Börse Frankfurt
Fester Euro belastet den Dax – Fiat auf 19-Jahres-Hoch

Ein starker Euro-Kurs und Sorge über das Polit-Chaos der Trump-Regierung haben die Anleger am deutschen Aktienmarkt zum Wochenauftakt in der Defensive gehalten. Der deutsche Leitindex schloss 0,82 Prozent im Minus.
  • 2

FrankfurtAngesichts eines kräftig gestiegenen Euro ist dem deutschen Aktienmarkt der Start in die neue Börsenwoche missglückt. Der Dax büßte am Montag 0,82 Prozent auf 12.065 Punkte ein. Damit verteidigte er aber immerhin die Marke von 12.000 Zählern. Die Gemeinschaftswährung, die am Morgen noch 1,1731 US-Dollar gekostet hatte, legte im Tagesverlauf bis auf 1,1825 Dollar zu.

Mit einem festen Euro können sich die Ausfuhrchancen deutscher Unternehmen verschlechtern, was den Dax als exportorientierten Index belastet. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern ging die Kursbewegung am Devisenmarkt vom Dollar aus, der am Nachmittag zu allen wichtigen Währungen unter Druck stand. Sie verwiesen auf das Polit-Chaos in der US-Regierung.

Der MDax sank um 0,51 Prozent auf 24.701 Punkte und der Technologiewerte-Index TecDax büßte 0,58 Prozent auf 2.245 Zähler ein. Analyst Jens Klatt von JFD Brokers wies darauf hin, dass sich der US-Volatilitätsindex Vix, auch „Angstbarometer“ genannt, noch immer auf der Höhe des Jahreshochs bewege. Das spiegele eine anhaltende Nervosität am US-Markt wider, „die alles andere als Sicherheit versprüht und zeigt, dass auch der Dax noch lange nicht über den Berg ist“, folgerte der Experte. Ein Rückfall des Dax unter 12.000 Punkte sei also durchaus realistisch.

Das Personalchaos in der Regierung von US-Präsident Donald Trump und Sorgen vor neuen Spannungen im Nordkorea-Konflikt haben Anleger in ganz Europa zum Wochenstart nervös gemacht: Der EuroStoxx50 rutschte um 0,71 Prozent auf 3.421 Punkte ab.

„Die Unsicherheit, die momentan von Washington auf die Märkte ausstrahlt, ist etwas, was Investoren nicht schätzen“, sagte Postbank-Analyst Heinz-Gerd Sonnenschein. Die politische Lage erscheine vielen zunehmend schwer kalkulierbar. Außerdem sorgten sich Anleger davor, dass Trump seine Pläne für Steuersenkungen und sonstige Programme zur Ankurbelung der Konjunktur nicht umsetzen könne. Die Spekulationen darauf hatten die Börsen nach Trumps Wahl im November stark beflügelt.

Trump entließ am Freitag seinen umstrittenen Chefstrategen Steve Bannon, nachdem sich bereits zahlreiche Wirtschaftsbosse und andere Politiker von ihm abgewandt hatten. „Die Zweifel werden immer größer, ob die US-Administration in der Lage sein wird, irgendetwas von der Wahlagenda von Donald Trump umzusetzen“, so Analyst Dirk Gojny von der National-Bank.

Wieder in den Fokus rückte Nordkorea, nachdem die USA und Südkorea ein Militärmanöver in der Region starteten. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jon Un betrachtet solche Übungen als Vorbereitung für eine Invasion. „Möglicherweise nimmt er das zum Anlass, um die ausgesetzten Waffentests im Laufe der Woche wieder aufzunehmen. Die Lage in der Region ist trotz der jüngst eingekehrten Ruhe alles andere als ruhig“, warnte Gojny. Zuletzt hatten sich Trump und Kim mit gegenseitigen Drohungen überzogen und so Sorgen vor einem bewaffneten Konflikt geschürt.

Anleger griffen daher wieder verstärkt zu sicheren Anlagen: Gold verteuerte sich um ein halbes Prozent auf 1289 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Bei deutschen Bundesanleihen fiel die Rendite der zehnjährigen Papiere auf unter 0,4 Prozent.

Zu den größten Gewinnern an den europäischen Börsen gehörten die Papiere von Fiat Chrysler, die in Mailand zeitweise um 4,9 Prozent auf den höchsten Stand seit 19 Jahren kletterten. Der chinesische Autobauer Great Wall Motor zieht nach eigenen Angaben den Kauf von Fiat in Betracht und hat den italienisch-amerikanischen Konzern um ein Treffen gebeten.

Ein Milliarden-Deal sorgte auch in Kopenhagen für Trubel: Für umgerechnet 6,3 Milliarden Dollar übernimmt der französische Energiekonzern Total die Öl- und Gassparte der dänischen Reederei Moeller-Maersk. Maersk-Aktien gewannen rund drei Prozent, Total legten 0,3 Prozent zu.

Außerdem steht die Zukunft von Air Berlin im Anlegerfokus. Chef Thomas Winkelmann will die Übernahme der insolventen Fluggesellschaft „spätestens im September“ abschließen. Zu den aussichtsreichsten Kaufinteressenten gehören Easyjet, Tuifly, Condor und vor allem die Lufthansa. Deren Aktien gewannen an der Dax-Spitze 0,6 Prozent. Aktionäre setzten darauf, dass sich die größte deutsche Fluggesellschaft günstig einige „Filetstücke“ von Air Berlin angeln könne, hieß es am Markt.

Thyssenkrupp-Papiere waren mit einem Minus von 3,1 Prozent Schlusslicht im Dax. Laut einem Händler belastete die Bekanntgabe einer Leerverkaufsposition durch den Hedgefonds Capital Fund Management den Kurs. Die Papiere des Industriekonzerns zählen mit einem Plus von rund 13,5 Prozent im bisherigen Jahresverlauf aber weiterhin zu den Top 10 im Dax. Wesentlicher Treiber ist der mögliche Zusammenschluss der europäischen Stahlaktivitäten mit Tata Steel Europe, der seit Monaten in der Schwebe ist.

Stada-Aktien setzten den Rekordlauf mit einem Sprung von 3,8 Prozent auf 75,31 Euro fort. Am Freitag waren die Aktien nach der geglückten Übernahme des Arzneimittelherstellers durch die Finanzinvestoren Bain und Cinven um mehr als 13 Prozent nach oben geschnellt. Geboten hatten Bain und Cinven 66,25 Euro je Aktie.

Eine Kaufempfehlung des Analysehauses Warburg Research gab den Aktien der Software AG frischen Schwung. Mit einem Plus von 1,96 Prozent auf 36,375 Euro ließen sie den Bereich um die 36-Euro-Marke hinter sich, der zuletzt mehrfach eine zu hohe Hürde gewesen war. Analyst Andreas Wolf hält die Papiere auch wegen des Gewinnwachstums für attraktiv.

Sixt-Papiere waren mit einem Minus von 5,27 Prozent schwächster Wert im SDax. Händler führten dies auf Gewinnmitnahmen zurück, nachdem der Kurs seit Mitte Juli um mehr als 20 Prozent gestiegen war und in der Vorwoche ein Rekordhoch erreicht hatte. Der Autovermieter hatte zuvor gute Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht und die Jahresprognose erhöht.

Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite bei 0,17 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,02 Prozent auf 141,50 Punkte. Der Bund-Future stieg am frühen Abend um 0,33 Prozent auf 164,40 Punkte. Für einen Euro wurden 1,1817 US-Dollar gezahlt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1761 (Freitag: 1,1740) Dollar festgesetzt.

Seite 1:

Fester Euro belastet den Dax – Fiat auf 19-Jahres-Hoch

Seite 2:

Hinter den Märkten liegt bereits eine durchwachsene Woche

Seite 3:

Jackson Hole im Fokus

Kommentare zu " Börse Frankfurt: Fester Euro belastet den Dax – Fiat auf 19-Jahres-Hoch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Presse hat das alte Tier Dax mit einigen Artikel über Herrn Trump so aufgeregt, daß es versehentlich ein Glas Diesel getrunken hat. Nun liegt der Dax wieder da, hat Durchflall und einen Schwächeanfall. Warten wir auf den Dokta wegen des Magen.

  • Es sollte eigentlich langsam dem Hinterletzten klar geworden sein, dass dieser US-Präsident nicht ganz dicht ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%