Börse Frankfurt
EZB und US-Notenbank lähmen den Dax

Heute wollte keine richtige Kaufstimmung aufkommen. Für die Investoren gibt es im Vorfeld der Notenbankkonferenzen keine Gründe, um mit Aktien zu handeln. Sie warten lieber ab und lassen die Experten streiten.
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DüsseldorfWenn man Menschen fragt, was sie unter dem Begriff "Börse" verstehen, dann fallen die Antworten meist sehr ähnlich aus. Sie assoziieren die Börse mit Geld, gestressten Händlern, Computern, die Aktien in einem Bruchteil einer Sekunde kaufen und verkaufen, Spekulationen und vielen anderen ähnlichen Dingen. Doch von dieser eifrig arbeitenden Geldmaschine war heute nicht viel zu sehen. Am Mittwoch ließen es die Börsen sehr entspannt zugehen. Bei extrem dünnen Umsätzen schloss der deutsche Aktienindex mit 0,1 Prozent auf 7.011 Punkte leicht im Plus. Die zweite Reihe beendete den heutigen Handelstag etwas deutlicher im grünen Bereich. Der MDax stieg um 0,6 Prozent auf 11.064 Punkte und der TecDax notierte 0,5 Prozent fester auf 795 Zähler.

Angesichts der extrem niedrigen Umsätze dürfte die Relevanz des heutigen Handelstages gering gewesen sein. "Es scheint ein absoluter Käufer- und Verkäuferstreik zu sein", sagte ein Händler in Frankfurt. "Keiner will sich positionieren, um nicht auf dem falschen Fuße erwischt zu werden." Ein anderer Börsianer ergänzte, dass vor dem Treffen der Notenbanker in Jackson Hole am Freitag nicht mehr viel passieren werde. Bis dahin würden Anleger das Geld "von der linken Tasche in die rechte" stecken.

Die Zurückhaltung der Anleger hat auch mit der Uneinigkeit der Experten zu tun. Commerzbank-Analystin Carolin Hecht warnte im Vorfeld an die Notenbanksitzungen der Fed sowie der Europäischen Zentralbank vor einer zu großen Erwartungshaltung. Die vielen Gerüchte, die in Bezug auf die genaue Ausgestaltung eventueller EZB-Interventionen umhergeisterten, sprächen noch keine einheitliche Sprache, schrieb sie in einem Kommentar. Eine ultimative Lösung scheine also noch nicht gefunden.

Andere Experten sehen dagegen gute Chance, dass die EZB nächsten Donnerstag neue Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise präsentieren wird. Sie gehen davon aus, dass die europäischen Notenbank den Leitzins von 0,75 Prozent auf das historische Tief von 0,5 Prozent senken wird. Außerdem wird darüber spekuliert, ob weitere Länder unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen könnten. Als weitere mögliche Kandidaten, neben dem bereits vom Rettungsschirm über Wasser gehaltenen Griechenland, gelten Spanien und Italien. Sollten diese Länder vom Rettungsschirm gebrauch machen, würde die EZB nur flankierend mit dem Ankauf von umlaufenden Anleihen am Geldmarkt eingreifen. Die Euro-Rettungsfonds EFSF oder ESM könnten sich dann nämlich nach einem entsprechenden Antrag der Schuldenländer auf Bondkäufe am Primärmarkt konzentrieren.

Gespannt schauen die Anleger auch nach Amerika. In Jackson Hole wird Fed-Präsident Ben Bernanke Ende der Woche eine Rede auf der Notenbankkonferenz halten. Die Märkte setzen auf weitere Schritte zur Lockerung der Geldpolitik. Doch ob es tatsächlich zu einem neuen Anleihekaufprogramm kommt, um die schwächelnden US-Wirtschaft zu stützen, steht noch in den Sternen.

Die US-Börsen notierten im Vorfeld an die Konferenz der Federal Reserve verhalten. Der Dow Jones lag mit 0,04 Prozent auf 13.108 Punkte leicht im Plus, der S&P 500 stieg 0,1 Prozent auf 1.411 Zähler und die Technologiebörse Nasdaq-100 verlor 0,1 Prozent auf 2.781 Punkte.

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  • "Der Sparer erzeugt mehr Ware, als er selbst kauft, und der Überschuss wird von den Unternehmern mit dem Geld der Sparkassen gekauft und zu neuen Realkapitalien verarbeitet. Aber die Sparer geben das Geld nicht her ohne Zins, und die Unternehmer können keinen Zins bezahlen, wenn das, was sie bauen, nicht wenigstens den gleichen Zins einbringt, den die Sparer fordern. Wird aber eine Zeitlang an der Vermehrung der Häuser, Werkstätten, Schiffe usw. gearbeitet, so fällt naturgemäß der Zins dieser Dinge. Dann können die Unternehmer den von den Sparern geforderten Zins nicht zahlen. Das Geld bleibt in den Sparkassen liegen, und da gerade mit diesem Geld die Warenüberschüsse der Sparer gekauft werden, so fehlt für diese jetzt der Absatz, und die Preise gehen zurück. Die Krise ist da."

    Silvio Gesell ("Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld", 1916)

    In einer solchen Situation die Zinsgeld-Menge zu erhöhen, verhindert kurzfristig die deflationäre Abwärtsspirale. Dafür wird ein umso größeres Inflationspotential geschaffen, ohne verhindern zu können, dass letztlich alles Geld "in den Sparkassen liegen bleibt" (globale Liquiditätsfalle):

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/01/2012.html

  • @ Ahnungsloser Hamburger 13:21

    Diese "Kompetenzen" gibt es überall. Schlimmer ist neuerdings die Ichsyntonie.

    Sportsfreunde, lernt endlich nicht nur im Sekundentiktak zu denken. An der Euwax hat die 1.1 Korrelation zum Basiswert den "Differenzoperator", im S/L bei fünf überprüften Banken den Kontraindikator,der Finanzguru der die Bid und Ask-Kurse gestern Nachmittag gestellt hatte ist kaum vorhersehbar, retroperspetiv zu beurteieln wei heiß und in amerikanischen Foren und der Politik diskutiert man seit einer Woche über die Vor-und Nachteile des Goldstandarda. Wenn ihr nicht bald bald aufwacht!!! wird es teuer werden

  • sehr gut zusammen gefasst

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