Börse Frankfurt
Gerüchte lösen Kursfeuerwerk beim Dax aus

Der Dax hat heute seinen größten Tagesgewinn seit zweieinhalb Jahren verbucht. Spekulationen über eine Erweiterung der EU-Rettungsmaßnahmen ließen die Kurse explodieren. Finanzwerte hoben mehr als zehn Prozent ab.
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DüsseldorfGerüchte über eine massive Stärkung des Euro-Rettungsschirms EFSF im Kampf gegen die Schuldenkrise trieben heute die europäischen Aktienmärkte an. Der Dax schloss 5,3 Prozent fester bei 5.628 Punkten, nachdem er schon am Montag um knapp drei Prozent gestiegen war. Der Leitindex schloss damit mehr als 250 Punkte über dem Vortagesschluss. Der EuroStoxx 50 schloss 4,9 Prozent höher. Auch an den US-Börsen geht die Rallye weiter. Der Dow Jones gewinnt 2,3 Prozent. Der Euro übersprang zeitweise die Marke von 1,36 Dollar.

Der Börsenwert der im Dax gelisteten Konzerne wuchs binnen eines Tages um gut 73 Milliarden Euro. Dies ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt des Euro-Mitglieds Slowakei.

Einen Extra-Schub verlieh den Märkten am Nachmittag Österreichs Finanzministerin Maria Fekter mit der Aussage, die Länder der Eurozone würden am Montag über mögliche Hebel für den EFSF beraten. „Auf Äußerungen in diese Richtung reagieren die Börsen am meisten“, sagte ein Händler.

Angestoßen wurde die Erwartungshaltung vor allem von einer Meldung des Fernsehsenders CNBC, wonach das Volumen des EFSF über die Ausgabe eigener Anleihen aufgepumpt werden könnte. Die Finanzminister von Deutschland und Spanien wiesen den Bericht zurück. Ihre österreichische Kollegin erklärte dagegen, in der kommenden Woche würde intensiv darüber beraten, ob es ausreichend sei, was jetzt schon auf dem Tisch liege oder ob die Maßnahmen ergänzt werden müssten.

„Investoren setzen derzeit auf zwei Dinge“, sagte ein Händler. „Erstens: Griechenland geht nicht pleite und zweitens die europäischen Banken werden zwangsgerettet.“

Die Finanzminister von Deutschland und Spanien wiesen den Bericht von CNBC allerdings zurück. „Damit ist diese Idee aber nicht gestorben“, hieß es in einem Kommentar der Commerzbank. Ihrer Einschätzung nach ist sie lediglich vertagt, bis Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die Zustimmung des Bundestages zur 440-Milliarden-Aufstockung des EFSF in der Tasche hat.

Die Parlamentarier in Berlin stimmen am Donnerstag ab. Ein „Ja“ scheint sicher, da SPD und Grüne ihre Zustimmung signalisiert haben. Offen ist dagegen, ob Kanzlerin Angela Merkel die Koalitionsparteien hinter sich versammeln kann.

Von der Aufbruchstimmung an den Aktienmärkten profitierten auch die Rohstoffe. Öl und Kupfer zogen nach der jüngsten Talfahrt wieder an. Und auch Gold verteuerte sich, was Händler aber vorrangig auf eine technische Gegenreaktion auf den jüngsten Preisrutsch zurückführten.

„Sobald sich ein möglicher Lösungsansatz herauskristallisiert, springen die Anleger auf den Zug auf, weil sie hoffen, dass sich endlich was tut“, sagte ein Händler.

Börsianer warnen vor nur kurzer Erholung

Börsianer warnten dennoch, dass die Erholung des Marktes kurze Beine haben könnte. „Angesichts der hohen Unsicherheit ist Raum für beides - für Pessimismus und für Optimismus“, sagte Analyst Keith Bowman von Hargreaves Lansdown. „Die Optimisten sind derzeit am Zug und setzen darauf, dass die europäischen Politiker in den kommenden Wochen einen Weg aus der Krise finden. Aber die Bedenken bleiben. Etliche Investoren bezweifeln den Erfolg der geplanten Maßnahmen.“

In das positive Gesamtbild passte auch die trotz Schuldenkrise überraschend stabile deutsche Verbraucherstimmung, die aus dem Konsumklima des Marktforschungsinstituts GfK hervorgeht.

Das um 16:00 Uhr (MESZ) veröffentlichte US-Verbrauchervertrauen hat sich leicht aufgehellt. Der entsprechende Konjunkturindex stieg geringfügig auf 45,4 Punkte, nachdem er im August noch massiv um 14 Punkte auf revidiert 45,2 Zähler abgestürzt war. Das teilte das Conference Board, ein Institut der Privatwirtschaft, am Dienstag in New York mit. Experten hatten für September allerdings mit einem Wert von 46 Punkten gerechnet.

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Finanzwerte und MAN heben ab

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  • Und was ist das jetzt, 5% an einem Tag? Nach "unten" ist es Panik, irrational, fundamental unbegründet, Gerüchte müssen strafrechtlich verfolgt werden. Nach "oben" ist es ein Kursfeuerwerk, Zuversicht, die Anleger kehren zurück, die Vernunft kehrt ein, Gerüchte treiben den DAX®... Ganz schöne Heuchelei.

  • So, ich denke, das ist heute etwas zuviel des Guten gewesen. Immerhin sind die, welche um 5.000 im DAX eingestiegen sind, inzwischen mehr als 15% im Plus - und im DOW momentan +300 Punkte...
    Nach einem so fetten Tagesplus sollte es zumindest morgen eine technische Gegenreaktion geben. Diese könnte bei schlechten News auch bis 5350 gehen, so bietet 15.30 h (Auftragseingang US) hierfür eine mögliche Basis. Short ist meine Devise...

  • Genau DAS wollte ich eben auch antworten.



    Even Goldman Sachs Secretly Believes That An Economic Collapse Is Coming

    Goldman Sachs is doing it again. Goldman is telling the public that everything is going to be just fine, but meanwhile they are advising their top clients to bet on a huge financial collapse. On August 16th, a 54 page report authored by Goldman strategist Alan Brazil was distributed to institutional clients. The general public was not intended to see this report. Fortunately, some folks over at the Wall Street Journal got their hands on a copy and they have filled us in on some of the details.

    Daraus die Handlungsanweisung:

    But in any environment Goldman Sachs thinks that it can make money. The following is how Business Insider summarized the advice that Brazil gave in the report regarding how to make money off of the impending collapse in Europe….

    ■Buy a six-month put option on the Euro

    ■Buy a five-year credit default swap on an index of European corporate debt—the iTraxx 9. This is a bet that some of these companies will default, and your insurance policy, the CDS, will pay off


    Man mache sich seine eigenen Gedanken dazu:-)


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