Börse Frankfurt
Griechenland schickt den Dax auf Talfahrt

Griechenlands Premierminister Giorgos Papandreou will die Griechen über den Schuldenschnitt abstimmen lassen. Damit droht dem Euro-Kompromiss das schnelle Aus. Die Anleger reagieren entsetzt, die Aktienmärkte stürzen ab.
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Das drohende Scheitern des Schuldenschnitts in Griechenland hat die Aktienmärkte am Dienstag erneut auf Talfahrt geschickt. Am späten Nachmittag schloss der Dax fünf Prozent tiefer bei 5.835 Punkten. In der Spitze ging es sogar bis auf 5.762 Zähler hinunter. Am Montag hatte der Dax bereits 3,2 Prozent verloren und war auf 6.141 Punkte abgerutscht. Der MDax rauschte 3,8 Prozent auf 8.730 Punkte abwärts, der TecDax knickte um 4,6 Prozent ein bei 674 Punkten.

Mit seinem Plan einer Volksabstimmung über das neue Rettungspaket hat Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou auch die europäischen Aktienmärkte am Dienstag auf Talfahrt geschickt. Der Börsenwert der im EuroStoxx50 gelisteten Unternehmen schrumpfte im Vergleich zum Vortagesschluss um 64 Milliarden Euro. Dies entspricht in etwa einem Viertel der jährlichen Wirtschaftskraft Griechenlands. Die 30 Dax -Werte waren rund 26 Milliarden Euro weniger wert als am Montag.

Enttäuschende US-Daten haben den Dax am Dienstag zusätzlich belastet. Am Nachmittag blieb der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe der weltgrößten Volkswirtschaft deutlich hinter den Erwartungen zurück: Das Wachstum im Oktober schwächte sich im Vergleich zum Vormonat spürbar ab. Analysten hatten eine leichte Verbesserung prognostiziert.

Zu den größten Verlierern gehörten wieder einmal die Bankaktien - die Papiere der Commerzbank und der Deutschen Bank gaben 9,4 beziehungsweise knapp acht Prozent nach. Bereits am Montag hatten die Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank jeweils rund achteinhalb Prozent an Wert verloren. Auf europäischer Ebene büßten Societe Generale und BNP Paribas sogar mehr als zehn Prozent ein. Der Brancheindex rutschte um 3,6 Prozent ab. Die Gewinne der vergangenen Woche, als Finanzwerte nach dem Euro-Gipfel in die Höhe geschossen waren, sind damit schon wieder aufgezehrt.

Die Verluste im Finanzsektor wurden durch Zahlen von Credit Suisse noch verstärkt. Die Schweizer Großbank legte am Morgen ihre Zahlen für das dritte Quartal vor. Der Reingewinn stieg um zwölf Prozent auf 683 Millionen Franken. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Reingewinn von 1,1 Milliarden Franken gerechnet.

Stattdessen zweifeln die Anleger daran, dass der auf dem Euro-Gipfel gefundene Kompromiss im Kampf gegen die Schuldenkrise wirken kann. Josef Kaesmeier, Chefvolkswirt des Bankhauses Merck Finck, fordert eine Entscheidung: „Entweder Griechenland wird gerettet und kommt den Sparanforderungen nach - oder es geht pleite und tritt aus der Eurozone aus. Einen Mittelweg gibt es nicht.“ Sein Kollege Jörg Krämer von der Commerzbank warnte vor den Folgen eines griechischen „Nein“. „Durch eine Pleite und einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone würde die Ansteckungsgefahr für andere Krisen-Länder steigen. Die EU müsste einen Schutzwall aufbauen - besonders um Italien und Spanien. Der Euro-Rettungsschirm müsste bis dahin auf jeden Fall stehen.“ Janwillem Acket, Chefvolkswirt der Bank Julius Bär, bezeichnete Papandreous Plan als „geschickten Schachzug einer verzweifelten Regierung, die nichts mehr zu verlieren hat“. „Dem Volk wird die Frage vor die Füße geworfen: Wollt ihr den Euro? Wenn nicht, müssen wir mit der Konsequenz leben. Und die lautet wirtschaftlicher Kollaps. Das ist ein bisschen wie ein Pokerspiel.“

Martin Barwitzki
Martin Barwitzki
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Börse Frankfurt: Griechenland schickt den Dax auf Talfahrt"

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  • @ buju "... Terasse .."
    1.) Stimmt! Genialer Scotch.
    2.) Bin eher Investor. Es gibt gute Tage für Daytrader; gestern waren die Vorgaben so "exzellent", dass es ein fröhlicher Abend war.
    3.) Einschätzungen? Meine kamen hier selten gut an. Platzhirsche wissen alles besser ....
    4.) Wegen Ihrer konkreten Nachfrage dennoch eine Einschätzung:
    Stimme Ihnen zu, Weltuntergang ist wieder vertagt. Dennoch wird die Konsolidierung erst noch angestoßen werden müssen (bisher nur Absichtserklärungen). Die "Schubumkehr" wird noch lange brauchen. Dann Konsolidierung über viele Jahre.
    Wir werden lange eine eher dümpelnde Entwicklung haben. Höchst voilatil (Daytrader jubeln, die BörsenAGs auch). An eine Jahresendralley, die den Namen verdient, glaube ich nicht. Totalabsturz ist angesichts der sehr global aufgestellten deutschen Unternehmen nicht zu erwarten.
    Nicht absehbare "Einzelschocks" (Marke Lehman, Papanderou, Fukushima+Folgen) können jederzeit dazwischen hageln.
    Heute wohl eher seitwärts abwartend. GR wird man mit verdeckten Drohgebärden Muskeln zeigen. Morgen dann vielleicht leicht fester, wer weis das schon.
    Unternehmerische Fundamentaldaten sind recht stabil; Aktien derzeit nicht überbewertet. Unberechenbare Außeneinflüsse.
    Mittelfristig klare Kaufempfehlung; aber wir werden dank Politeskapaden auch noch bei 5.200 einsteigen können ...!
    Beachten: Zinsentwicklung und Inflationsraten. Problemlösung letztendlich mithilfe einer Inflationierung - was brandgefährliche Fallen beinhalten kann - zugleich ausgewählte Unternehmen befördert ....
    So long!
    PS in eigener Sache: Konkrete Kauf-/Verkaufempfehlungen abzugeben liegt mir fern. Eigene Deals poste ich nicht. Mitnichten publiziere ich hier mühsam erstellte eigene Unternehmensanalysen. Von "Charttechnik" halte ich wenig bis nichts. Weiter liegt es mir fern, morgens das als eigenen Tagestrend einzuschätzen, was die Presse längst publiziert hat. Nicht zu vergessen das tägliche GAP-Close ;-)

  • @buju: Ja abends ist es fein, wenn man seine Ruhe hat, so sehr man auch die Familie liebt:) Und wenn Du die DB gern handelst, wäre ggf. das was für Dich: Long Deuba, Short Coba. Am 13.10. hatte ich zwei KOs gepostet (konnte die Position mit CFDs nicht bauen, und nur mit denen handele ich), die Gesamtposition liegt inzwischen 19% vorn. Wenn Du Lust hast, suche ich morgen erneut nach zwei passenden KOs. Schönen Abend noch!

  • Übrigens:
    bei 15% Anstieg z.B. DB macht es immer Sinn, einen short zu versuchen - ist mir gelungen
    oder auf Eur/JPY zu schauen, leider vor der Intervention der BoJ ausgestiegen, dennoch war es lohnend.
    leider habe ich keine Zeit ( arbeite und beobachte/trade) tagsüber, zu schreiben. So geht`s nur morgens oder abends, wenn meine Frau telefoniert.
    Mal sehen was morgen passiert

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