Börse Frankfurt

Erst Rekord, dann Fall unter 10.000 Punkte

Die vielbeschworeren Hexen haben zugeschlagen und den Dax zu einer neuen historischen Bestmarke getrieben. Der Rückenwind des großen Verfalls hielt aber nicht lange. Kurz vor Schluss kann der Dax die 10.000 Punkte nicht halten.
Update: 20.06.2014 - 17:44 Uhr 57 Kommentare

Hexensabbat treibt Dax rauf und runter

DüsseldorfDer Dax ist am Freitag in seine letzten Handelsminuten unter die wichtige Marke von 10.000 Punkten gerutscht. Zwischendurch hatten der große Verfall an den Termingeschäften, auch bekannt als Hexensabbat, für ein neues Rekordhoch beim Dax gesorgt: In einem trägen Handel schlug der Leitindex am Mittag überraschend nach oben hin aus. Mit 10.050 Punkten übertraf der Dax seine vor zwei Wochen aufgestellte Bestmarke um 14 Punkte, die er aber nicht lange halten konnte.

Zum Ende hin schmolz das Plus beim Deutschen Aktienindex, sodass er mit 9987 Punkten 0,2 Prozent leichter schloss und die Fünfstelligkeit nicht ins Wochenende retten konnte. Verantwortlich für die mittäglichen Kursbewegungen zeichnete sich der sogenannte „große Verfall“ an der Terminbörse. So wurden am Mittag Optionen und Futures auf Aktien und Indizes fällig. Dieser Verfallstermin sorgt regelmäßig für starke, scheinbar unbegründete Kursbewegungen bei den Einzelwerten, versuchen Profi-Anleger doch den Kurs ihrer Titel in eine für sie günstige Richtung zu lenken.

„Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass die Hexen dieses Mal auf dem Berg der 10 000 tanzen“, kommentierte Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Weitere Ausschläge beim Dax blieben aus, dafür kam es unter den Einzelwerten zu viel Bewegung. Am Ende wurde der neue Settlement-Kurs für Dax-Optionen auf 10.018,07 Punkten festgesetzt nach 9615,89 Zählern im Vormonat und verzeichnete damit ebenfalls ein Rekordhoch.

Auch in der zweiten Reihe gaben die Indizes zum Ende hin die Gewinne ab. Der MDax schloss mit 17.008 Punkten gäznlich unverändert, der TecDax hingegen legte 0,4 Prozent zu auf 1332 Zähler. Der Eurozone-Leitindex Euro-Stoxx-50 gab 0,2 Prozent nach auf 3306 Stellen. An der Wall Street legte der Dow-Jones-Index nach seiner jüngsten Rally eine Verschnaufpause ein und notierte 0,3 Prozent fester bei 16.968 Punkten.

Doch nach den jüngeren Kursanstiegen ist die Stimmung an den Märkten so gut, dass sie Skeptiker auf den Plan ruft. Warnende Stimmen reiben sich an der Sorglosigkeit vieler Anleger. Händlern zufolge blieb die Stimmung wegen der Aussicht auf vorerst anhaltend niedrige Zinsen in den USA aber grundsätzlich pro Aktien.

„Die Börsen werden weniger von starken Konjunkturdaten als vielmehr von der unverändert lockeren Geldpolitik getrieben", sagt Berndt Fernow von der LBBW. Das reicht für weitere markante Kursgewinne seiner Ansicht nach allerdings nicht aus.

Denn: „Auch wenn die Ergebnisse der jüngsten Fed-Sitzung von den Anlegern im Sinne einer weiteren Fristverlängerung interpretiert wurden, wird jenseits des Atlantiks die Liquidität perspektivisch knapper.“ Auch angesichts der Krisen im Irak und der Ukraine wird sich der Dax laut Börsianern schwer tun, in der neuen Woche nachhaltig über die 10.000-Punkte-Marke zu klettern.

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57 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Erst Rekord, dann Fall unter 10.000 Punkte"

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  • Wenn in drei Jahren die Rahmenbedingungen noch genau wie heute sind, dann glaube ich das gerne. Das halte ich aber für unrealistisch.

    Von Max Otte halte ich ehrlich gesagt nicht so viel. Mehr Show als Wissen und er möchte seine Fonds verkaufen. Für mich liegt der faire Wert des Dax irgendwo da wo der "Draghi-Put" vor knapp 2 Jahren begonnen hat.

    So jetzt aber genug Börsenkram. Schönes Wochenende.

  • Ein Philipp Vorndran, von dem ich viel halte hat ja in einem Interview, schon KGV´s von 25 in drei Jahren für solide Blue Chips angekündigt. Die Investoren würden das in drei Jahren ohne mit der Wimper zu zucken bezahlen.

    Ein Max Otte gibt den fairen Wert des DAX bei 9 500 Punkten an.

  • Natürlich kann es viel schneller gehen, aber davon gehe ich nicht aus.

    Die Bullen haben noch nicht fertig - 3-5% sehen wir noch nach oben und bis dahin weiter Schaukelbörsen:

    1) Notenbankpolitik stützt die Kurse weiterhin
    2) Aktien sind wirklich aktuell relativ zu anderen Assets alternativlos
    3) Der dumme, private Anleger ist noch nicht investiert
    4) Es wird fast nur auf positive bzw. nicht so schlechte Impulse reagiert - negative Dinge werden (noch) ausgeblendet (Ukraine, Irak, Ifo, etc.)

    Das Spielchen geht noch ein kleines Weilchen so weiter.

  • Scharrschmidt, woher deine Einschätzung bis zu einer Korrektur dauere es noch 12 - 36 Monate. Warum dieser lange Zeitraum, kann doch auch viel schneller gehen?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • - virtuelles Geld
    - zocken
    - Hedgefonds
    - wieder da wo wir angefangen...(im Kreis handeln)
    - Systeme
    - Gewinne
    - NACH Börsenschluss

  • Eigentlich genau richtig, jetzt holen sich die Computerspezialisten auch ihr Geld von den Finanzmärkten.
    Heute funktioniert das Geld"verdienen" fast ausschliesslich virtuell.

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/fonds/nachrichten/hochgeschwindigkeits-handel-hacker-zocken-hedgefonds-ab/10074138.html

    Wie heute morgen schon erwähnt wurde, wir stehen gerade wieder da wo wir um 9 Uhr angefangen haben im Dax. In der Zwischenzeit machen ein paar Systeme ihre Milliardengewinne, ohne das sich der Dax am Ende des Tages geändert hat:) Schönes Wochenende, bin ja gespannt was heute NACH Börsenschluss wieder handelbar ist:)

  • Da es offenbar derart viele "Rindviecher" gibt, denen nicht bewusst ist, dass es nur ganz, ganz böse enden kann, wenn die Zentralbanken mittlerweile fast 50% der Aktien weltweit selbst halten und so (nach Belieben) Scheinwerte erzeugen, die in keinster Weise mehr eine freie marktwirtschaftliche Bewertung der Unternehmen repräsentieren...
    http://blog.markusgaertner.com/2014/06/18/jetzt-ist-es-amtlich-notenbanken-haben-wie-entfesselt-aktien-gekauft/
    ... habe ich mich dazu entschlossen, mit einem Teil meines Risikokapitals in etwas politisch absolut Inkorrektes zu investieren - nämlich in LEBENDRIND:
    http://www.finanzen.net/rohstoffe/lebendrindpreis/Chart
    Auch beim Rindvieh kennt der "Preis" seit dem "QE" (Gelddrucken) der Zentralbanken nämlich nur eine Richtung und zeigt an, dass Inflation ein REIN MONETÄRES PHÄNOMEN ist (Milton Friedman), und steigende Preise (hier die der Rindviecher) nur die Folge davon sind.
    Politisch inkorrekterweise leiste ich somit mit meiner "Spekulation" einen Beitrag für die nächste Hungerrevolution (die eigentliche Ursache des sog. "Arabischen Frühlings" waren nämlich in Wirklichkeit nichts anderes als explodierende Lebensmittelpreise: die Menschen konnten sich die Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten). Das tue ich aber natürlich nicht, weil ich Menschen gerne hungern sehe, sondern weil ich hoffe, dass sie dann umso eher die eigentlich Verantwortlichen für ihre Misere ausmachen - nämlich die Notenbankster - und dass sie sich bei diesen dann endlich "gebührend" (Gaddafi lässt grüßen) bedanken werden...

  • die jungs in den frühen zwanzigern die in den hochtürmen der investmentbanken sitzen, können gerne die KO's ausnocken,ist ja legal, aber das die handelsplatformen lahmgelegt werden in dieser zeit um transaktionen zu verhindern dürfte ne aufgabe für die staatsanwaltschaft sein, aber wer solls aufspüren?

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