Börse Frankfurt
Die 11.000-Punkte-Marke wackelt

Der Absturz des Shanghai-Composite erschüttert die Kapitalmärkte. Aktienkurse, Ölpreise und Südeuropa-Bonds kommen in Bedrängnis. Zahlreiche Anleger schichten auf Bundesanleihen um. Der Dax schließt tief im Minus.
  • 1

FrankfurtDer Dax kommt zu Wochenbeginn unter die Räder. Bereits vom Start weg musste der Leitindex dicke Verluste hinnehmen. Zwischenzeitlich rückte er gefährlich nahe an die 11.000-Punkte-Grenze. Am Ende schloss der Dax mit einem dicken Minus von 2,6 Prozent auf 11.056 Punkten.

Auch in New York gaben die Kurse nach. Der Dow Jones rutschte trotz guter US-Konjunkturdaten 0,8 Prozent ins Minus auf 17.437 Punkten. Auslöser der Kursstürze war China. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zeichnet sich trotz eines eilig auferlegten Konjunkturprogrammes der Zentralregierung immer mehr eine wirtschaftliche Flaute ab. So ist der Gewinn chinesischer Industrieunternehmen im Juni um 0,3 Prozent zurückgegangen. Im Mai war noch ein Zuwachs von 0,6 Prozent verzeichnet worden, im April sogar von 2,6 Prozent.

Daraufhin kam es an den asiatischen Börsen zu einer Flucht der Anleger. Der Shanghai-Composite raste 8,5 Prozent in die Tiefe – der größte Tagesverlust seit über acht Jahren. „Viele Investoren fürchten inzwischen, dass die Konjunktur im wichtigen Exportland China deutlich einknicken könnte“, sagte ein Händler. Die chinesische Regierung hatte Anfang Juli hart durchgegriffen, nachdem die heimischen Börsen in den Wochen zuvor um rund ein Drittel eingebrochen waren. Sie drängte institutionelle Anleger zu Stützungskäufen, erschwerte die Kreditaufnahme für spekulative Börsengeschäfte und legte ein umgerechnet 36,6 Milliarden Euro schweres Konjunkturprogramm auf. Außerdem wurden die Hälfte aller in Festlandchina notierten Aktien vom Handel ausgesetzt.

Auch die Indizes anderer Euro-Staaten wurden von den chinesischen Zahlen in Mitleidenschaft gezogen. Der Pariser CAC 40 verlor 2,5 Prozent, der italienische MIB 100 gab drei Prozent nach und der Schweizer SMI rutschte 1,6 Prozent ins Minus. Der europäische Auswahlindex Euro Stoxx 50 musste ein Minus von 2,3 Prozent hinnehmen.

Anlagestratege Yu Jun vom Vermögensverwalter Bosera machte unter anderem die starke Kursperformance der vergangenen zwei Wochen für die die massiven Verluste an der chinesischen Börse verantwortlich: „Nach einer zweiwöchigen Erholung nehmen einheimische und ausländische Anleger Gewinne mit und verstärken dadurch den Verkaufsdruck.“

„Die Lehre aus der chinesischen Aktienblase ist, dass sobald sich die Stimmung verschlechtert, Interventionen zur Stützung der Kurse nur einen kurzzeitigen Effekt haben“, schrieben die Analysten des Research-Hauses Capital Economics in einem Kommentar. Die chinesischen Aktienkurse hatten sich in der ersten Jahreshälfte unter anderem deshalb verdoppelt, weil die Regierung die Werbetrommel gerührt und Kleinanleger zum Aktienkauf ermuntert hatte.

Seite 1:

Die 11.000-Punkte-Marke wackelt

Seite 2:

Finanztitel und Autowerte unter Druck

Kommentare zu " Börse Frankfurt: Die 11.000-Punkte-Marke wackelt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ist erst ein paar Tage her, daß der DAX unter 11000 schloß.
    Damals gab es noch keine chinesische Vorgabe gen Süden.

    Nun sieht es anders aus und - wie von meiner Wenigkeit seit ein paar wenigen Jahren prophezeit - verstärkt sich der Einfluß aus Asien und zwar in negative Richtung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%