Börse Frankfurt Furcht vor strafferer Geldpolitik zieht den Dax ins Minus

Die Zinsspekulationen und der G20-Gipfel haben am Donnerstag die Aktionäre verunsichert und den Dax ins Minus gedrückt. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe stieg dagegen auf 17-Monats-Hoch.
Update: 06.07.2017 - 18:35 Uhr Kommentieren

Banken gewinnen durch steigende Zinsen

Banken gewinnen durch steigende Zinsen

FrankfurtSorgen um eine straffere Geldpolitik in Europa haben den deutschen Aktienmarkt wieder fest im Griff. Der Leitindex Dax rutschte im Handelsverlauf am Donnerstag zeitweise um mehr als 1 Prozent in die Verlustzone. Mit einem Abschlag von 0,58 Prozent ging er schließlich bei 12 381,25 Punkten aus dem Tag.

Auf die Stimmung drückte vor allem, dass die Rendite deutscher Staatspapiere mit zehnjähriger Laufzeit erstmals seit Januar 2016 über 0,5 Prozent geklettert ist. Bereits seit gut einer Woche legt die Verzinsung von Bundesanleihen im Handel fast kontinuierlich zu, was im Gegenzug die Attraktivität von Aktien gegenüber festverzinslichen Wertpapieren verringert.

Der MDax der mittelgroßen Unternehmen fiel um 0,78 Prozent auf 24 557,08 Zähler. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 0,47 Prozent auf 2213,65 Punkte nach unten. Ähnlich sah es in ganz Europa und den USA aus. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 0,47 Prozent auf 3462,06 Punkte und auch in London und Paris schwächelten die Börsen. An der Wall Street in New York sank der Dow Jones Industrial zum Handelsschluss in Europa um 0,35 Prozent.

Mit besonderem Interesse verfolgten Anleger die Beratungen der G20-Regierungschefs vor dem offiziellen Beginn des Treffens in Hamburg. Vor allem das Auftreten von US-Präsident Donald Trump wurde unter die Lupe genommen. Er hat wiederholt den deutschen Handelsüberschuss kritisiert, der seiner Ansicht nach zulasten der USA erwirtschaftet wird. „Ob sich Trump wieder versöhnlicher zeigen wird, bleibt abzuwarten“, sagte Analyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. „Sollte er jedoch erneut mit hohen Importsteuern drohen, könnte dies die Märkte verunsichern.“

Das wurde im ersten Halbjahr 2017 aus 100.000 Euro
Platz 25: Zucker
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Wie gewonnen, so zerronnen. Im vergangenen Jahr gehörte Zucker mit einem Plus von 28 Prozent zu den lukrativsten Anlageformen, im ersten Halbjahr 2017 machten Investoren aber deutliche Verluste. Der Preis für eine Tonne Rohrzucker brach in New York um mehr als 35 Prozent ein. Zucker wird – wie alle Rohstoffe - in Dollar gehandelt wird. Der zum Euro gefallene Dollar vergrößerte die Verluste für hiesige Investoren noch. Wer Anfang des Jahres einen Terminkontrakt für 100.000 Euro auf Zucker kaufte, hat so jetzt – ohne Transaktionskosten - nur noch 59.740 Euro auf dem Konto. Hauptgrund für den Verfall sind globale Produktionsüberschüsse und wachsende Lagerbestände.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 24: Öl
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Hohe Lagerbestände sind auch ein Grund dafür, dass der Ölpreis in diesem Jahr wieder auf Talfahrt gegangen ist. Dazu kommt die steigende Förderung in den USA, nicht nur von traditionellem, sondern auch von aus Schiefergestein gewonnenem Öl. Seit Januar fiel der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseeölsorte Brent um 16 Prozent, aus 100.000 in Ölkontrakten angelegten Euro wurden sogar nur 77.520 Euro – ein Minus von 22,48 Prozent. Die seit November vergangenen Jahres geltende Förderbremse der Organisation Erdölexportierender Länder (Opec) und zehn weiterer Nationen zieht damit nicht. Die USA machen bei den Beschränkungen nicht mit.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 23: Aktien Katar
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Das reichste Land der Welt wird von seinen Nachbarn isoliert. Saudi-Arabien und seine Verbündeten Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain, Ägypten und Jemen warfen Katar Anfang Juni vor, Extremisten zu unterstützen und haben ihre diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Wüstenstaat abgebrochen. Darauf reagierte auch die Börse. Die Verluste des QE-Index in Doha summieren sich so seit Jahresanfang auf 13,5 Prozent, dazu wertete die Landeswährung Katar-Riyal zu Dollar und Euro ab. Von 100.000 in den QE-Index investierten Euro sind so nur noch 79.500 Euro übrig.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 22: Aktien Russland
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Die Erholung der russischen Börse aus dem vergangenen Jahr ist schon wieder zu Ende. 100.000 in den Leitindex Micex investierte Euro schrumpften seit Januar auf 81.200 Euro – ein Verlust, der durch die Abwertung des Rubels noch verstärkt wurde. Hauptgründe für den neuen Einbruch der Börse sind der wieder fallende Ölpreis. Dazu belasten nach wie vor die wegen der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen die russische Wirtschaft.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 21: US-Dollar
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Vor allem am Devisenmarkt zeigt sich, dass die Euphorie um US-Präsident Trump verflogen ist. Die Hoffnungen schwinden, dass er seine angekündigten Steuersenkungs- und Investitionsprogramme zügig durchgesetzt bekommt. Auch die Politaffären rund um FBI und Russland lassen den Dollar schwächeln. Und das nicht nur zum Euro, sondern zu den meisten wichtigen Währungen. Der Euro dagegen legte zu vielen Währungen zu. Die Folge: Aus 100.000 zu Jahresbeginn in den Dollar investierten Euro sind in den ersten sechs Monaten des Jahres nur noch 81.200 Euro geworden, ein Minus von über sieben Prozent.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 20: Aktien Brasilien
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Mit vielen Vorschusslorbeeren war Brasiliens Präsident Michel Temer Ende 2015 ins Amt gestartet. Doch im März kam heraus, dass auch Temer in den seit Jahren schwelenden landesweiten Bestechungsskandal rund um die Konzerne Petrobras (Öl- und Gas), Odebrecht (Bau- und Chemie) sowie JBS (Fleisch) verwickelt ist. Das ernüchterte die Investoren. In Real gerechnet legte der Ibovespa-Index zwar knapp drei Prozent zu, aber der Real wertete deutlich ab. Von 100.000 in den Ibovespa investierten Euro verloren Anleger somit in diesem Jahr 5.595 Euro auf 94.050 Euro.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 19: US-Staatsanleihen
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Für Dollar-Anleger haben sich US-Staatsanleihen besser entwickelt als erwartet. Obwohl die US-Notenbank Fed den Leitzins in diesem Jahr bereits zweimal auf ein Band von jetzt 1,00 bis 1,25 Prozent erhöht hat, stiegen die Kurse von US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit. Das liegt vor allem an den gesunkenen Inflationserwartungen. Quer über alle Laufzeiten erzielten Anleger im ersten Halbjahr mit US-Staatsanleihen so einen Gesamtertrag aus Zinseinnahmen und Kursveränderungen von immerhin gut zwei Prozent. Der Verlust des Dollars zum Euro zehrte diesen Gewinn aber für Euro-Anleger mehr als auf. Aus 100.000 in US-Staatsanleihen investierten Euro bleiben so nur 94.970 Euro übrig.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Investoren waren zudem verunsichert über das Protokoll der jüngsten Sitzung der US-Notenbank. Die Mitglieder der Federal Reserve (Fed) waren sich bei ihrem Treffen im Juni nicht einig in der Beurteilung der Inflation. Unterschiedliche Auffassungen gab es auch darüber, wann sie den Startschuss für den Abbau der in der Weltfinanzkrise auf 4,5 Billionen Dollar angeschwollenen Bilanz geben sollen. „Damit ist zunehmend unwahrscheinlich, dass die Fed den Markt in den nächsten Monaten von ihrem optimistischeren Ausblick überzeugen kann“, sagte Commerzbank-Devisenspezialistin Esther Maria Reichelt. Der Dollar schwächte sich ab. Auf die Stimmung schlugen zudem schlechter als erwartet ausgefallene US-Jobdaten.

Anleger spekulierten dagegen nach Sitzungsprotokollen der Europäischen Zentralbank (EZB) auf ein Anziehen der geldpolitischen Zügel in der Euro-Zone. Bundesanleihen flogen wegen der Zinsfantasien aus den Depots, im Gegenzug stieg die Rendite der zehnjährigen Papiere auf den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren. „Die ungewöhnlich heftige Bewegung an den Anleihemärkten erwischt einige Anleger auf dem falschen Fuß“, sagte Aktienhändler Frederik Altmann vom Brokerhaus Alpha. „Viele Investoren müssen mit den Anleiheverkäufen auch Aktienbestände abbauen, damit sie in ihrer Gesamtanlage ausbalanciert bleiben.“

Einen Lichtblick im Dax bot die Commerzbank mit einem Kursplus von zwischenzeitlich 2,9 Prozent. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge erwägt der US-Fonds Cerberus einen Einstieg bei dem Bankhaus. Es gebe viele große Finanzinvestoren, die Interesse an der Commerzbank hätten, sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Denn die Aktien seien im Vergleich zu anderen Banken in der Euro-Zone relativ günstig.

Nach einer Kurszielsenkung durch die Analysten von JP Morgan warfen viele Anleger Pro7.Sat1 aus ihren Depots: Die Aktien fielen um bis zu vier Prozent auf 34,79 Euro und waren damit im Dax zwischenzeitlich das Schlusslicht. Im MDax sanken aus demselben Grund die Papiere von RTL um knapp ein Prozent. Der Vormarsch von Internetanbietern auf dem TV-Markt hatte an den Aktienmärkten Zweifel am Geschäftsmodell einiger privater Fernsehsender ausgelöst. Auslöser der Verkäufe war eine Branchenstudie von JP Morgan, in der die Analysten an der Reichweite von TV-Werbung Zweifel weckten.

An der Spitze des SDax der gering kapitalisierten Werte zogen die Aktien von HHLA um vier Prozent an. Ferner gewährte die Hamburgische Investitions- und Förderbank dem Biotechunternehmen Evotec eine Förderung, um therapeutische Antikörper zu entwickeln, die künftige Krebstherapien verbessern sollen. Für die Anteilsscheine ging es um bis zu 1,3 Prozent nach oben.

In London reagierten die Anleger verschnupft auf die Senkung der Umsatzerwartungen des Konsumgüterkonzerns Reckitt Benckiser in Folge eines Hackerangriff im Juni. Die Titel sackten um bis zu 1,6 Prozent ein. Dagegen überraschte der Handelskonzern AB Foods mit zuversichtlichen Prognosen verwies auf erfreuliche Geschäfte bei seiner Billigmode-Kette Primark.

  • dpa
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