Börse Frankfurt
Einmal Jahrestief und zurück

Als wäre nie etwas gewesen. Gestern herrschte noch Panik, der Dax stürzte auf ein Jahrestief. Und heute? Alles Schall und Rauch. Die Leitzinssenkung in China lässt den Dax über sein Kursniveau von Freitag schließen.
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FrankfurtChina sorgt für einen irren Aktienhandel. Gestern noch hatte der Börsencrash im Reich der Mitte den Dax bis auf ein neues Jahrestief von 9.338 Punkten einkrachen lassen. Heute verkündete die chinesische Notenbank als Antwort auf die Kursturbulenzen eine Leitzinssenkung, worauf die Börsen weltweit mit satten Gewinnen reagierten. In Deutschland katapultierte die Nachricht den Dax bis zeitweise auf 10.186 Punkte. Am Ende schließt der deutsche Leidindex mit einem Plus von fünf Prozent bei 10.128 Punkten – und damit über seinem Freitagsschlusskurs.

Die Zentralbank senkt nach einer zweitägigen Talfahrt der chinesischen Aktienmärkte den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,6 Prozent. Chinas Wachstumsrate bleibe „unter Druck“, erklärte die Notenbank auf ihrer Homepage. Die jüngsten Maßnahmen sollten die Realwirtschaft dabei „unterstützen, sich weiter gut zu entwickeln“.

„China will zeigen, dass es aktiv und handlungsfähig ist“, sagte Marktstratege Christian Jasperneite von MM Warburg. „Allerdings ist fragwürdig, ob die Zinssenkung einen wirklichen realwirtschaftlichen Effekt hat.“

Das schien die Anleger heute kaum zu interessieren – auch in den USA nicht. Der Dow Jones notierte nach Frankfurter Börsenschluss 2,4 Prozent fester auf 16.255 Punkten. Auch andere europäische Indizes verzeichneten heute ansehnliche Kursaufschläge. Der Pariser CAC kam auf ein Plus von 4,8 Prozent, der italienische FTSE MIB auf 5,9 Prozent, der Schweizer SMI auf 3,5 Prozent und der Athener ASE General sogar auf satte 9,4 Prozent. Der europäische Auswahlindex Euro Stoxx 50 beendete den Handel fünf Prozent fester.

Der Euro hingegen musste Verluste einstecken. Nach der Leitzinssenkung in China rutschte der Euro unter die Marke von 1,15 Dollar. Zuletzt wurde die europäische Gemeinschaftswährung 1,8 Prozent schwächer bewertet bei 1,1408 Dollar. Auch bei den Bundesanleihen kam es zu Kursbewegungen. Die Rendite zehnjähriger Papiere stieg um rund 175 Ticks auf 0,744 Prozent. Der Bund-Future sank im Gegenzug um 1,4 Prozent auf 153,47 Euro.

An den Rohstoffmärkten legten die Ölpreise zu. Nachdem ein Barrel der Sorte Brent gestern zum ersten Mal seit sechs Jahren deutliche unter der Marke von 40 Dollar schloss, erholte sich der Preise heute um 3,1 Prozent auf 39,42 Dollar. Die Sorte Brent verteuerte sich um zwei Prozent auf 43,55 Dollar.

Für Unterstützung sorgt heute auch der besser als erwartet ausgefallene Ifo-Geschäftsklimaindex, der statt der prognostizierten 107,6 einen Wert von 108,3 Punkten erreichte. Allerdings wurde in der aktuellen Umfrage die jüngste Entwicklung in China nicht mehr berücksichtigt. „Das Thema China und Schwellenländer wird in der zukünftigen Entwicklung einen stärkeren Stellenwert haben“, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Exporterwartungen der Unternehmen seien bereits fünf Mal in Folge gefallen. „Man glaubt nicht mehr daran, dass es große Zuwächse beim Export gibt.“

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  • Sehe ich auch so. Bin selber auch rausgeflogen. Allerdings habe ich sofort ein neues Zertifkat gekauft, mit entsprechend tiefereren KO. Und das Produkt muss jetzt Verlust des vorherigen wieder ausgleichen. Tja.... so ist es halt.

    Aber ich empfehle auch, 98% in Aktien zu investieren und mit dem Rest kann man ja spielen.

    VG
    Marvel

  • Ich nenne Ihnen einen Grund:
    Die Aktienmärkte sind im Vergleich zu den Rentenmärkten sehr klein. Bei den Bonds finden Sie die Verwalter von 10-12 stelligen Geldanlagen.
    Und wir haben Monster-Blasen insbesondere bei den Staatsanleihen der Euro-Zone. Die Verwalter dort sind absolute Vollprofis, keine Kleinanleger, die sich von den Banken mit Derivaten abzocken lassen. Diese Vollprofis wollen insbesondere Eines: RAUS aus den Bonds, bevor die Blase platzt und sie selber nicht mehr raus kommen. Wohin werden sie flüchten?? In die Aktienmärkte?? Dann wäre es aber für den Einstieg (bei diesen Beträgen) von nicht unerheblichem Vorteil, wenn die vorher noch durchaus veritabel korrigieren würden... ;-)

  • Was hat sich denn seit gestern geändert?

    China´s Wirtschaft ist immer noch angeschlagen und die deutschen Automobilhersteller im dortigen Markt sehr investiert; die Leitbörsen (außer China) können bei einem Wirtschaftseinbruch nicht mehr eingreifen; der Euro ist sogar gestiegen (bis letzte Woche war das die Begründung für fallende Kurse); die Schwellenländer wachsen nicht mehr so stark;die Geldschleusen sind zwar noch offen aber weiter werden sie auch nicht mehr geöffnet werden etc.

    Also, wieso sollte der Dax jetzt wieder auf das alte Niveau steigen, wenn sich die Wirtshaftsaussichten weiterhin eingetrübt haben. Bisher wurde doch gesagt, dass die Höhe von 12000 im DAX und die knapp 18000 im Dow viel zu hoch waren.

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