit einem Plus von 1,3 Prozent bei 7.310 Zählern.

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe wird wie geplant am Mittwoch über die Verfassungsmäßigkeit der deutschen Beteiligung an den EU-Rettungsschirmen für verschuldete Euroländer entscheiden. Überdies hatte der spanische Regierungschef Mariano Rajoy am Vorabend klargestellt, dass sich das Land nicht von der EU oder der EZB vorschreiben lassen werde, wie es sein Defizit reduzieren wird. Am Donnerstag steht dann die Zinssitzung der US-Notenbank im Fokus, von der sich Investoren eine abermalige Lockerung der Geldpolitik versprechen. Angesichts der richtungsweisenden Entscheidungen in den nächsten Tagen dürften sich die Anleger weiterhin mit Neuengagements zurückhalten, schrieb Investmentanalystin Antje Laschewski von der Landesbank Baden-Württemberg in einem Kommentar.

Einen Tag vor dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Rettungsfonds ESM hat die Anspannung der europäischen Aktienanleger deutlich zugenommen. Die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, stiegen um jeweils mehr als vier Prozent auf 21,29 beziehungsweise 24,52 Punkte. Die dazu gehörenden Leitindizes Dax und EuroStoxx50 blieben dabei fast unverändert. "Es ist ein Deja Vu, eine Wiederholung dessen, was wir vergangene Woche vor der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank gesehen haben", sagte Valerie Gastaldy, Chef des auf Charttechnik spezialisierten Research-Hauses Day By Day. In den drei Wochen vor der EZB-Pressekonferenz, auf der Notenbank-Chef Mario Draghi, Details zu den geplanten Käufen von Anleihen kriselnder Euro-Staaten bekanntgab, stiegen VDax und VStoxx um knapp 36 beziehungsweise 29 Prozent. Das Plus der laufenden Woche beläuft sich auf jeweils etwa zehn Prozent.

Derweilen rechnet die Bundesregierung trotz großer Risiken für die heimische Wirtschaft nicht mit einer Rezession in Deutschland. "Den aktuellen Konjunkturindikatoren zufolge dürfte die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte weiter recht stabil verlaufen", heißt es in einem heute in Berlin vorgelegten Bericht des Wirtschaftsministeriums. Damit widerspricht die Bundesregierung Ökonomen, die im Zuge der anhaltenden Eurokrise vor einer möglichen Rezession in Deutschland gewarnt haben. So erwartet etwa die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) für die zweite Jahreshälfte zwei Quartale mit schrumpfender Wirtschaftsleistung und damit eine leichte Rezession. Allerdings bleiben auch die Experten des Wirtschaftsministeriums vorsichtig. "Gleichwohl gibt es keine Entwarnung", schrieben sie. "Die Abwärtsrisiken für die Konjunktur überwiegen nach wie vor und bleiben beachtlich." Mehrere Stimmungsindikatoren hätten sich aber nach deutlichen Eintrübungen in den Vormonaten zuletzt leicht erholt.

Italiens Ministerpräsident Mario Monti teilte dagegen bereits gestern mit, dass die italienische Wirtschaft im kommenden Jahr wieder wachsen werde. Eine genaue Prognose für 2013 nannte Monti nicht. Dies sei auf sinkende Zinsen für das Land zurückzuführen, sagte er im Interview mit dem TV-Sender CNBC, das am Montag ausgestrahlt wurde. "Grund für dieses Wachstum werden sinkende Zinsen sein, weil die unangemessen hohen Zinsen auf italienische Staatsanleihen noch nicht die besseren Fundamentaldaten der italienischen Wirtschaft und der Staatsfinanzen widerspiegeln." Italien befindet sich derzeit in einer Rezession. Die Wirtschaft schrumpfte von April bis Juni bereits das vierte Quartal in Folge. Experten gehen davon aus, dass Italiens Bruttoinlandsprodukt 2012 zwischen zwei und 2,4 Prozent sinken wird. Italien könnte einer der Profiteure des Anleihe-Kaufprogramms der Europäischen Zentralbank sein. Die EZB hatte am Donnerstag ein Programm zum Ankauf von Staatsanleihen angekündigt, mit dem die Refinanzierungskosten kriselnder Euro-Staaten gesenkt werden sollen. Der italienische Wirtschaftsminister Vittorio Grilli hatte am Samstag erklärt, die Regierung in Rom habe nicht die Absicht, sich um das Angebot der Europäischen Zentralbank zu bemühen.

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  • Kein Thema. Rentner haben zwar nie Zeit, aber wenn's sich einrichten läßt, dann gerne.

    Naja, mir soll's ja egal sein, wie's weitergeht, aber kurzfristige 90%-ige Tendenz ist eher negativ.

    Gute Nacht (auch an die Familie)

  • B_C_S: Möglich. Die Richtung ist mir grundsätzlich egal (auch wenn ich eher von einer weiteren Bewegung nach oben ausgehe), und ich liebe Schwankungen... War nett, bis demnächst. Gute Nacht!

  • @deltaone
    Um das Thema abzuschließen:
    Ehrfahrungsgemäß wird es (potentiell noch diese Woche) negativ enden. Da noch keine Endzeit-Szenarien aktuell sind, wird es wohl eher moderat sein (Überraschungen nicht ausgeschlossen).
    Sicherlich kann's auch weiter hoch gehen, wenn's auch immer unlogischer wird - meine Einschätzung liegt hier aber bei unter 10%.

    Bottom line: Nebst (unnötig zu erwähnender) Schwankungen wird es eher runter als rauf gehen.

    Aber (wie gesagt) das perverse Spiel sollen andere ausfechten ...

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