Börse Frankfurt
Die Ohrfeige des Herrn Draghi

Der Rat der EZB lässt alles beim Alten. Auf der Pressekonferenz rechtfertigt Mario Draghi das Stillhalten und stößt den Anlegern damit vor den Kopf. Der Dax verliert zeitweise überdeutlich, kann sich aber spät fangen.

FrankfurtDie EZB hat unter den Anlegern für große Enttäuschung gesorgt. Die Vorfreude am Donnerstag war groß gewesen, dem Dax hatten am Mittag keine 30 Punkte zum Jahreshoch gefehlt. Doch die der Rat der Zentralbanker ließ entgegen der Markterwartungen alle Instrumente unverändert und schickte den Dax ins Minus. Den verbliebenen Hoffnung verpasste Mario Draghi auf der anschließenden Pressekonferenz einen ungewöhnlich deutlichen Watschen. Seine Ankündigung, die Ergebnisse der Maßnahmen erstmal abwarten zu wollen, stieß bei den Börsianern auf Unverständnis. Der Dax verlor zeitweise bis zu anderthalb Prozent, konnte sich im Späthandel aber fangen. Zuletzt notierte der Dax 0,6 Prozent leichter bei 10.690 Punkten.

Anleger hatten fest mit einer Lockerung der Geldpolitik gerechnet. Mindestens eine Verlängerung des Anleihekaufprogramms sahen sie als ausgemachte Sache. Der EZB-Präsident stellte eine solche zeitliche Ausweitung auch in Aussicht, jedoch nur, wenn dies notwendig sei. Damit erteilte der Italiener weitergehenden Wünschen eine Abfuhr. Die makroökonomischen Projektionen, so Draghi, gäben Hinweise auf ein Funktionieren des eingeschlagenen Kurses. Dementsprechend sei eine wie auch immer geartete Ausweitung zur Zeit nicht notwendig. Einlagen– und Leitzins blieben wie erwartet unverändert.

Mit dem massenweisen Aufkauf von Staatsanleihen – so der Plan der Währungshüter – sinkt die Rendite und damit die Attraktivität dieser Papiere für Geschäftsbanken. Diese sollen so zu einem größeren Engagement im Kreditgeschäft bewegt werden, das wiederum Konjunktur und Inflation ankurbelt. Der Druck auf die Zentralbanker ist deswegen so hoch, weil das Preisniveau im Euro-Raum trotz der Geldflut immer noch meilenweit entfernt ist von den gewünschten knapp zwei Prozent. Die EZB hatte das Kaufprogramm schon auf Schuldscheine für Unternehmen ausgeweitet, weil ihr die Staatsanleihen, die den formalen Ansprüchen genügen, ausgehen.

Neben einer Verlängerung des Programms hoffte das Parkett auf eine weitere Ausweitung. Die EZB muss sich Fragen nach einem neuen Kapitalschlüssel gefallen – gerade weil dieser eben unberührt blieb. Bisher zwingt dieser die Währungshüter, Staatsanleihen nur in dem anteiligen Umfang zu kaufen, wie die nationalen Zentralbanken an der EZB beteiligt sind. Unter anderem stellen die Bundesanleihen das Institut damit vor Probleme. Die als sicherer Hafen weltweit geschätzten deutschen Schuldtitel erleben einen solchen Ansturm, dass viele eine negative Rendite aufweisen.

Die Folge: Sie fallen für das Kaufprogramm vom Tisch. Dementsprechend sieht sich die EZB einer Knappheit deutscher Anleihen gegenüber, will und muss sie dem Kapitalschlüssel entsprechend handeln. Die Zusammensetzung ist auch in der Hinsicht spannend, dass etwa Portugal eine Herabstufung durch die Ratingagenturen droht, womit dessen Titel aus dem Programm fallen müssten.

Nach Bekanntgabe der Beschlüsse wertete der Euro weiter auf. Dieser hatte sich schon vorher verteuert, obwohl doch die Märkte von einer Lockerung der Geldpolitik ausgegangen waren. Der Grund für das nicht ganz passende Bild lag in Amerika. Von dort waren erneut schwache Konjunkturdaten gekommen. Spätestens mit dem aktuellen Konjunkturbericht der US-Notenbank Fed, dem Beige Book, scheint eine Zinserhöhung in den Staaten noch im September endgültig vom Tisch.

So herrschte auf beiden Seiten des Atlantiks Abwertungsdruck, dem sich der Greenback mehr beugte als die Gemeinschaftswährung. Mit der Absage der obersten Zentralbanker nahm der Druck auf den Dollar zu. Der Euro gewann ein ein halbes Prozent auf 1,1298 Dollar. Die stark Währung lastete damit zusätzlich auf dem europäischen Aktienhandel.

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