Börse Frankfurt
Ein „Schrei vor Glück“ sieht anders aus

Deprimiert trifft es wohl eher als glückselig: Zalandos Börsengang kann auch nicht helfen, Anlegern ihre Verunsicherung über die Geldpolitik von EZB und Fed zu nehmen. Der Dax schließt unter 9.400 Punkten.
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FrankfurtAm Ende ging es doch noch einmal abwärts mit dem Dax. Die 9.400-Punkte-Marke konnte der Leitindex zum Börsenschluss am Mittwoch nicht mehr halten. Insgesamt verlor er nach enttäuschenden Konjunkturdaten aus Europa und den USA knapp ein Prozent und schloss bei 9.280 Punkten. Zwischenzeitlich war der Dax sogar auf den tiefsten Stand seit Ende August abgerutscht. Der MDax fiel um 1,09 Prozent auf 15 820,09 Punkte, während der TecDax 0,14 Prozent auf 1247,61 Punkte verlor.

Grund für eine leichte Aufwärtsbewegung beim Dax waren zwischenzeitlich Spekulationen auf einen weiter anhaltenden Geldregen der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese Hoffnungen sorgten zunächst für ein Plus des Dax von 0,2 Prozent auf 9.492 Punkte, der EuroStoxx lag 0,1 Prozent höher. Doch spätestens mit der enttäuschenden Eröffnung der US-Börsen ging es mit den Indizes nach unten.

Grund für den Abwärtsrutsch könnte auch der starke Dollar beziehungsweise der schwache Euro sein. Wegen des starken Dollars könnte die vermeintlich sichere Zinserhöhung der US-Notenbank Fed in Frage gestellt sein. „Ein starker Dollar ist im Grunde eine Straffung der Geldpolitik“, betont Rabobank-Anlagestrategin Jane Foley.

Dies könnte den Start der Zinserhöhungen in den USA verzögern oder zu einer langsameren Straffung der Geldpolitik führen. Die Fed ist sich der Problematik ebenfalls bewusst. „Sollte der Dollar stark aufwerten, würde dies die Inflation tendenziell dämpfen“, betont William Dudley, Chef der Federal Reserve Bank von New York. „Wir werden dies natürlich berücksichtigen.“

Daragh Maher, Devisenexperte der HSBC, warnt allerdings davor, diese Aussagen überzubewerten. „Dudley's Aussagen sind eine Binsenweisheit, keine explizite Warnung. Der Trend zu verbalen Interventionen wird uns aber erhalten bleiben, wenn wir weiterhin diese Bewegungen in den Wechselkursen sehen.“ Auch Joe LaVorgna, Chef-Volkswirt der Deutschen Bank für die USA, sieht den Fed-Zinserhöhungsfahrplan bislang nicht in Gefahr. „Die Dollar-Aufwertung wird die US-Konjunktur nicht merklich belasten, zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt.“

Im dritten Quartal gewann der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, 7,7 Prozent. Das ist das größte Plus seit sechs Jahren. Dabei legte er zwölf Wochen in Folge zu, so viel wie nie zuvor. Mit knapp 86 Punkten notiert der Index so hoch wie zuletzt vor gut vier Jahren. Der Euro kostet weniger 1,26 Dollar und ist damit so billig wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Am Donnerstag kommt auch die EZB zu ihrer Ratssitzung zusammen. Allerdings wird Präsident Mario Draghi nach Meinung der meisten Experten keinen weiteren Paukenschlag wie die überraschende Zinssenkung im September parat haben. Gespannt warten Börsianer allerdings darauf, ob Draghi Aussagen über Anleihekäufe der EZB im großen Stil, sogenanntes Quantitative Easing (QE), macht. „Die Frage ist allerdings, was da noch kommen kann“, sagte ein Händler. „Viel Optimismus ist schon in den Kursen drin. Wenn dann nichts kommt, gibt's Kursrückgänge auf breiter Front.“

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  • Also zittern müssen DAX-Anleger hauptsächlich davor, dass sich die Konjunktur merklich abkühlt und ihre Unternehmen bei den Gewinnerwartungen zurückbleiben. Die gefallenen Ölpreise lassen hier nichts gutes erahnen. Und falls die Rezession kommt, hat Draghi keine Munition mehr, welche die Märkte beruhigen könnte.

  • Aha, jetzt zittert die Börse in jedem Szenario:
    wenn Draghi nichts verändert
    wenn Draghi sein übles Spiel verstärkt
    wenn Draghi sein übles Spiel einstellt.

  • @ Toni: Insgesamt 10K. Ich hatte aber Kleinigkeiten zum Glück gestern schon bei 29,00 € gegeben, und den Rest heute zw. 24,00 bis 24,30 € glattgestellt.

    Zusammen mit dem Alibaba-IPO von vor 2 Wochen ist das Verlobungsgeschenk für die junge First Lady, ein schickes 911er Carrera4S Cabrio damit sich die Kolibri auch standesgemäß fortbewegen und langsam an die 300 km/h herantasten kann, damit quasi aus dem Gewinn/Erlös gut zur Hälfte finanziert, ohne dafür mein September Netto-Handelsergebnis (> 150.000 € nach Geb. und Steuern, und 2014 schon > 1 Mio. €) zu opfern. Der Rest kommt vom TG-Konto für Notfälle.





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