Börse Frankfurt
EZB-Spekulationen lassen Dax abheben

Dank neu aufkeimender Hoffnungen um Aktionen der der EZB und der Fed hat der Dax ein Wochenplus geschafft. Zudem bekundeten Merkel und Hollande ihre Treue zum Euro. Doch die Dax-Gewinne stehen auf wackligen Beinen.
  • 68

DüsseldorfBeim Deutschen Leitindex regierte heute das Prinzip Hoffnung. Anleger spekulierten auf Aktionen der Euro-Retter und der Fed. Der Dax schloss 1,6 Prozent höher bei 6.689 Punkten, nachdem er bereits am Donnerstag fast drei Prozent zugelegt hatte. Auf Wochensicht konnte der Leitindex ein moderates Plus erkämpfen.

Für Kaufstimmung sorgten zunächst Berichte über eine koordinierte Aktion zur Unterstützung Spaniens und Italiens. Laut der Tageszeitung "Le Monde" laufen beim europäischen Rettungsfonds und der EZB entsprechende Vorbereitungen. Kreisen zufolge könnte der EFSF zunächst dazu genutzt werden, spanische und italienische Anleihen am Primärmarkt zu kaufen. Ab September würde das dann auf den ESM übergehen.

Am Nachmittag verstärkte noch eine gemeinsame Erklärung Angela Merkels und des französischen Präsidenten François Hollandes die Bergfahrt des Dax. Sie wollen die Gemeinschaftswährung Euro unter allen Umständen stabilisieren. "Deutschland und Frankreich sind der Integrität der Eurozone zutiefst verpflichtet. Sie sind entschlossen, alles zu tun, um die Eurozone zu schützen".

Schließlich sorgten für einen weiteren Hoffnungsschimmer sorgten die schwachen Wirtschaftszahlen aus den USA. Die Fed könnte nämlich, um die Wirtschaft der USA anzukurbeln, weitere Finanzspritzen verteilen, was Börsianer immer gerne sehen.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte am Donnerstag mit seinem klaren Bekenntnis zum Euro an den Märkten Hoffnungen auf ein stärkeres Eingreifen der EZB in der europäischen Schuldenkrise geweckt. "Draghi hat die Geister gerufen, da muss jetzt auch etwas kommen von der EZB. Wahrscheinlich wird sie erst einmal italienische und spanische Anleihen kaufen", sagte ein Händler.

Allerdings goss die Deutsche Bundesbank am Vormittag Wasser in den Wein. Ein Sprecher wiederholte den Standpunkt der Bank, dass sie Anleihekäufen der EZB kritisch gegenüberstehe. Am kommenden Donnerstag kommt die EZB zu einer Sitzung zusammen, um über die Zinsen in der Euro-Zone zu entscheiden. Analysten rechnen damit, dass Draghi in der anschließenden Pressekonferenz seine jüngsten Andeutungen konkretisieren wird.

Der Ball liegt in Draghis Feld
Wegen der unterschiedlichen Positionen innerhalb der EZB warnten einige Börsianer vor überzogenen Erwartungen. "Unter Investoren herrscht nach wie vor einige Skepsis, ob und wie die EZB handeln wird", sagte Citigroup-Anlagestratege Steven Englander. Falls die Notenbank im Anschluss an ihre Ratssitzung in der kommenden Woche inaktiv bleibe und nicht einmal konkrete Hinweise auf zukünftige Aktionen gebe, werde dies die Kurse belasten. "Denn dies würde die Einschätzung bestärken, dass der politische Prozess nicht funktioniert."

Sein Kollege Ioan Smith von Knight Capital betonte, dass sich Draghi mit seinen Aussagen in eine schwierige Lage manövriert habe. "Jeder denkt plötzlich, dass er die Notenpresse anwerfen wird. Wenn er nicht mit etwas aufwarten kann, könnte er in Schwierigkeiten geraten."

Auf kurze Sicht sind viele Experten skeptisch. So meint Benjamin Stone, Aktienmanager beim Fondshaus MFS: "Ich gehe davon aus, dass der Euro am Ende scheitern wird." Sollten Spanien oder auch Italien die Währungsunion verlassen, "werden die Finanzmärkte vermutlich massiv gestört". Auch vom Citi-Chefökonomen Willem Buiter heißt es: "Wir bleiben bei unserem düsteren Ausblick für die Euro-Zone."

Seite 1:

EZB-Spekulationen lassen Dax abheben

Seite 2:

Unternehmensbilanzen machten den feinen Unterschied

Kommentare zu " Börse Frankfurt: EZB-Spekulationen lassen Dax abheben"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Nach fast 5 Jahren Krise sind wir immer noch nicht weiter. Die Politik kann die Probleme offensichtlich nicht loesen. Es muss erst knallen, damit alle Probleme verschwinden. Und erst dann ist das Finanz- und Wirtschaftssystem wieder in der Lage, von vorn anzufangen.

  • Heidelberger, benimm Dich ;)

  • Deutschland hat 27% Anteil an der EZB? Was ist, wenn wir auf unseren Anteil an spanischen Anleihen verzichten und auch die Zinsen darauf wie natürlich dann auch das Ausfallrisiko darauf den anderen Euro-Staaten gönnen? Würde die EZB dann ebenso ehrgeizig kaufen und alle anderen das befürworten? Je größer die EU-/Eurozoen umso weniger Einfluß hat Deutschland umso mehr werden wir für andere arbeiten und Steuern zahlen müssen, über Berlin, NRW und Co. hinaus, während andere sich die Sonne auch den Pelz scheinen lassen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%