Börse Frankfurt
Draghi sorgt für Dax-Feuerwerk

Eigentlich sollte es ein ruhiger Wochenausklang werden. Doch wenn Mario Draghi spricht kann von Ruhe keine Rede sein. Er verspricht frisches Geld und begeistert die Anleger. Der Dax schließt zweieinhalb Prozent im Plus.
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FrankfurtMario Draghi hat es wieder einmal geschafft. Nur mit Worten gelang es ihm, die Anleger am Freitag in Freudentaumel zu versetzen. In einer am Vormittag gehaltenen Rede bekundete der EZB-Präsident einmal mehr den Willen der obersten Währungshüter, die Konjunktur Europas wieder in Gang zu kriegen. Der Dax setzte dank der Hoffnung auf die neuen Geldspritzen zur Rally an und schloss ganze 2,6 fester bei 9732 Punkten. Damit verbucht der Leitindex auf Wochensicht ein Plus von über fünf Prozent und damit das größte Wochenplus seit über elf Monaten.

Eigentlich hatten die Börsianer angesichts eines leeren Terminkalenders mit einem ruhigen Wochenausklang gerechnet. Doch der Italiener machte dem einen Strich durch die Rechnung. Beim European Banking Congress in Frankfurt betonte der EZB-Präsident, die Niedrig-Inflation - und damit einen der Gründe für die lahmende Konjunktur im Euro-Raum - mit allen Mitteln zu befeuern. Die EZB sei bereit, bei Bedarf noch stärker als bislang an den Finanzmärkten zu intervenieren und über Wertpapierkäufe mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen. „Und das ohne unnötige Verzögerung“, sagte Draghi.

In Anbetracht der niedrigen Teuerungsrate im Euro-Raum, die mit derzeit 0,4 Prozent deutlich unter den als Zielwert ausgegeben 2,0 Prozent rangiert, gehen der EZB die Argumente aus. Der Druck erhöhte sich zudem noch einmal, seitdem die deutsche Konjunktur in den vergangenen zwei Quartalen erlahmt. „Dadurch, dass die größte europäische Volkswirtschaft erhebliche Schwächezeichen aufweist, wird die Position der EZB nicht einfacher“, kommentierten die Volkswirte der National-Bank in Essen die Situation. „Die Forderungen an ein 'echtes' Quantitative Easing mit dem Ankauf der Staatsanleihen werden nicht verhallen.“

Ebenfalls erfreuliche Nachrichten für die Börsianer kamen aus China. Denn auch dort plant die Notenbank ihre geldpolitischen Zügel zu lockern. Die PBOC senkt erstmals seit mehr als zwei Jahren den Leitzins. Der Zins für Zentralbank-Kredite mit einem Jahr Laufzeit sank von 6,0 auf 5,6 Prozent, wie die PBOC am Freitag mitteilte. Zugleich wird den Geldinstituten mehr Freiheit bei der Gestaltung von Zinsen auf Kundeneinlagen gewährt. Die Konjunktur in China hat zuletzt an Fahrt verloren. Im Sommer legte die Wirtschaft mit einem Plus von 7,3 Prozent so langsam zu wie seit Anfang 2009 nicht mehr.  

Auch die zweite Reihe blies getrieben von den Notenbank-Nachrichten zur Aufholjagd. Die Mid-Caps des MDax stiegen um 1,8 Prozent zu auf 16.842 Punkte. Die Technologie-Titel im TecDax schlossen 0,8 Prozent fester bei 1328 Zählern. Der Leitindex der europäischen Währungsunion, der Euro-Stoxx-50, kletterte sogar um drei Prozent auf 3194 Stellen.

Auch an den US-Börsen, ohnehin schon auf Rekordniveau, griffen die Investoren weiter zu. Der Dow-Jones-Index lief mit einem Aufschlag von knapp einem Prozent bei 17.863 Punkten. Zwischenzeitlich erreichte der Standardwerte-Index mit 17.891 Punkten einen neuen Höchststand.

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  • Wenn Deutschland geht,geht auch Frankreich.Wenn Frankreich geht auch Finnland,Österreich und die Niederlande.Ein Dominoeffekt würde eintreten.Unwahrscheinlich.
    Ein QE wird kommen.Nur wann ist die Frage.Ich sage voraus,nicht bevor nicht Deutschland den Abschwung zu spüren bekommt.Das könnte im Januar so weit sein.Ich habe nichts gegen Draghi,er macht das wofür er da ist.Letztendlich müssen die Schwachwährungsländer selbst entscheiden,ob sie sich den Euro weiter zumuten wollen.Deutschland profitiert vom Euro,spätestens seit der vollen Durchsetzung Arbeitsmarktreformen unter Schröder im Jahre 2005.Wer das nicht glaubt,kann ja mal den Chart von VW und Peugeot seit 2005 nebeneinander legen.Die AL in Spanien,Griechenland,Italien wird hoch bleiben.Das sind kommunizierende Röhren.Bei uns ging die AL zurück,in der Peripherie stieg sie.
    Hier wird viel zu viel Wind um Draghi gemacht.Das ist eine typische Jahresendrally am kleinen Verfallstag,wobei das Wort Erholung es besser trifft.Wir sind bei 9600 ins Jahr gestartet.Aber seitdem sind 200 Punkte aus Dividenden und den Bezugsrechten der KE der DBK dazugekommen.Also eigentlich müssten wir heute bei 9800 stehen.Dann wären wir bei plus/minus Null.
    Der Dow,S&P 500 und Nasdaq jedenfalls konnten die Gaps zu ihren Futures nicht halten.Hätte mich auch gewundert.Bei der hohen MK der Indizes.Der Dow stand schon um kurz nach Börsenöffnung bei knapp 17900-seitdem bröckelt er ab.

  • Vielleicht muss man religiös werden, um Draghi zu verstehen?

    Da heißt es: "Der Herr gibt es den seinen (im Schlaf)!"

    Den Kleinen nimmt er's und gibt's den Großen. Die kleinen Sparer erhalten nichts und den Börsianern zündet er das Kursfeuerwerk.

    Man kann ohne Übertreibung feststellen, dass das politische Verhalten zu keinem Zeitpunkt assozialer war.

    Jetzt könnte man auf den Gedanken kommen, dass die, die über Lebensversicherungen für Ihr Alter vorgesorgt haben, auf der besseren Seite wären. Weit gefehlt! Mit dem Lebensversicherungsreformgesetz wollen die Versicherer sich selbst bereichern und enteignen die Versicherten, indem diesen die Bewertungsreserven nicht gegeben werden. Dabei beruft man sich auf einen steuerlichen Begriff "Bewertung", der mit dem mathematischen und betriebswirtschaftlichen Begriff nicht vereinbar ist.

    Jetzt muss der Bundespräsident Farbe bekennen. Hält er zum Volk oder ist er Bundespräsident der Andern.

  • Was Draghi noch bleibt, sind Worte.
    Taten kann er denen kaum noch folgen lassen.

    Bei den Staatsanleihen sind ihm per BVerfG-Urteil solange die Hände gebunden, wie der EuGH der von dort zugewiesenen Entscheidungspflicht nicht nachkommt.
    Der EuGH weiß, warum er nicht, vermutlich nie entscheidet. Er müßte das Verbot des BVerfG zum Staatsanleihekauf wegen verbotener Staatsfinanzierung bestätigen.

    Also macht er nichts. Wie auch Draghi nichts machen darf.

    In Italien schreibt man über den bevor stehenden Austritt Deutschlands aus der Währungsunion.
    Prof. Allen Meltzer aus USA bestätigt diese Meldung, welche er für zwingend hält - wie so viele andere verständige Beobachter auch.

    Na, dann.

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