Börse Frankfurt
EU-Gipfel in Brüssel, Talfahrt in Frankfurt

Europa steht vor ungelösten Problemen und kaum ein Anleger glaubt an funktionierende Lösungen. Die Gespräche um einen Schuldenschnitt Griechenlands bringen auch nichts neues. Indes gerät Portugal stark in Bedrängnis.
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DüsseldorfDer heute stattfindende EU-Gipfel zerrte während des ganzen Handelstages an den Nerven der Anleger. Schon zum Start rutschte der Dax ins Minus. Die gut gelaufene Auktion italienischer Staatspapiere brachte kurz Schwung in den Leitindex, doch der ging schnell wieder verloren. Kurz vor Handelsschluss konnte der Dax aber noch leicht anziehen und seine Verluste verringern.

Den heutigen Handelstag schloss der Deutsche Aktienindex ein Prozent im Minus auf 6.444 Punkte. Die zweite Reihe tendierte ebenfalls den ganzen Tag im Minus. Der MDax sank um 1,8 Prozent auf 9.762 Punkte und der TecDax verlor ein Prozent auf 737 Zähler.

Die US-Börsen konnten sich heute wieder nicht von den politischen Ereignissen in Europa lösen. Nach Frankfurter Börsenschluss verlor der Dow Jones 0,7 Prozent auf 12.575 Punkte, der breiter gefasste S&P-500 sank um 0,7 Prozent auf 1.307 Zähler und der Nasdaq-100 gab 0,2 Prozent nach auf 2.458 Punkte.

Der bis nach Börsenschluss stattfindende EU-Sondergipfel sorgte den ganzen Handelstag über für Aktienverkäufe. Die Anleger mieden das Risiko eines Ausbleibens von Ergebnissen und nahmen lieber ihre Gewinne mit. Bei dem Gipfeltreffen kommen die Staats- und Regierungschefs der EU in Brüssel zusammen, um sich auf einen Text für den Fiskalpakt zu einigen. Ein umfassendes Konjunkturpaket wird auf dem Gipfel allerdings nicht erwartet. „Es sieht alles ziemlich düster aus“, kommentierte ein Händler. Griechenland verhandle noch immer über einen Schuldenschnitt und die Ansteckungsgefahr sei weiterhin groß. Griechenland steht zwar nicht auf dem Tagesplan des Gipfeltreffens, dürfte aber aus gegeben Anlass zu Sprache kommen.

Der südeuropäische EU-Staat verhandelt nämlich parallel zum Sondergipfel weiterhin mit den privaten Gläubigern über einen bereits vereinbarten Schuldenschnitt. Für einen bitteren Beigeschmack während der Verhandlungen sorgte allerdings das angespannte Verhältnis zwischen Griechenland und Deutschland. Die Bundesregierung kam mit dem Vorstoß, Griechenland nur dann die Finanzspritzen zukommen zu lassen, wenn die Hellenen ihre Finanzhoheit aufgeben, bei den Griechen nicht gut an. Eine Einigung mit den Gläubigern ist nötig, damit der angeschlagene Staat Hilfskredite des IWF in Höhe von 130 Milliarden Euro bekommt. Am Wochenende wurden allerdings Stimmen laut, die diese Summe bereits für zu gering halten.

Der Euro zeigte sich von den Ereignissen beeindruckt. Die Gemeinschaftswährung fiel im Vergleich zum Dollar und kostete am Abend nur noch 1,3106 US-Dollar.

Auch die Finanztitel gaben nach. Deutsche Bank-, Allianz- und Commerzbank-Aktien bildeten am Montag ein Trio der schwächsten Werte im Dax. Sie verloren 2,6 bis vier Prozent. Die im MDax notierte Aareal Bank verbilligte sich um 3,8 Prozent auf 16,87 Euro. Im Falle der Deutschen Bank belastete ein Bericht des "Spiegel" die Aktien zusätzlich. Laut der Wochenzeitschrift drohen der größten Bank Deutschlands Ermittlungen durch die US-Börsenaufsicht SEC. Dabei gehe es um Geschäfte der Bank mit dem Hedgefonds des Investors John Paulson, der als großer Profiteur der Subprime-Krise von 2008 gilt.

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Portugal-Anleihen auf Rekordhoch

Kommentare zu " Börse Frankfurt: EU-Gipfel in Brüssel, Talfahrt in Frankfurt"

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  • "Talfahrt in Frankfurt"...alles klar! Ich möchte auch HB-Journalist sein...

  • Die Unzurechnungsfähigen Kriminellen und der "Sondergipfel" der EU??? Die hocken doch bald alle 10 Minuten in einem Sondergipfel....wieso nennt man das überhaupt noch so? Sonder, passt da nicht mehr ganz!

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