Börse Frankfurt Fester Euro belastet den Dax – Fiat auf 19-Jahres-Hoch

Ein starker Euro-Kurs und Sorge über das Polit-Chaos der Trump-Regierung haben die Anleger am deutschen Aktienmarkt zum Wochenauftakt in der Defensive gehalten. Der deutsche Leitindex schloss 0,82 Prozent im Minus.
Update: 21.08.2017 - 18:57 Uhr 2 Kommentare

„Allein die Lufthansa kann dem Dax-Absturz standhalten“

„Allein die Lufthansa kann dem Dax-Absturz standhalten“

FrankfurtAngesichts eines kräftig gestiegenen Euro ist dem deutschen Aktienmarkt der Start in die neue Börsenwoche missglückt. Der Dax büßte am Montag 0,82 Prozent auf 12.065 Punkte ein. Damit verteidigte er aber immerhin die Marke von 12.000 Zählern. Die Gemeinschaftswährung, die am Morgen noch 1,1731 US-Dollar gekostet hatte, legte im Tagesverlauf bis auf 1,1825 Dollar zu.

Mit einem festen Euro können sich die Ausfuhrchancen deutscher Unternehmen verschlechtern, was den Dax als exportorientierten Index belastet. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern ging die Kursbewegung am Devisenmarkt vom Dollar aus, der am Nachmittag zu allen wichtigen Währungen unter Druck stand. Sie verwiesen auf das Polit-Chaos in der US-Regierung.

Der MDax sank um 0,51 Prozent auf 24.701 Punkte und der Technologiewerte-Index TecDax büßte 0,58 Prozent auf 2.245 Zähler ein. Analyst Jens Klatt von JFD Brokers wies darauf hin, dass sich der US-Volatilitätsindex Vix, auch „Angstbarometer“ genannt, noch immer auf der Höhe des Jahreshochs bewege. Das spiegele eine anhaltende Nervosität am US-Markt wider, „die alles andere als Sicherheit versprüht und zeigt, dass auch der Dax noch lange nicht über den Berg ist“, folgerte der Experte. Ein Rückfall des Dax unter 12.000 Punkte sei also durchaus realistisch.

Das Personalchaos in der Regierung von US-Präsident Donald Trump und Sorgen vor neuen Spannungen im Nordkorea-Konflikt haben Anleger in ganz Europa zum Wochenstart nervös gemacht: Der EuroStoxx50 rutschte um 0,71 Prozent auf 3.421 Punkte ab.

„Die Unsicherheit, die momentan von Washington auf die Märkte ausstrahlt, ist etwas, was Investoren nicht schätzen“, sagte Postbank-Analyst Heinz-Gerd Sonnenschein. Die politische Lage erscheine vielen zunehmend schwer kalkulierbar. Außerdem sorgten sich Anleger davor, dass Trump seine Pläne für Steuersenkungen und sonstige Programme zur Ankurbelung der Konjunktur nicht umsetzen könne. Die Spekulationen darauf hatten die Börsen nach Trumps Wahl im November stark beflügelt.

Trump entließ am Freitag seinen umstrittenen Chefstrategen Steve Bannon, nachdem sich bereits zahlreiche Wirtschaftsbosse und andere Politiker von ihm abgewandt hatten. „Die Zweifel werden immer größer, ob die US-Administration in der Lage sein wird, irgendetwas von der Wahlagenda von Donald Trump umzusetzen“, so Analyst Dirk Gojny von der National-Bank.

Wieder in den Fokus rückte Nordkorea, nachdem die USA und Südkorea ein Militärmanöver in der Region starteten. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jon Un betrachtet solche Übungen als Vorbereitung für eine Invasion. „Möglicherweise nimmt er das zum Anlass, um die ausgesetzten Waffentests im Laufe der Woche wieder aufzunehmen. Die Lage in der Region ist trotz der jüngst eingekehrten Ruhe alles andere als ruhig“, warnte Gojny. Zuletzt hatten sich Trump und Kim mit gegenseitigen Drohungen überzogen und so Sorgen vor einem bewaffneten Konflikt geschürt.

Anleger griffen daher wieder verstärkt zu sicheren Anlagen: Gold verteuerte sich um ein halbes Prozent auf 1289 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Bei deutschen Bundesanleihen fiel die Rendite der zehnjährigen Papiere auf unter 0,4 Prozent.

Das wurde im ersten Halbjahr 2017 aus 100.000 Euro
Platz 25: Zucker
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Wie gewonnen, so zerronnen. Im vergangenen Jahr gehörte Zucker mit einem Plus von 28 Prozent zu den lukrativsten Anlageformen, im ersten Halbjahr 2017 machten Investoren aber deutliche Verluste. Der Preis für eine Tonne Rohrzucker brach in New York um mehr als 35 Prozent ein. Zucker wird – wie alle Rohstoffe - in Dollar gehandelt wird. Der zum Euro gefallene Dollar vergrößerte die Verluste für hiesige Investoren noch. Wer Anfang des Jahres einen Terminkontrakt für 100.000 Euro auf Zucker kaufte, hat so jetzt – ohne Transaktionskosten - nur noch 59.740 Euro auf dem Konto. Hauptgrund für den Verfall sind globale Produktionsüberschüsse und wachsende Lagerbestände.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 24: Öl
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Hohe Lagerbestände sind auch ein Grund dafür, dass der Ölpreis in diesem Jahr wieder auf Talfahrt gegangen ist. Dazu kommt die steigende Förderung in den USA, nicht nur von traditionellem, sondern auch von aus Schiefergestein gewonnenem Öl. Seit Januar fiel der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseeölsorte Brent um 16 Prozent, aus 100.000 in Ölkontrakten angelegten Euro wurden sogar nur 77.520 Euro – ein Minus von 22,48 Prozent. Die seit November vergangenen Jahres geltende Förderbremse der Organisation Erdölexportierender Länder (Opec) und zehn weiterer Nationen zieht damit nicht. Die USA machen bei den Beschränkungen nicht mit.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 23: Aktien Katar
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Das reichste Land der Welt wird von seinen Nachbarn isoliert. Saudi-Arabien und seine Verbündeten Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain, Ägypten und Jemen warfen Katar Anfang Juni vor, Extremisten zu unterstützen und haben ihre diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Wüstenstaat abgebrochen. Darauf reagierte auch die Börse. Die Verluste des QE-Index in Doha summieren sich so seit Jahresanfang auf 13,5 Prozent, dazu wertete die Landeswährung Katar-Riyal zu Dollar und Euro ab. Von 100.000 in den QE-Index investierten Euro sind so nur noch 79.500 Euro übrig.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 22: Aktien Russland
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Die Erholung der russischen Börse aus dem vergangenen Jahr ist schon wieder zu Ende. 100.000 in den Leitindex Micex investierte Euro schrumpften seit Januar auf 81.200 Euro – ein Verlust, der durch die Abwertung des Rubels noch verstärkt wurde. Hauptgründe für den neuen Einbruch der Börse sind der wieder fallende Ölpreis. Dazu belasten nach wie vor die wegen der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen die russische Wirtschaft.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 21: US-Dollar
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Vor allem am Devisenmarkt zeigt sich, dass die Euphorie um US-Präsident Trump verflogen ist. Die Hoffnungen schwinden, dass er seine angekündigten Steuersenkungs- und Investitionsprogramme zügig durchgesetzt bekommt. Auch die Politaffären rund um FBI und Russland lassen den Dollar schwächeln. Und das nicht nur zum Euro, sondern zu den meisten wichtigen Währungen. Der Euro dagegen legte zu vielen Währungen zu. Die Folge: Aus 100.000 zu Jahresbeginn in den Dollar investierten Euro sind in den ersten sechs Monaten des Jahres nur noch 81.200 Euro geworden, ein Minus von über sieben Prozent.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 20: Aktien Brasilien
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Mit vielen Vorschusslorbeeren war Brasiliens Präsident Michel Temer Ende 2015 ins Amt gestartet. Doch im März kam heraus, dass auch Temer in den seit Jahren schwelenden landesweiten Bestechungsskandal rund um die Konzerne Petrobras (Öl- und Gas), Odebrecht (Bau- und Chemie) sowie JBS (Fleisch) verwickelt ist. Das ernüchterte die Investoren. In Real gerechnet legte der Ibovespa-Index zwar knapp drei Prozent zu, aber der Real wertete deutlich ab. Von 100.000 in den Ibovespa investierten Euro verloren Anleger somit in diesem Jahr 5.595 Euro auf 94.050 Euro.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 19: US-Staatsanleihen
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Für Dollar-Anleger haben sich US-Staatsanleihen besser entwickelt als erwartet. Obwohl die US-Notenbank Fed den Leitzins in diesem Jahr bereits zweimal auf ein Band von jetzt 1,00 bis 1,25 Prozent erhöht hat, stiegen die Kurse von US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit. Das liegt vor allem an den gesunkenen Inflationserwartungen. Quer über alle Laufzeiten erzielten Anleger im ersten Halbjahr mit US-Staatsanleihen so einen Gesamtertrag aus Zinseinnahmen und Kursveränderungen von immerhin gut zwei Prozent. Der Verlust des Dollars zum Euro zehrte diesen Gewinn aber für Euro-Anleger mehr als auf. Aus 100.000 in US-Staatsanleihen investierten Euro bleiben so nur 94.970 Euro übrig.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Zu den größten Gewinnern an den europäischen Börsen gehörten die Papiere von Fiat Chrysler, die in Mailand zeitweise um 4,9 Prozent auf den höchsten Stand seit 19 Jahren kletterten. Der chinesische Autobauer Great Wall Motor zieht nach eigenen Angaben den Kauf von Fiat in Betracht und hat den italienisch-amerikanischen Konzern um ein Treffen gebeten.

Ein Milliarden-Deal sorgte auch in Kopenhagen für Trubel: Für umgerechnet 6,3 Milliarden Dollar übernimmt der französische Energiekonzern Total die Öl- und Gassparte der dänischen Reederei Moeller-Maersk. Maersk-Aktien gewannen rund drei Prozent, Total legten 0,3 Prozent zu.

Außerdem steht die Zukunft von Air Berlin im Anlegerfokus. Chef Thomas Winkelmann will die Übernahme der insolventen Fluggesellschaft „spätestens im September“ abschließen. Zu den aussichtsreichsten Kaufinteressenten gehören Easyjet, Tuifly, Condor und vor allem die Lufthansa. Deren Aktien gewannen an der Dax-Spitze 0,6 Prozent. Aktionäre setzten darauf, dass sich die größte deutsche Fluggesellschaft günstig einige „Filetstücke“ von Air Berlin angeln könne, hieß es am Markt.

Thyssenkrupp-Papiere waren mit einem Minus von 3,1 Prozent Schlusslicht im Dax. Laut einem Händler belastete die Bekanntgabe einer Leerverkaufsposition durch den Hedgefonds Capital Fund Management den Kurs. Die Papiere des Industriekonzerns zählen mit einem Plus von rund 13,5 Prozent im bisherigen Jahresverlauf aber weiterhin zu den Top 10 im Dax. Wesentlicher Treiber ist der mögliche Zusammenschluss der europäischen Stahlaktivitäten mit Tata Steel Europe, der seit Monaten in der Schwebe ist.

Stada-Aktien setzten den Rekordlauf mit einem Sprung von 3,8 Prozent auf 75,31 Euro fort. Am Freitag waren die Aktien nach der geglückten Übernahme des Arzneimittelherstellers durch die Finanzinvestoren Bain und Cinven um mehr als 13 Prozent nach oben geschnellt. Geboten hatten Bain und Cinven 66,25 Euro je Aktie.

Eine Kaufempfehlung des Analysehauses Warburg Research gab den Aktien der Software AG frischen Schwung. Mit einem Plus von 1,96 Prozent auf 36,375 Euro ließen sie den Bereich um die 36-Euro-Marke hinter sich, der zuletzt mehrfach eine zu hohe Hürde gewesen war. Analyst Andreas Wolf hält die Papiere auch wegen des Gewinnwachstums für attraktiv.

Sixt-Papiere waren mit einem Minus von 5,27 Prozent schwächster Wert im SDax. Händler führten dies auf Gewinnmitnahmen zurück, nachdem der Kurs seit Mitte Juli um mehr als 20 Prozent gestiegen war und in der Vorwoche ein Rekordhoch erreicht hatte. Der Autovermieter hatte zuvor gute Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht und die Jahresprognose erhöht.

Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite bei 0,17 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,02 Prozent auf 141,50 Punkte. Der Bund-Future stieg am frühen Abend um 0,33 Prozent auf 164,40 Punkte. Für einen Euro wurden 1,1817 US-Dollar gezahlt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1761 (Freitag: 1,1740) Dollar festgesetzt.

Hinter den Märkten liegt bereits eine durchwachsene Woche
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2 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Fester Euro belastet den Dax – Fiat auf 19-Jahres-Hoch"

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  • Die Presse hat das alte Tier Dax mit einigen Artikel über Herrn Trump so aufgeregt, daß es versehentlich ein Glas Diesel getrunken hat. Nun liegt der Dax wieder da, hat Durchflall und einen Schwächeanfall. Warten wir auf den Dokta wegen des Magen.

  • Es sollte eigentlich langsam dem Hinterletzten klar geworden sein, dass dieser US-Präsident nicht ganz dicht ist.

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