Börse Frankfurt
Deutsche Bank vermiest Dax das Wochenende

Eine mögliche Milliarden-Strafe lässt Deutsche Bank-Aktien mehr als acht Prozent abschmieren. Die Anleger erwischt das kalt, der Dax verliert anderthalb Prozent, auch weil schwache US-Daten Konjunktursorgen nähren.
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Düsseldorf/FrankfurtNach der 14-Milliarden-Dollar-Forderung der US-Behörden sind die Papiere der Deutschen Bank am Freitag eingebrochen. Die Aktien stürzten mehr als acht Prozent in die Tiefe. Die vom Justizministerium aufgerufene Summe trifft das krisengeplagte Geldhaus wie ein Tiefschlag. Eigentlich hatte es nach einem versöhnlichen Wochenausklang für Europas Börsen ausgesehen, immerhin schien eine US-Zinserhöhung im September endgültig vom Tisch, nachdem Konjunkturdaten erneut schwach ausgefallen waren. Doch die Meldung von der Strafzahlung erwischte die Märkte unvorbereitet.

Der Dax lief zunächst mit moderaten Verlusten, ehe er am Nachmittag absackte. Am Ende schloss der Frankfurter Platzhirsch mit 10.270 Punkten anderthalb Prozent niedriger. Der Leitindex der Eurozone, der Euro-Stoxx-50 gab 1,4 Prozent nach auf 2933 Punkte. Die Sorge der Börsianer: Auch für anderen europäische Banken könnten solche Summe aufgerufen werden – die Amerikaner machen bei der Aufarbeitung der Finanzkrise ernst. Aber aus den USA kamen auch andere schlechte Nachrichten, die langsam aber sicher Fragen nach der dortigen Konjunktur aufwerfen. Der Dax beendete den Handel auf dem tiefsten Stand seit sechs Wochen.

Das US-Justizministerium verlangt von dem Geldinstitut eine Zahlung in Höhe von 14 Milliarden Dollar. Es wäre die höchste Strafsumme, die in den USA jemals gegen eine ausländische Bank verhängt wurde. Mit dem Geld sollten Ansprüche an die Deutsche Bank aus der Zeit der Finanzkrise 2008 beglichen werden, als viele Investoren nach dem Kollaps des Immobilienmarkts in den USA hohe Verluste mit hypothekengesicherten Wertpapieren machten. Der Bank wird vorgeworfen, die Risiken dieser komplexen Anlagepapiere gegenüber Anlegern verharmlost zu haben. Die Deutsche Bank erklärte, sie habe „keine Absicht“, sich auf eine Zahlung einzulassen, die „auch nur in der Nähe“ der geforderten Summe liege.

Auch wenn die tatsächlich zu zahlende Summe weit unter den aufgerufenen 14 Milliarden Dollar liegen dürfte, rauschten die Papiere des größten Geldhauses der Bundesrepublik in die Tiefe. Mit 12,06 Euro notierten die Titel genau einen Euro über dem Allzeittief. „Eine Strafzahlung von rund 2,5 Milliarden Dollar würden wir als akzeptables Ergebnis einstufen“, kommentierte DZ-Bank-Analyst Christian Koch. Andernfalls stiege die Wahrscheinlichkeit einer Kapitalerhöhung, denn eine Summe von 14 Milliarden Dollar übersteigt die Rückstellung der Frankfurter. Absicherungen wie für Verbindlichkeiten – so genannte CDS – verteuerten sich für die Deutsche um bis zu acht Prozent.

Prompt meldeten sich Stimmen aus der Politik. Die Bundesregierung würde die Deutsche Bank nach Einschätzung des Grünen-Finanzexperten Gerhard Schick wohl stützen, falls sie wegen ihrer Rechtsstreitigkeiten in den USA in eine Schieflage geraten würde. „Der Finanzminister würde immer in die Zukunft schauen müssen und nicht, woher das Problem kommt“, so Schick, der gleichzeitig die Größe der systemrelevanten Bank kritisierte.

Unerwartet geriet die Deutsche Bank heute in den ungewünschten Fokus der Aufmerksamkeit. Damit verdrängte sie die andauernden Spekulationen um die Geldpolitik der Federal Reserve – zumindest am Freitag. Nach einer sommerlichen Rally befinden sich die Börsen in einer Konsolidierung. Die Unsicherheit über das zukünftige Zinsumfeld ließ den Dax die vergangenen Wochen auf der Stelle treten.

Auf Wochensicht verlor der Dax ganze 2,8 Prozent, was auch an der Ernüchterung am Stillhalten der Europäischen Zentralbank liegt. Dieser hatte auf ihrer Ratssitzung vergangenen Woche keinen neuen Maßnahmen beschlossen. Wenn am nächsten Donnerstag der Offenmarktausschuss der Fed tagt, dürfte endlich mehr Klarheit herrschen. Aktuell drehen sich die Diskussionen darum, ob 2016 überhaupt noch die entscheidenden Leitzinsen angehoben werden.

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  • EU in BRÜSSEL...jetzt lache ich Dich aus !!!!!


  • "... auch weil schwache US-Daten Konjunktursorgen nähren."

    Die Konjunktur von was genau? Wem nützt sie?

    Wird sowieso höchste Zeit, dass wir uns mal ein paar Gedanken über die Funktion des Geldes machen (d.h. darüber, wofür es überhaupt steht).

  • @ Herr Toni Ebert: Die Amis Europa zerstören, lächerlich.

    Auch diie US Unternehmen haben Milliarden Stafen gezahlt ( JP Morgan Chase um die 20 Milliarden, Goldman Sachs, Bank of America, GM nur ein paar Beispiele.
    Das die Deutsche Bank AG diese Summe nicht zahlen kann , haben die sich alleine selbst zuzuschreiben.

    Ich Beispiele sind ein Witz:
    Jeder Testfahrer weiss worauf er sich einlässt, egal ob bei Tesla oder bei VW.
    Zum Apple, Irland will das Geld doch gar nicht, dieses Beispiel zeigt doch, wie unfähig die Europäische Union ist.

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