Börse Frankfurt

Griechisches Schuldendrama drückt den Dax ins Minus

Griechenland muss sich mit seinen Geldgebern einigen. Doch die Zeit wird knapp. Vom Treffen der Euro-Finanzminister erwarten die Dax-Anleger indes keine Fortschritte. Gerüchte über ein „Grexit“ belasten den Leitindex.
Update: 11.05.2015 - 17:41 Uhr Kommentieren

Trügerische Ruhe an der Börse

FrankfurtDer Dax kann derzeit keine dauerhafte Richtung einschlagen. Nach massiven Gewinnen am Freitag musste der Leitindex am Montag bei insgesamt sehr niedrigen Umsätzen ein Minus von 0,3 Prozent auf 11.673 Punkten hinnehmen. Der MDax schloss 0,1 Prozent tiefer auf 20.589 Punkten. Der TecDax stieg bei 1672 Zählern um 0,6 Prozent.

Für Verkaufsstimmung sorgten heute zwei Faktoren. Zum einen belasteten miese deutsche Industriedaten die Stimmung. Die Produktion war im März um 0,8 Prozent gefallen, während die Aufträge schwächer als erwartet zulegten. Zum anderen blickten die Anleger mit Sorge auf das Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel.

Seit Monaten wird über Reformen gestritten, die die Euro-Länder und der IWF von der Regierung in Athen für weitere Finanzhilfen verlangen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble rechnete zuletzt nicht mit substanziellen Fortschritten. „Die Anleger werden zusehends pessimistischer“, sagt Adam Myers, Stratege bei Credit Agricole. Immer mehr Anleger setzen offenbar auf ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone. Sie nehmen entweder ihre Gewinne mit oder halten sich aus dem Marktgeschehen gleich komplett raus. Das bestätigen auch die niedrigen Handelsumsätze im Dax, die heute nur ein Volumen von etwas mehr als 2,4 Milliarden Euro erreichten.

An den griechischen Märkten war die Nervosität ebenfalls zu spüren: Der Athener Leitindex verlor bis zu 3,6 Prozent, der Bankenindex gab knapp neun Prozent nach. Am Anleihenmarkt kletterten die Renditen zehnjähriger griechischer Titel in der Spitze auf rund elf Prozent nach 10,784 Prozent im Schlussgeschäft am Freitag. Auch die Verzinsung der deutschen, italienischen und spanischen Anleihen zog an. Der Euro rutschte 0,5 Prozent ins Minus auf 1,1149 Dollar.

Wie Sie dem Niedrigzins ein Schnippchen schlagen
Tages- und Festgeldkonten werfen kaum etwas ab:
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Sparer haben es im Euro-Raum derzeit schwer. Auf Tages- und Festgeldkonten gibt es kaum noch Zinsen und es sieht nicht so aus, als ob die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins in der nächsten Zeit erhöhen wird und so Sparern wieder zu mehr Einnahmen verhilft. Für Kleinanleger kann es sich durchaus lohnen, in Aktien zu investieren. Allerdings sollten sie einige Regeln beachten.

Europaweit niedrige Zinsen
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Eine solche Situation, wie sie derzeit an den Märkten herrscht, ist nicht nur für die Kanzlerin Neuland.

Welche Produkte eignen sich für Einsteiger?
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Gut geeignet für Einsteiger sind sogenannte ETF, börsengehandelte Indexfonds. Anleger setzen damit auf die Entwicklung bestimmter Indices, wie zum Beispiel den Deutschen Aktien Index (Dax). Allerdings sollten Aktienneulinge nicht auf den Dax setzen, sondern auf breit gestreute Fonds, die nicht nur den deutschen, sondern mindestens den europäischen Aktienmarkt umfassen. Laut „Finanztest“ sind globale Fonds am besten geeignet. Sie umfassen nicht nur Aktien verschiedener Länder, sondern zusätzlich Wertpapiere unterschiedlichster Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Ihr Risiko ist also weit gestreut. Beispiele für mögliche ETF sind der MSCI World-Index oder der Stoxx Europe 600.

Wie groß ist das Risiko bei ETF?
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Aktienanlagen sind immer mit einem gewissen Risiko verbunden, auch Investitionen in ETF. Andere Fonds – zum Beispiel Branchenfonds – sind potentiell aber um einiges riskanter. Grundsätzlich sollten Durchschnittssparer beachten, dass sie nur Geld investieren, welches sie langfristig entbehren können – laut „Finanztest“ mindestens für zehn Jahre, besser noch länger. So lassen sich auch zwischenzeitliche Börseneinbrüche aussitzen.

Was ist mit Aktien einzelner Unternehmen?
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Wer Einzelaktien kauft, ist dem Unternehmen „auf Gedeih und Verderb“ ausgeliefert, warnt Beckerle. In einigen Fällen winken enorme Gewinne. Wer zum Beispiel Anfang 1997 Apple-Aktien für 1000 Dollar kaufte, ist heute um mehr als 200.000 Dollar reicher. Negativ ins Gedächtnis gebrannt hat sich vielen Anlegern in Deutschland das Beispiel der Telekom-Anleihe. Die „Volksaktie“ stieg zunächst rasant und fiel dann umso stärker. Beckerle rät Verbrauchern von Einzelaktien ab.

Gibt es den richtigen Zeitpunkt zum Aktienkauf?
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Nein. Auch wenn die Aktienmärkte gerade nur den Weg nach oben kennen, kann sich der Einstieg lohnen. Finanzexpertin Beckerle rät Verbrauchern zum Einstieg in Raten. Die festgelegte Anlagesumme wird dabei in mehrere Teilbeträge aufgeteilt und im Abstand von mehreren Wochen oder Monaten investiert. Eine weitere Möglichkeit sind dauerhafte monatliche Beträge, die in einen Fonds fließen.

Wo kaufe ich die Aktien?
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Für Einsteiger empfiehlt Beckerle den Kauf über eine Direktbank. Dort sei die Depoteröffnung und Verwaltung meist billiger als bei der Hausbank. Viele Hausbanken würden zudem ihre eigenen Fonds empfehlen, nicht unbedingt ETF. Allerdings: Direktbanken bieten ihren Kunden keine Beratungshilfe an. Wer dort Aktien kauft, muss vorher genau wissen, was er will. Versiertere Anleger, die sich für sogenannte gemanagte Fonds interessieren, fahren meist billiger, wenn sie die Anteile direkt bei Fondsvermittlern im Internet kaufen.

In der neuen Woche werde sich nun zeigen müssen, ob die Optimisten oder die Pessimisten die Oberhand am Aktienmarkt behalten, schrieb Analyst Christian Schmidt von der Landesbank Helaba in einer Studie. Neben der Quartalsberichtssaison sei auch das Thema Griechenland von Bedeutung.

Experten wie Robert Halver, Leiter Kapitalmarktstrategie bei der Baader Bank, haben keine strukturellen Zweifel an Aktien, die für Gewinnmitnahme sprechen würden. Weder werde der Euro zu einer Starkwährung, noch würden wirklich höhere Renditen bei Anleihen Aktien ernsthafte Konkurrenz machen. Eher sei von einem „reinigenden Gewitter, einer vorübergehenden Korrektur“ auszugehen.

Bei den Einzelwerten fielen heute die Lufthansa-Aktien auf, die 3,4 Prozent zulegen konnten. Direkt dahinter positionierte sich K+S mit einem Plus von 1,9 Prozent. Der Kali- und Salzkonzern will morgen über sein erstes Quartal berichten. Analystenschätzungen zufolge hat K+S zum Jahresauftakt deutlich mehr verdient als im Vorjahr. Auf der anderen Seite waren Volkswagen mit einem Verlust von zwei Prozent und Continental mit minus 1,3 Prozent zu finden.

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