Börse Frankfurt
EZB-Chef Draghi lässt die Börsen jubeln

Die Hoffnung auf ein stärkeres Engagement der EZB im Kampf gegen die Eurokrise hat dem Dax einen kräftigen Schub gegeben. Mit dem Rückenwind guter US-Daten kletterte der Leitindex wieder über die wichtige 6500-Punkte-Marke.

FrankfurtDank klarer Worte von EZB-Chef Mario Draghi hat der Dax am Donnerstag kräftig zulegen können. Starke US-Auftragseingänge und überraschend deutlich gesunkene wöchentliche Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe gaben zusätzliche Schützenhilfe. Schwache deutsche Unternehmenszahlen und die anhaltende Euro-Schuldenkrise, die zunächst noch belastet hatten, traten in den Hintergrund. Der deutsche Leitindex ging mit einem Plus von 2,75 Prozent auf 6582 Punkte aus dem Handel. Damit knüpfte er an die Vortagsentwicklung an, als er ein knappes Plus ins Ziel gerettet und so eine dreitägige Verlustserie beendet hatte. Der MDax stieg am Donnerstag um 2,1 Prozent auf 10 693 Punkte, und für den TecDax ging es um 1,90 Prozent auf 770 Punkte hoch.

EZB-Präsident Mario Draghi sagte in London, dass die Europäische Zentralbank innerhalb ihres Mandats bereit sei, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten. "Und glauben Sie mir, das wird reichen", fügte er hinzu. Ein Frankfurter Händler sagte dazu: "Wenn die EZB sich hinstellt und sagt, sie ist bereit, alles zu tun, um den Euro zu verteidigen, beruhigt das die Anleger ungemein. Das heißt wohl, dass die EZB ein Maßnahmenpaket in der Hinterhand hat, um das Schlimmste abzuwenden. Denn alle Investoren hoffen vor allem auf eines: ein Ende der Unsicherheit."

Zudem brachte der französische Finanzminister Pierre Moscovici wieder die Option ins Spiel, dass der Euro-Rettungsschirm EFSF Staatsanleihen kaufen könnte. Diese Möglichkeit solle nicht ignoriert werden. Die Bundesregierung hat sich gegen diese Variante ausgesprochen.

Der Euro verteuerte sich auf 1,2277 Dollar und notierte damit mehr als einen US-Cent über dem New Yorker Vortagesschluss. Auch am Rentenmarkt war Entspannung zu spüren. Die Rendite der zehnjährigen spanischen Anleihen rutschte auf 7,091 Prozent ab und lag damit mehr als einen halben Prozentpunkt unter ihrem Rekordhoch vom Vortag. Die Rendite der italienischen Titel fiel auf 6,108 Prozent. Im Gegenzug trennten sich Investoren von deutschen Papieren. Der Bund-Future rutschte um 66 Ticks auf 144,03 Stellen ab.

Vor allem Finanzwerte konnten nach den Aussagen von Draghi zulegen. Der europäische Bankenindex stieg um 2,9 Prozent, der Pendant der Euro-Zone sogar um 5,2 Prozent. Im Dax lagen die Anteilsscheine der Commerzbank mit einem Plus von 6,41 Prozent an der Spitze.

Das Schlusslicht im Dax bildeten die Aktien von MAN mit einem Abschlag von 5,7 Prozent. Der LKW-Bauer hatte am Vorabend einen Gewinneinbruch gemeldet und seine Ergebnisprognose für 2012 gekippt. "Es ist klar, dass derzeit ein Nachfrageproblem besteht. Aber der Gewinneinbruch in dem Ausmaß hat einige offenbar doch überrascht", sagte ein Händler.

Ein Minus von 1,2 Prozent verzeichneten die Aktien von Siemens. Konzern-Chef Peter Löscher hatte gesagt, angesichts des verschlechterten Umfelds sei es schwieriger geworden, die Prognose für das Geschäftsjahr zu erreichen.

Dass die Ansprüche der Anleger hoch sind, zeigten auch die Quartalszahlen von VW. Obwohl der Autokonzern den Gewinn im zweiten Quartal wie von Analysten erwartet gesteigert hatte, fielen die Aktien um 0,1 Prozent. Es fehle eine positive Überraschung, begründete Macquarie-Analyst Christian Breitsprecher die Kursverluste.

Im MDax verteuerten sich die Puma -Aktien mit 5,7 Prozent am deutlichsten. Nach den schwachen Geschäftszahlen im zweiten Quartal soll ein neues Modell helfen, die Struktur des fränkischen Konzerns zu vereinfachen, indem Verwaltungsaufgaben zentralisiert würden, teilte Puma mit. "Dies zusammen mit der Tatsache, dass es keine neuen negativen Überraschungen gab, dürfte der Aktie helfen", sagte ein Händler.

Auch die Papiere von Aixtron waren gefragt und legten im TecDax um 8,1 Prozent zu. Der Chipanlagenbauer sieht sich auf dem Weg der Besserung und rechnet für das zweite Halbjahr mit einem Gewinn.


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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