Börse Frankfurt

Dompteur Draghi lässt den Dax tanzen

Der Dax wurde heute wieder zum Spielball des EZB-Präsidenten Mario Draghi. Dieser hatte zwar nicht Neues verkündet, dennoch geriet der Leitindex in heftige Turbulenzen. Am Ende musste der Dax deutliche Verluste hinnehmen.
Update: 04.12.2014 - 17:40 Uhr 53 Kommentare

Draghi jagt Dax rauf und runter

FrankfurtFreud und Leid liegen oft nah beieinander. Beim Dax erreichte diese Nähe heute sehr extreme Ausmaße. Denn innerhalb von wenigen Minuten rissen die Aussagen des EZB-Präsidenten Mario Draghi zunächst auf ein neues Rekordhoch von 10.084 Punkten, später sorgte die Enttäuschung über den mangelnden Informationsgehalt dann für einen tiefen Fall auf bis zu 9835 Zählern. Am Ende musste der Dax ein Minus von 1,2 Prozent auf 9851 Punkten hinnehmen.

Die zweite Reihe verzeichnete ebenfalls Verluste. Der MDax beendete den Handel 0,9 Prozent im Minus auf 16.969 Punkten. Der TecDax schloss 0,5 Prozent tiefer auf 1357 Zähler.

Draghi deutete mögliches Handeln Anfang 2015 an. Man werde die Geldpolitik „früh im Jahr“ überprüfen. Damit sei aber nicht unbedingt Januar gemeint. Die weiteren Entscheidungen seien von der Konjunkturentwicklung abhängig. Die technischen Voraussetzungen für die weiteren geldpolitischen Maßnahmen seien bereits vorhanden, so Draghi.

„Einige Investoren hatten auf konkretere Aussagen zu Staatsanleihekäufen gehofft. Da Draghi diese aber nicht geäußert hat, kehrte schnell Ernüchterung ein“, sagte Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus.

„Die EZB bleibt in einer abwartenden Haltung und den Marktreaktionen zufolge zeigen sich manche Marktteilnehmer enttäuscht,“ bewertet Ralf Umlauf von der Helaba die Sitzungsergebnisse. Dessen ungeachtet sorge EZB-Präsident Draghi dafür, dass die QE-Spekulationen am Leben erhalten werden. So würde in der Eingangserklärung auf die schwachen Inflationsperspektiven und die wirtschaftlichen Risiken verwiesen.

Auch John Smith von Brown Shipley zeigte sich enttäuscht: „Viele haben gehofft, dass EZB-Chef Mario Draghi den Start von Staatsanleihekäufen für Anfang nächsten Jahres ankündigen würde – aber das hat er nicht getan. Insgesamt haben Anleger auf klarere Worte bezüglich der Staatanleihekäufe gehofft, aber er hat nichts gesagt, was wirklich neu ist.“

Der Euro konnte im Anschluss an die Pressekonferenz der Zentralbank an Wert zulegen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Abend mit 1,2442 Dollar bewertet und damit um 1,1 Prozent höher.

In den USA sorgten Draghis zögerliche Aussagen ebenfalls für Verluste. Der Dow Jones notierte nach Frankfurter Börsenschluss 0,5 Prozent im Minus auf 17.819 Punkte. Der S&P-500 und der Nasdaq gaben 0,6 beziehungsweise 0,4 Prozent nach.

Bei den Einzelwerten fielen heute die Aktien der Lufthansa auf. Trotz des seit drei Uhr morgens laufenden Streiks der Fernflugpiloten konnten die Papiere in einem schwachen Gesamtmarkt 1,1 Prozent zulegen. Wegen des Streiks, der bis Mitternacht dauert, annullierte Lufthansa am Donnerstag jeden zweiten Interkontinental-Abflug. Von den ursprünglich geplanten 72 Langstreckenabflügen in Frankfurt und München sollten noch 35 starten.

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53 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Dompteur Draghi lässt den Dax tanzen"

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  • Morgen wieder VORbörslich auf Putschnäppchen schauen.
    Die Maschinen ziehen den dax bestimmt wieder kurz zum nächsten putpunkt und diese sind dann wieder in kurzer Zeit 200-300 % höher und heute waren die 10.150er sogar 700%
    im Plus
    Abends interessiert das keinen denn es gibt keinen Umsatz und alle Geschäfte sind gekoppelt aber das weiss halt nicht jeder
    alao Augen auf bei den Puts und die Chancen nutzen

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • "Schöne Übertreibung nach unten heute"

    Den Ausbruch bis zur 10.120 nach oben im Dax fanden Sie daher nicht als Übertreibung,interessnate Sichtweise,wir sollten die Zeit bis 21 Uhr nutzen um darüber zu reden :)

  • "QE für dem Januar herbeireden,"

    Das Problem ist doch: Draghi und ein paar andere wichtige Notenbanken wollen das unbedingt durchsetzen... Draghi hatte aber hierfür im Moment noch keine Mehrheiten und sind gescheitert. Das muss aber im Januar nicht so bleiben, wenn Öl weiter fällt und konjunkturell Tristesse herrscht.

    Blöd nur, wenn Draghi Dinge in Aussicht stellt, die er offensichtlich doch nicht halten konnte.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Ich hatte schon am Montag darauf hingewiesen,dass die 10 000 nicht halten.Sie haben im Sommer nicht gehalten,sie haben am Montag nicht gehalten,sie haben heute nicht gehalten.Wenn es also über 10 000 geht,wartest Du kurz ,bis die Bullen ihr Pulver verschossen haben und schlägst dann zu.Wichtig ist: Erst bei über 10 000 zuzuschlagen.Aber denke daran,wenn Du einen Schein nimmst,den K.O. so zu legen,das nichts anbrennt.Vollkommen egal ob Du dann bei 10050 oder 10080 mit dem Zertifikat gegen den DAX einsteigst,der DAX kann das Niveau von über 10 000 nie sehr lange halten.Wie es aussieht haben die Bullen noch nicht genug,sie werden die 10000 wieder anlaufen wollen.Aber und das ist ganz wichtig:Nicht halten können-jedenfalls nicht länger als ein paar Tage.Zuletzt waren es nur Stunden oder Minuten.Im Sommer wenigstens ein paar Tage,aber dafür reicht deren Kraft nicht mehr aus.Nur noch für kurze Zuckungen nach oben.Die Bullen werden natürlich Verbal-Interventionen im restlichen Dezember veranstalten und das QE für dem Januar herbeireden,wie sie es das ganze Jahr 2014 tun.Im Januar werden sie den März beschwören und im März.... und so weiter.Denn: Die EZB trifft sich nur noch alle 6 Wochen- ab Januar 2015.

  • Schöne Übertreibung nach unten heute. Da wollten wohl ein paar Adressen Kasse machen. Zugleich für uns Kleinanleger eine schöne Gelegenheit, um nachzukaufen.

    Außerhalb vom Dax lohnt ein Blick auf Ölwerte (Statoil, OMV, RDS etc.) und Rohstofftitel (Vale, BHP, Rio).

    Der Dax wird die 10.000 noch mehrmals überqueren.

    @Tom Bauer
    Ja, das war meine Meinung + sehr, sehr viel Glück, dass der Dax so schnell nach oben gepusht wurde. Die Divergenz zwischen Dax und US-Börsen war einfach zu groß. Entschödigt für den ein oder anderen Fehlgriff dieses Jahr, der eben auch mit dazugehört.

    Schönen Abend allerseits!

  • "Die Kraft dürfte bald vergehen.Es könnte also wieder Richtung 9.000 gehen."

    Natürlich kann es wieder Richtung 9.000 gehen,wer kann das schon so genau sagen,du,ich,wir alle?
    Sind wir nicht alle manchmal etwas ratlos und dem Unbill des Lebens ausgesetzt.Fühlen wir uns nicht alle manchmal ewtas verlassen.
    Wo gibt es schon eine sichere Wette eine sichere Bank?
    Wer weiß das schon,wo sind die Antworten auf unsere Fragen?

  • Träume weiter.Die sind alle fett im Geld!Ja so ist es,wenn man nicht hören will.Nur Anfänger gehen bei über 10 000 massiv long.5 mal wurden die 10 000 in diesem Jahr schon abverkauft-3 mal im Sommer,am Montag und heute .Das ist eine sichere Bank-eine sichere Wette gegen den DAX.Vielleicht kaufen die Anfänger ja wieder über 10 000 hoch-dann kann man wieder zuschlagen.ABER-5 mal haben sie sich schon blutige Nasen geholt.Die Kraft dürfte bald vergehen.Es könnte also wieder Richtung 9000 gehen.

  • "Neben einigen kleiner Nebenjobs ist der Job der EZB alleinig die Geldwertstabilität zu erhalten."

    Ohne Kommunikation geht es praktisch gar nicht. Draghi muss etwa Banken davon überzeugen, mehr Kredite zu vergeben oder die Akllgemeinheit davon, eben keine Deflationsängste zu bekommen. Würde Draghi gar nichts sagen, kann auch niemand eine langfristige Planung machen und sein Verhalten entsprechend der EZB-Erwartung ändern. Und ganz ohne Markteingriffe kann Draghi gar nichts erreichen;)

    Wenn Draghi hier falsche Signale streut, dann machen die Akteure - das sind nicht nur die Märkte - Dinge, die Draghi vielleicht gar nicht will... dann kann es passieren, dass wir auf eine Zinshebung warten, und Draghi ganz andere Dinge vorhat und wir etwa in er Liquiditätsfalle landen. Also: Draghi tut sehr gut daran, seine Glaubwürdigkeit nicht zu verspielen.

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