Börse Frankfurt
Griechenland drückt Dax deutlich ins Minus

Schlechte Nachrichten aus Athen haben den Dax wieder kräftig in Mitleidenschaft gezogen. Dieser war zwischenzeitlich auf dem tiefsten Stand seit Ende Januar. Grund: Die Regierungsbildung in Griechenland ist gescheitert.
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DüsseldorfAls Reaktion auf die Ausrufung von Neuwahlen drehte der Dax am Nachmittag scharf ins Minus und notierte bei Xetra-Handelsschluss 0,8 Prozent tiefer bei 6.401 Punkten.

Der EuroStoxx50 fiel zunächst auf ein Fünfeinhalb-Monats-Tief von 2.166 Zählern und verabschiedete sich bei 2.175 Stellen in den Feierabend. Der Leitindex der Athener Börse stürzte in der Spitze um mehr als fünf Prozent ab auf ein Rekordtief von 553,61 Stellen. Der griechische Bankenindex notierte ebenfalls so tief wie noch nie. Die Börsen in Madrid und Mailand schlossen jeweils rund zwei Prozent tiefer. An der Wall Street lag der US-Standardwerteindex Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland 0,1 Prozent im Minus.
"Offenbar hatte es am Markt noch einen gewissen Rest-Optimismus gegeben, dass die Vernunft siegt und es doch noch zu einer Regierungsbildung in Griechenland kommt", sagte Volkswirtin Jana Meier von HSBC Trinkaus. "Der erste Schock ist nun zwar verdaut, die heftige Anfangsreaktion zeigt aber, dass die Märkte weiterhin hochsensibel sind."

Der Griechenland-Schreck drängte die teilweise überraschend starken Konjunkturdaten in den Hintergrund. Dank des starken Wachstums in Deutschland schrammte die Euro-Zone knapp an der befürchteten Rezession vorbei. "Die deutsche Wirtschaft ist nicht kaputtzukriegen", sagte Robert Halver, von der Baader Bank. Deutschland ernte die Früchte seiner Reformen der vergangenen Jahre.

Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Januar bis März um 0,5 Prozent zum Vorquartal, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in einer Schätzung mit. Die 41 von Reuters befragten Analysten hatten im Schnitt nur ein Plus von 0,1 Prozent erwartet, wobei die Schätzungen von minus 0,3 bis plus 0,2 Prozent reichten. "Deutschland kann die Rezession vermeiden und startet sehr stark ins Jahr 2012", urteilte Helaba-Analyst Ralf Umlauf.

Die Wirtschaft in den Euroländern tritt hingegen auf der Stelle. Zum Jahresanfang blieb das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit 0,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal unverändert. Das teilte die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstagvormittag in einer ersten Schätzung in Luxemburg mit. Im letzten Quartal 2011 war die Wirtschaft um 0,3 Prozent geschrumpft.

Die Börsenprofis sehen auch die Aussichten für die deutsche Wirtschaft deutlich skeptischer als zuletzt erwartet. Das ZEW-Barometer sackte im Mai um 12,6 Zähler auf 10,8 Punkte ab, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung zu seiner Umfrage unter Anlegern und Analysten mitteilte. Es war der erste Rückgang nach fünf Anstiegen in Folge. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit 19,0 Zählern gerechnet. Die Lage wurde hingegen überraschend positiver bewertet: Dieses Barometer stieg auf 44,1 Punkte von 40,7 Zählern.

Zur Stimmungsaufhellung trug dagegen der Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von New York bei. Er lag mit 17,09 Punkten doppelt so hoch wie erwartet. "Wir sehen uns in unserem Wachstumsszenario bestätigt", betonte Helaba-Analystin Viola Stork.

Weitere Wirtschaftsdaten der USA fielen jedoch negativ aus. Die US-Verbraucherpreise für April sind unverändert gegenüber der Preise des Vormonats, erwartet wurde ein Plus von 0,1 Prozent. Die US-Einzelhandelsumsätze sind dagegen nur um 0,1 Prozent statt der erwarteten 0,2 Prozent gestiegen.

Am Devisenmarkt fiel der Euro auf bis zu 1,2769 Dollar und war damit so billig wie zuletzt Mitte Januar. Im Gegenzug drehte der Bund-Future ins Plus und lag in der Spitze gerade einmal 16 Ticks unter seinem Rekordhoch. Aus Furcht, dass Spanien und Italien vom Strudel einer Zahlungsunfähigkeit oder einem Euro-Austritt Griechenlands mitgerissen werden, trennten sich zahlreiche Investoren von den Anleihen dieser beiden Länder. Dies trieb die Renditen der jeweiligen zehnjährigen Bonds auf 6,341 beziehungsweise 5,957 Prozent.


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  • @ FriendsTeuro,
    mag alles richtig sein aber was hilft denn jetzt das?
    Die Lösung und nicht die Ursache wäre mir lieber.
    Übrigens es war nicht Dummheit, es ging darum den Großkonzerne, meistens deutsche und französische, alle Türen und Toren zu dem europäischen Markt aufzumachen. Die kleine mussten zwangsläufig dran glauben, es sei denn man macht auf Steuerparadies und dass man dazu jede Menge EU-Behörden bekommt. Da wird auch viel Geld in die Staatskassen gespühlt.

  • Auch ich wenn Sie damit einverstanden sind. Daß das ich hier seit Dezember 2011 zum teil gelesen habe entbehrt jeglicher Beschreibung

  • Wenn es einen Weg in ein wie auch immer geartetes seriöses Forum geben sollte, wäre ich daran interessiert.

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